Nicht nur die Jusos freut‘s

150 Jahre SPD: Der „Schulz-Zug“ macht Halt in Mannheim!

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Kanzlerkandidat Martin Schulz besucht die Mannheimer SPD.

Mannheim-Neckarau - Mit Spannung wird Kanzlerkandidat Martin Schulz am Freitag zum 150-jährigen SPD Jubiläum erwartet. Die beste Stimmung an diesem Nachmittag herrscht aber im Saal der Jusos...

Nicht nur Juso-Chef Matthias Zeller ist am Freitagnachmittag angespannt bis an die Haarspitzen. Auch die anderen etwa 100 Mannheimer Jungsozialisten laufen aufgeregt hin und her. Der kleine Saal in der Rheingold-Halle muss ja auch entsprechend aussehen, wenn schon das große Idol Martin Schulz, oder wie sie ihn nennen, der „Gottkanzler“ persönlich einige Worte an sie richten will. 

Martin Schulz besucht Mannheimer SPD

Doch was reizt die jungen Sozialdemokraten so an der Figur Schulz? 

Kosta (18) ist erst seit etwa einem dreiviertel Jahr Mitglied. Der Grund: Das Aufstreben der AfD. Das bereite ihm Sorgen. Mit seiner Mitgliedschaft will er nun endlich etwas bewegen. Seine Meinung zum Kanzlerkandidaten: „Martin Schulz wird auf jeden Fall Kanzler! Seitdem er Kandidat ist, hat die SPD ja auch so viele neue Mitglieder gewonnen!“ 

Auch Büsra (21) ist erst seit Kurzem dabei. Sie studiert Politik im Beifach und möchte sich auch neben dem Studium politisch aktiv sein. Was begeistert sie an Schulz? „Wie er sich gibt, er spielt nicht die Rolle eines Politikers, er ist einfach er selbst.“ Pauline (21) kann ihr da nur beipflichten. „Wir freuen uns auf ihn und über die Gelegenheit, abseits von Medienberichten zu sehen, wie er wirklich ist.“

Dann, um 16 Uhr, rollt er endlich an, der Schulz-Zug! Unter tosendem Applaus und „Martin, Martin!“-Rufen tritt er in den Saal. Die Jusos haben zahlreiche lustige Schilder mit Sprüchen wie „Schaffe, Schaffe, Brücken bauen“ angefertigt, die sie jetzt hoch halten. Auch kunstvoll angefertigte Schulz-Bärte halten sie sich vor die Gesichter, die den Kanzlerkandidaten zum Schmunzeln bringen. Als er ein paar Worte an die jungen Menschen richtet, geht er natürlich auf die „geile Sau"-Äußerung der Juso-Chefs Matthias Zeller ein. „Im ersten Moment hab ich gesagt: Was will denn der Typ von mir? Wie kommt der mir denn?“ Doch dann stellte er fest: „Och das sind ja doch Nette.“ 

Die Message, die Schulz den Jungsozialisten mit auf den Weg geben will, ist: „Wenn wir auf der Höhe unserer Zeit sein wollen, dann müssen wir kämpfen, leidenschaftlich, mit unseren Argumenten, aber nie mit der Herabwürdigung der Anderen.“

„Du hast die SPD umgestrickt...“

Zum Dank für den Besuch gibt‘s von den Jusos noch den Schulz-Zug in Kuchenform, rote Socken der Mannheimer Marke ‚Von Jungfeld‘ („Du hast die SPD umgestrickt - deshalb dieses Geschenk", sagt Juso-Chef Zeller) und eine lustige Diashow mit Schulz-Fotomontagen der Orte, die Schulz an diesem Freitag in Mannheim besucht hat. Den Kanzlerkandidaten freut‘s. Während er sich glücklich vor der Festrede im großen Saal mit einem Stückchen seines Schulzzug-Kuchens stärkt, hört er den jungen Leuten noch interessiert bei der Vorstellung ihrer Projekte in Mannheim zu.

1200 Besucher lauschen „ihrem Schulz“

Dann geht es schon weiter in die Festhalle. Wie ein König mit seinem Gefolge betritt Schulz mit den fahnenschwingenden, enthusiastischen Jusos unter tosendem Applaus die volle Halle. 1200 haben sich dort versammelt um auf „ihren Schulz“ zu warten. Zuerst richtet Oberbürgermeisters Peter Kurz ein paar Begrüßungsworte an das Publikum, in denen er die Geschichte der SPD mit der Geschichte Mannheims und die ganz Deutschlands verknüpft. Dann folgt eine kurzen Rede von Leni Breymaier, Landesvorsitzende der SPD Baden-Württemberg, die an diesem Tag auch ein Jubiläum feiert – und zwar den Einritt in die SPD vor 35 Jahren. Sie geht auch auf die Blamage ein, die die SPD im Jahr 2016 in Mannheim eingefahren hat. „Nur 12,7 Prozent! Was für eine Demütigung. Und dann noch ein Direktmandat der AfD.“ Nach einer Gesangseinlage des Liedes „ Die Gedanken sind frei“ kommt endlich der, auf den alle gewartet haben: Martin Schulz!“ In seiner 45-minütigen Rede spricht er von Verantwortung, sozialer Gerechtigkeit und der Freiheit. 

„Nimm den Hut ab! Das sind nicht deine Farben!“

Auch betont er vor allem die menschliche Würde: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu wahren und zu schützen ist unsere gemeinsame Aufgabe.“ In diesem Kontext erzählt er von einer SPD-Veranstaltung in Nordrhein-Westfalen. Ein „farbiger Mann“ mit einem schwarz-rot-goldenen Strohhut hätte ihm dort erzählt, dass er auf dem Weg zur Veranstaltung an einer Demo einer gewissen Partei vorbeigegangen wäre. Die Demonstranten hätten ihm zugerufen: „Nimm den Hut ab, das sind nicht deine Farben!“ Das Publikum im Saal hängt ihm an den Lippen, einige raunen: „Oh mein Gott!“. Schulz redet sich langsam in Rage: „Aber ich sage euch: Schwarz-rot-gold sind die Farben dieses Mannes, aber unser Land ist nicht das Land dieser Partei!“ 

An einer anderen Stelle entrüstet er sich über den Wunsch der AfD eine 180 Grad Wende in der Erinnerungskultur machen zu wollen: „Diese Partei ist keine Alternative für Deutschland, sondern eine Schande für die Bundesrepublik!“

Auch spricht Schulz die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern an: „Was ist das für eine Zumutung für die Eltern, die einen Sohn und eine Tochter haben, aber der Sohn mehr Geld für die gleiche Arbeit bekommt?!“ Es solle gelten: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“ 

Martin Schulz schafft es in seiner Rede durch lebensnahe und konkrete Beispiele an die Herzen seiner Zuhörer zu appellieren und sie charmant für sich zu gewinnen. „Was ist Gerechtigkeit in dieser Gesellschaft? Da gibt es zwei Möglichkeiten: Natürlich könnte ich denen milliarden-schwere Steuererleichterungen versprechen, aber was sie brauchen, ist vielmehr Investitionen in die Kitas, in die Ganztagesschule, in die Universität, in die Verbesserung der Pflege!“

Das besondere Geschenk eines älteren Fans 

Als Schulz am Ende von der Bühne geht, spricht ein älterer Herr seine zwei Bodyguards an: „Ich hätte da ein Geschenk für Herrn Schulz. Könnte ich es ihm geben?“ Der zwei Meter große Bodyguard: „Das kann ich Ihnen nicht versprechen.“ Der ältere Herr wirkt enttäuscht, versucht es aber trotzdem. Schulz hält bei ihm an. Sie unterhalten sich kurz. Schulz schaut die kleine Willy-Brandt-Büste an und sagt ganz ernst zu dem Herrn: „Das kann ich nicht annehmen!“ Der Herr beharrt darauf. „Ich danke Ihnen vielmals!“, sagt Schulz gerührt. „Ich werde sie in meinem Büro aufstellen.“ Und irgendwie, glaubt man ihm das auch...

kp

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