Hygieneskandal, die Zweite?

Uniklinik: Mehr Infektionen als zunächst behauptet?

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Mannheim - Im Uniklinikum ist es offenbar zu mehr Wundinfektionen gekommen als anfänglich behauptet. Das geht aus einem Schreiben der Krankenhausleitung an SPIEGEL ONLINE hervor. Doch wurden die Worte der UMM im Mund verdreht? 

Geht der Hygieneskandal am Uniklinikum jetzt in die nächste Runde?

Für OB Peter Kurz könnte die Nachricht zu keinem schlechteren Zeitpunk kommen. Ein Tag vor dem zweiten OB-Wahlgang am Sonntag gerät der Aufsichtsrat des Uniklinikums in die Bredouille.

Wie SPON am Samstag berichtet, räumte die Krankenhausleitung in einem Schreiben an die Nachrichten-Website erstmals ein, dass es in der Klinik zu mehr Wundinfektionen gekommen ist als bisher behauptet.

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In dem Schreiben heiße es, dass es in einer Abteilung des Krankenhauses im Jahr 2014 „bei knapp 1000 operativen Eingriffen rund 40 Wundinfektionen“ gegeben haben soll, im ersten Quartal 2015 seien „dort bei 528 operativen Eingriffen zwölf postoperative Wundinfektionen aufgetreten“ – wesentlich mehr als bisher von Geschäftsführer Frederik Wenz bisher behauptet, der stets von „vier bis sechs versicherungsrelevanten Verdachtsfällen“ sprach.

Laut Spiegel-Berichten wären die deutlich erhöhte Anzahl von Infektionen intern seit längerem bekannt, im Mai behauptete die Geschäftsführung jedoch noch, das Hygiene-Institut habe der Hausleitung nichts Auffälliges berichtet. 

Ob diese Meldung Auswirkung auf die Stichwahl zwischen Peter Kurz und Herausforderer Peter Rosenberger (CDU) hat, wird sich spätestens morgen Abend zeigen.

Mittlerweile meldete sich auch das Uniklinikum zu den Vorwürfen zu Wort und wirft dem SPIEGEL eine „Negativberichterstattung“ vor, die „falsch und unglaubwürdig“ sei.

Die absolute Prozentzahl des zitierten Falles liege bei „exakt vier“ und somit im „normalen“ Bereich. 

Dirk Schuhmann von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des UMM stellt klar: „Das bei Spiegel online gemeldete "Einräumen höherer Infektionszahlen" bezieht sich wohl auf ein Missverständnis: Professor Wenz hatte bereits vor längerer Zeit auf die Frage "Gibt es nun mehr Klagen gegen das Klinikum?" geantwortet, dass die haftpflichtrelevanten Verdachtsfälle bei postoperativen Wundinfektionen wie in den Vorjahren bei 4 bis 6 pro Jahr liegen. Selbstverständlich waren damit nicht alle postoperativen Wundinfektionen im Universitätsklinikum gemeint, sondern nur die, die potenziell schwerwiegend waren.“

Berichte über eine angeblich tot aufgefundene Fliege in einem sterilen OP-Sieb, verdreckte Skalpelle oder die Anzahl der Geschädigten – laut Pressemitteilung des UMM nichts als „vorsätzliche Falschmeldungen“. 

Auszug aus der Gegendarstellung der Uniklinik:

Weitere beispielhafte Belege für die fehlerhaften bzw. verfälschenden Artikel 

1. Auslöser für die Negativberichterstattung war unter anderem Anfang 2014 ein Eintrag in einer internen Plattform des Klinikums für Beschwerden, dass sich „in einem sterilen OP-Sieb eine tote Fliege“ befunden habe. Die Geschäftsführung des Klinikums ist dieser Meldung sofort nachgegangen und hat sie geprüft. Diese Behauptung wurde nie bestätigt und auch von den Behörden nie weiter untersucht. Dennoch schafft es diese Fliege ohne jeden Beleg bis in die Überschrift von SPIEGEL ONLINE. 

2. „Verdreckte Skalpelle“ werden immer wieder stellvertretend für die angeblich mangelnde Hygiene am Klinikum herausgestellt. Die “eingeschweißten Skalpelle, an denen noch Gewebereste von der letzten OP kleben”, sind eine reine Fata Morgana. Fakt ist, dass die UMM seit mehr als zehn Jahren Einwegskalpelle benutzt. Weitere Erläuterungen erübrigen sich. 

3. Die Behauptung, durch Hygienemängel beim OP-Besteck seien in den vergangenen sieben Jahren im Klinikum „bis zu 350.000 Patienten geschädigt worden“, war einer der „Höhepunkte“ in der schlechten Recherche der so genannten investigativen Redakteure. Bei rund 20.000 Operationen pro Jahr können selbst bei den kühnsten Hochrechnungen nicht 350.000 Patienten in sieben Jahren auch nur potenziell geschädigt werden. 

Fakt ist – und das ist schwerwiegend genug und wird von keinem der Verantwortlichen heruntergespielt: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sechs Personen wegen Verstoß gegen das Medizinproduktegesetz. Ein solches Delikt kann mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden. Aber: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht wegen „fahrlässiger Körperverletzung“ oder noch schlimmerer Vergehen – wie manche Medien implizieren.

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rob

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