Beratungsstelle für Prostituierte

Fünf Jahre ‚Amalie‘: „Große Strahlkraft in die Stadtgesellschaft“

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Fünf Jahre Amalie: Festakt im EinTanzHaus.

Mannheim-Neckarstadt-West - Seit fünf Jahren gibt es mit „Amalie“ eine Beratungsstelle für Prostituierte. Grund zu feiern und ein Jubiläum, das Mut macht:

„Hinschauen, wo andere wegschauen!“

Um kurz nach 18 Uhr ist das EinTanzHaus in den Quadraten proppenvoll. Vertreter aus Medien, Politik und Gesellschaft sind gekommen um das fünfjährige Jubiläum der Beratungsstelle ‚Amalie‘ zu feiern. 

Ich bin überwältigt, dass so viele Menschen gekommen sind und Amalie unterstützen“, sagt Julia Wege, Gründerin von Amalie und lächelt in Richtung Publikum. 

Auch Dekan Ralph Hartmann ist mächtig stolz auf das Projekt: „Amalie ist hoch anerkannt, das liegt an der fachlichen Reputation der Arbeit, die dort geschieht. Das hat eine große Strahlkraft in die Stadt und in die Stadtgesellschaft.“

Bärbel Mielich, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration von Baden-Württemberg, betont, welch große Bedeutung das Netzwerk um die Beratungsstelle habe. Denn damit Amalie so gut funktioniert, sind viele verschiedene Akteure nötig. 

Seit 2012 besteht der „Runde Tisch Prostitution“, der aus Vertretern von Politik, Polizei, Behörden, Wohlfahrtsverbänden und Fachleuten des öffentlichen Lebens besteht. Der Runde Tisch trifft sich viermal im Jahr und wird von Seiten des Diakonischen Werks moderiert und durchgeführt.

Einen beeindruckenden, echten Einblick bekommt man bei der Premieren-Filmvorführung des Imagefilms von Amalie. Regie führte der TV-Streetworker Thomas Sonnenburg, bekannt aus der RTL Doku-Soap „Die Ausreißer – Der Weg zurück", die 2008 den Deutschen Fernsehpreis erhielt. Sonnenburg begleitet das Projekt Amalie seit Jahren und ist selbst bei den Dreharbeiten noch schockiert, als ihm eine Dame erzählt, dass sie sich schon für drei Euro prostituiert hat. 

Fünf Jahre Amalie: Beteiligte der „ersten“ Stunde aus Kirche, Gesellschaft und Politik erscheinen zahlreich um den Erfolg der Institution zu feiern. 

Doch wie fing das mit Amalie eigentlich an?

Julia Wege befindet sich in ihren Anfangszügen ihres Studiums zur Sozialarbeiterin, sie absolviert ein Praktikum im Bereich Obdachlosigkeit. Dort trifft sie auf eine Frau die sich für zehn Euro an andere Obdachlose prostituiert. Das hat Wege schockiert. Von da an lässt sie das Rotlichtmilieu nicht mehr los. 

In ihrer Masterarbeit beschäftigt sie sich ausführlich mit der Thematik und deckt gravierende Probleme auf: Die Frauen, die überwiegend aus Osteuropa stammen, fehle es an grundlegender Aufklärung was Verhütung und Körperhygiene angehe. 

Die Folge: viele Schwangerschaftsabbrüche und Intimkrankheiten. Nur wenige sind krankenversichert. Julia Wege möchte etwas ändern, doch lediglich ein Wohlfahrtsverband, die Diakonie, meldet sich zurück.  

Die Wahl des Standorts, die Räumlichkeiten, das Logo, die „Visitenkarte“ – all das sei entscheidend für den Erfolg einer Organisation. So setzen Julia und ihre Kollegen von Anfang an auf Nähe. Mit einem Shirt, auf dem das Amalie-Logo abgebildet ist, ziehen sie durch das Rotlichtmilieu und fragen die Damen nach ihren Wünschen. 

Nichts wird dem Zufall überlassen. Bei Amalie finden die Prostituierten, Zuflucht, Beratung, kostenlose Gesundheitsversorgung und Vertrauen. Auch das angebotene Programm ist ganz auf die Wünsche der Frauen zurecht geschnitten. So kommt ihm Frauencafé beispielsweise regelmäßig eine Kosmetikerin vorbei, die den Frauen Schmink-Tipps gibt. 

Amalie ist ein Projekt, das nur durch die gute Zusammenarbeit verschiedener Akteure und Ehrenamtlichen so erfolgreich ist. Aber vor allem verdankt es den Erfolg Julia Wege, die mit ihrer Hartnäckigkeit und ihrer Empathie etwas geschaffen hat, was manchen Frauen noch nie besaßen – ein Ort des Vertrauens

jmb

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