„Ich hatte eine Arschloch-Phase“

Nach Crash in Fressgasse: Urteil gegen ‚Maserati-Poser‘ gefallen 

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Poser Muhyeddin Ö. (Mitte) beim Prozessauftakt am Mannheimer Amtsgericht.

Mannheim - Anfang 2017 rast ein Poser in einem Maserati durch die Fressgasse, schrottet seinen und einen weiteren Wagen. Am Donnerstag fällt das Urteil gegen den jungen Heidelberger:   

Bewährungsstrafe für den unbelehrbaren Maserati-Poser.

Am Donnerstag (22. Februar) fällt am Amtsgericht Mannheim das Urteil gegen Muhyeddin Ö. (23). Der Heidelberger hatte am 28. Januar 2017 mit einem Maserati in der Fressgasse einen schweren Unfall verursacht.

Das Amtsgericht verurteilt Ö. zu einem Jahr auf Bewährung. Zudem muss der junge Mann zwei Jahre lang auf seinen Führerschein verzichten.  

Positive Sozialprognose mildert Urteil

Auch wenn das Urteil für viele zunächst „mild“ klingen mag, hat Richter Eichhorn eine Begründung: Es wäre eine Wahnsinns-Fahrt in der er „‚Russisch Roulette‘ gespielt hat, ob etwas passiert oder nicht“! Und dennoch: Ö. sei ein junger Mann, der eine positive Sozialprognose habe. Auch habe er einen „Reifeprozess durchlaufen“. Deswegen werde die Strafe auf Bewährung ausgesetzt.

Ö. selbst sagt: „Es sollte passieren, damit sich mein Leben ändert.“ Dabei hatte er unverschämtes Glück, dass bei dem Unfall niemand ernsthaft verletzt wurde. Wäre der Maserati wenige Zentimeter weiter in die Beifahrertür des Caddys gekracht, wäre der Unfall ganz anders ausgegangen: „Sie können froh sein, dass sie heute nicht beim Schwurgericht sitzen“, so der Richter.

Zum Prozessauftakt zeigt sich Ö., der nach seinem Crash zunächst auf Facebook trotzig weiter protzte, reumütig und geläutert: „In meinem früheren Leben hatte ich ein falsches Umfeld, wollte dazugehören und war naiv. Ich hatte eine ‚Arschloch-Phase“, gibt Ö. bei Gericht unverhohlen zu. 

Es war nicht das erste Mal, dass Ö. die Geschwindigkeit so extrem überschreitet: Bereits am Parkring in Mannheim hat die Polizei ihn schon mit 58 Sachen zu schnell erwischt – erlaubt sind dort gerade einmal 50!

Auch Straftaten wie Diebstahl, gemeinschaftliche Körperverletzung und Hehlerei finden sich in seiner Akte. Doch diese liegen bereits einige Jahre zurück. 

Gespielte Reue?

Allerdings habe er sich in der Folgezeit stark geändert, behauptet der junge Mann. So habe er den Kontakt zu seinen ehemaligen Freunden in der Poser-Szene komplett abgebrochen. Auch bei dem Caddy-Fahrer hat sich Ö. entschuldigt.

Auch sein Verteidiger glaubt an die Wandlung des jungen Mannes. „Als er im April 2017 zu mir kam, habe ich ihn ebenfalls für ein Arschloch gehalten“, sagt sein Anwalt Zill. Auch wäre Ö. das Ausmaß seiner Tat nicht bewusst gewesen, so Zill weiter. Doch das habe sich inzwischen geändert.

„Er hat die Poser-Szene nicht erfunden. Er ist lediglich ein Mitläufer gewesen“, so der Anwalt über seinen Mandanten. Ihn stellvertretend für alle Poser Mannheims zu verurteilen, wäre nicht gerechtfertigt. „Ö. wird nicht verurteilt, weil er als Poser Menschen den Schlaf geraubt hat“, stimmt auch der Staatsanwalt zu.

Er werde demnächst eine Ausbildung zum Versicherungsmakler beginnen. Insgesamt beliefen sich seine Schulden auf 120.000 Euro, die er jetzt bei seinem Vater abstotterten müsse, sagt Ö.. Den Maserati habe er im August 2016 für 97.000 Euro gekauft.

Fraglich bleibt, ob Ö. dem Gericht die Reue nur vorspielt: Nur wenige Wochen nach dem Fressgassen-Unfall hatte ein Polizeibeamter Ö. in einem Smart durch die Innenstadt fahren sehen und die Kollegen verständigt. 

Er wird nicht auf frischer Tat ertappt. Jedoch kann sich der Beamte eine auffällige orangefarbene Jacke merken, die der Angeklagte während der Fahrt anhatte.

Bis zum Gerichtstermin behauptete Ö., sein Vater habe den Smart gefahren. Als die Staatsanwaltschaft Ö. während des Verfahrens mit Fotos von seinem alten Facebook-Profil konfrontiert, die ihn in eben dieser Jacke zeigen, gibt er nach einer kurzen Besprechung mit seinen Verteidiger zu, den Smart selbst gefahren zu sein.     

„Das ist ausgesprochen dreist, sich nach so einem Vorfall wieder ohne Führerschein ans Steuer zu setzen“, sagt der Staatsanwalt dazu.

Der Fall

Ende Januar 2017 rast Muhyeddin Ö. (23) in einem Maserati durch die Fressgasse. Mehrfach lässt der Heidelberger den Motor seiner 400 PS-Schleuder aufheulen, ehe er an einer Kreuzung in einen von rechts kommenden VW Caddy kracht. Ö. soll laut Staatsanwaltschaft statt der erlaubten 30 Stundenkilometer mindestens Tempo 86 auf dem Tacho gehabt haben!

‚Poser‘ (22)  verursacht schweren Unfall in Fressgasse!

Im Anschluss an den Crash beschädigt der Maserati vier geparkte Autos. Der Beifahrer des Caddy wird bei dem Unfall leicht verletzt. Die Polizei schätzt den Gesamtschaden auf 25.000 Euro. Der junge Mann war im Rahmen von Poser-Kontrollen schon mehrfach aufgefallen. Einen Führerschein hatte er auch nicht.

Wenige Wochen nach dem schweren Unfall soll der Maserati-Poser wieder ohne Lappen gefahren sein. Anfang März sah ein Polizeibeamter den jungen Mann in einem Smart fahren. Ö. bestritt gegenüber MANNHEIM24 den Vorwurf vehement: „Ich bin nicht dumm und schieß mir ein Eigentor.“ Sein Vater habe den Wagen gefahren, sagte Ö. damals.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Maserati-Poser Gefährdung des Straßenverkehrs, gefährliche Körperverletzung und mehrfaches Fahren ohne Fahrerlaubnis vor.

jab/rmx

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