„Sind an nachhaltiger Aufklärung interessiert!“

Nazi-Vorwürfe durch Ex-Mitarbeiter: Die Reaktion der RNV!

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RNV-Geschäftsführer Martin in der Beek (l.) bezieht in einer Pressekonferenz Stellung zu den erhobenen Rassismus-Vorwürfen.

Mannheim - Nach den schweren Rassismus-Vorwürfen eines entlassenen Mitarbeiters reagieren die RNV prompt und lädt kurzfristig zu einer Pressekonferenz. Die Stellungnahme des Unternehmens:

Es sind schwerwiegende Vorwürfe, die der Ex-RNV-Mitarbeiter S. L. gegen seine ehemaligen Kollegen erhoben hat (WIR BERICHTETEN) – im Rahmen einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Freitagmittag bezieht das Unternehmen in Person von Martin in der Beek (technischer Geschäftsführer) Stellung zu dem angeblichen Nazi-Skandal.

>>> BILD-Bericht: Mit Hitlergruß in den Feierabend

Der Fall

Von 2005 bis 2016 arbeitet L. als Fahrer bei den Rhein-Neckar Verkehrsbetrieben. In diesem Zeitraum war der Mann mehrmals „durch Verfehlungen im Kundenbereich, auch gegenüber Behinderten aufgefallen“, erklärt in der Beek. 

>>> Ticketautomat nicht gefunden: Blinder aus Bahn geworfen

In einem konkreten Fall aus dem Jahr 2009 hat besagter Fahrer einen blinden Mann aus der Bahn geworfen, weil dieser den Ticketautomaten nicht gefunden hatte, und verwies ihn an einen Kiosk – dieser hatte jedoch geschlossen. Anschließend fuhr L. davon, ohne den Passagier mitzunehmen. 

Im Frühjahr 2016 folgte schließlich die Entlassung des RNV-Mitarbeiters.

Am 19. Mai 2016 suchte L. schließlich das Gespräch mit der Geschäftsführung und Unternehmensvertretern, um auf „Unregelmäßigkeiten mehrere RNV-Mitarbeiter hinzuweisen“.

Dort zeigte L. seinem ehemaligen Arbeitgeber belastendes Videomaterial aus Aufenthaltsräumen aber auch direkt aus Fahrzeugen des Unternehmens.

In dem Gespräch im Mai 2016 wurden L. mehrere USB-Sticks zur Verfügung gestellt, auf die das Material zur Sichtung aus Auswertung geladen werden sollten. Trotz Zusage und mehrmaliger, erneuter Kontaktaufnahme durch die RNV kam L. diesem Angebot nicht nach.

So nahm die RNV mit L. Kontakt auf

Im April 2017 bekam das Unternehmen den Hinweis, das auf Youtube die RNV belastendes Material veröffentlicht worden sei. Konkret ging es um offene Hetze gegen Ausländer und auch von sexuellem Missbrauch war darin die Rede gewesen. 

Dieses Material wurde anschließend gesichert und von der Videoplattform entfernt, da es doch massiv gegen die Persönlichkeitsrechte der betroffenen Mitarbeiter verstößt. 

Seitdem werden die rund 45 Minuten langen Sequenzen von Experten gesichtet und ausgewertet. Diese Auswertung sei jedoch „mit hohem technischen und zeitlichen Aufwand verbunden“, da das Material mit versteckter Kamera und in extrem schlechter Qualität aufgenommen worden sein soll.

Wir können versichern, dass auch wir sehr an einer nachhaltigen Aufklärung der Vorfälle interessiert sind“, so in der Beek. „Gerade auch vor dem Hintergrund, dass sich unsere 2.100 Mitarbeiter aus über 40 unterschiedlichen Nationen zusammensetzen“, so in der Beek weiter.

Darauf angesprochen, welche Motivation der ehemalige Mitarbeiter für die plötzliche Offenbarung des Materials, das über mehrere Jahre aufgenommen worden sein soll, hatte, antwortet der ebenfalls anwesende RNV-Personalleiter Steffen Grimm: „Er hatte nochmal darum gebeten, ob man die Maßnahme nicht rückgängig machen könnte.

Das Wort „Erpressung“ wollen in der Beek und Grimm nicht in den Mund nehmen, aber: „Es ist keine direkte Verknüpfung hergestellt worden, aber man könnte eine ableiten...“, ergänzt in der Beek.

Nun – fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Gespräch zwischen L. und der Geschäftsführung – hat der Ex-RNV-Mitarbeiter rechtliche Mittel eingeleitet und seine Mitschnitte der Staatsanwaltschaft übergeben. Im Zuge dessen will er sich aufgrund der illegal entstanden Aufnahmen selbst anzeigen.

Das sollen die prekären Aufnahmen zeigen, die der BILD vorliegen:

  •  „Die Nigger. Das sind alles Volksschädlinge und die das Gesindel reinlassen, sind Volksverräter. Beide gehören vor Gericht, und je nach Vergehen liquidiert“, soll ein Angestellter im Blaumann im Aufenthaltsraum von sich gegeben haben.
  • Die, die Asylbewerber einladen, gehören abgefackelt“, soll ein Mann im Anzug geäußert haben. Unfassbar: Als er das Zimmer verlässt, hebt er den rechten Arm zum Hitlergruß. Auch diese Szene soll die Aufnahme aus der Kamera des ehemaligen Mitarbeiters zeigen.
  • Eine Männergruppe soll gemeinsam hetzen, dass es künftig wohl kein Schweinefleisch mehr geben werde, sondern „nur noch Lammdöner“, wobei laut BILD-Bericht das „R“ im Nazi-Sprech gerollt wird. Ein Foto auf bild.de will den Moment im Anschluss an das Gespräch festgehalten haben, in dem einer der Männer auf die „scheiß Nigger“ schimpft und anschließend mit einer imaginären Maschinenpistole herumschließt.
  • Schau dir das verwahrloste Mannheim an. Da sind 99,9 Prozent Muslime und Nigger. Was rüberkommt, ist Abschaum“, soll von einem Straßenbahn-Fahrer während einer Fahrt zu hören sein.
  • In einem weiteren Tonmitschnitt soll zu hören sein, wie mehrere Männer darüber sprechen, wie ein weiblicher Fahrgast sexuell missbraucht worden sein soll: „Da war sie nackig und wir haben losgelegt. Wäre sie nicht psychisch krank, hätte ich sie nicht gebumst“, soll einer der Angestellten kommentiert haben. Ein Video von der Tat soll an Kollegen verschickt worden sein.

kab/rob

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