Tausende Bäume müssten weg!

Baum- vs. Hochwasserschutz: Mannheimer kämpfen um Idyll am Rheindamm!

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Rheindamm Mannheim

Mannheim-Neckarau/Lindenhof -  Sollen Tausende Bäume entlang des Rheindamms aus Sicherheitsgründen gerodet werden? Für viele Mannheimer ist das unvorstellbar:

Spätestens seit dem Stuttgart 21-Konflikt ist klar: Wenn Natur für Bauvorhaben weichen soll, schlagen die Emotionen meist hoch.

Mit der Idylle am Rheindamm kann bald Schluss sein! Wo heute noch Jogger, Spaziergänger und Tiere die Stille und Ruhe genießen, könnten in absehbarer Zeit Arbeiten beginnen.

Impressionen vom Waldpark und Reißinsel in Mannheim

Denn der Deich entlang des Großkraftwerks Neckarau bis zum Stadtteil Lindenhof soll saniert werden. Das Tragische daran: Mehr als Tausend Bäume müssten dafür gefällt werden.

Schutz vor Hochwasser

Die Planungsbehörde, das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe, begründet das Vorhaben mit dem Schutz vor Hochwasser-Gefahr. Bei einem Dammbruch sei aktuell damit zu rechnen, dass Neckarau und Teile des Lindenhofs innerhalb weniger Stunden bis zu vier Meter hoch überschwemmt würden und größtenteils im Wasser stünden. Deshalb müsse der Damm verstärkt und zugänglicher gemacht werden und dafür die Bäume weichen, die das Bauwerk instabiler machten. 

Allerdings: Seit Bau des Dammes 1901 habe es nur ein größeres Hochwasser 1955 gegeben. Das habe aber den Damm nicht übertreten, sondern die Dammkrone noch deutlich unterschritten

Bürger unterschreiben Petition!

In der Bürger-Interessen-Gemeinschaft Lindenhof (BIG) wollen sie den Kahlschlag im Waldpark verhindern. Rund 22.000 Menschen haben bereits eine Online-Petition sowie Unterschriftenlisten zum Erhalt der bis zu 100 Jahre alten Bäume unterschrieben. Die Unterschriften will BIG an diesem Dienstag dem Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) übergeben. Die Stadt muss das Projekt letztlich genehmigen.

Lindenhof entlang des Rheins.

Wolf-Rainer Lowack vom BIG-Vorstand sei nicht grundsätzlich gegen Hochwasserschutz. „Ich bin aber dagegen, dass die Bäume gefällt werden, ohne dass man vorher Alternativen geprüft hat", sagt der 61-Jährige. 

Baubeginn ist laut Planungsbehörde frühestens im Jahr 2022. 

Laut der vom Präsidium angewendeten sogenannten DIN-Norm 19712 zu ,Hochwasserschutzanlagen an Fließgewässern‘ dürfen weder auf der Dammkrone noch innerhalb von zehn Metern auf beiden Seiten des Dammfußes Bäume stehen. Das würde zum Teil auch Eingriffe in die Gärten nahe am Damm gebauter Häuser erfordern.

Eines der schönsten Naherholungsgebiete der Region, das nicht ohne Grund als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, würde dauerhaft geschädigt werden“, so Lowack. Eine Entscheidung solcher Tragweite dürfe deshalb nicht allein auf Basis einer DIN-Norm vorgenommen werden.

Was für Alternative gebe es?

Möglicherweise könnten - wie andernorts - Spundwände den Hochwasserschutz verstärken, ohne dass Bäume fallen müssten. 

Übrigens: Rund 13 Millionen Euro kann das Projekt im Zuge des "Dammertüchtigungsprogramms des Landes Baden-Württemberg" kosten.

Das RP will beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ein Gutachten für das Mannheimer Projekt in Auftrag geben. „Es soll unsere Planung insoweit überprüfen, ob unter Berücksichtigung der DIN-Norm noch Spielraum besteht insbesondere für den Erhalt der Bäume", erklärt eine Sprecherin. Die Norm sei überdies nicht von der Behörde erlassen worden. 

Beim zuständigen Dezernat der Stadt Mannheim heißt es: „Sollten im Anschluss an dieses Gutachten noch Fragen offen sein, stellen wir ein weiteres Gutachten in Aussicht." 

„Wir brauchen die Stadt auf unserer Seite."

BIG-Vorstand Lowack und seine 150 Mitstreiter halten die angekündigte DIN-Norm-konforme Expertise von vornherein für nicht neutral. Sie wünschen sich einen aus ihrer Sicht unabhängigen Gutachter, an dessen Auswahl sie beteiligt werden wollen. Von Rathaus-Chef Kurz erwartet Lowack, dass er sich mit dem Anliegen von BIG auseinandersetzt und sich ebenfalls für ein unabhängiges Gutachten einsetzt. „Wir brauchen die Stadt auf unserer Seite."

dpa/jol

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