1. Mannheim24
  2. Mannheim

Mannheim: Stadthaus N1 unter Denkmalschutz – doch kein Abriss und Neubau?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Kiefer

Bleibt das Turmcafé Stars im Stadthaus N1 wegen Brandschutz für immer geschlossen?
Das Turmcafé Stars im Stadthaus N1 ist wegen Brandschutzes schon lange geschlossen. (Archivbild) © MANNHEIM24/Peter Kiefer

Mannheim - Paukenschlag vom Landesdenkmalamt! Das Stadthaus N1 am Paradeplatz steht plötzlich unter Denkmalschutz. Somit ist der geplante Abriss samt Neubau geplatzt:

Ist das Kunst oder kann das weg? Völlig überraschende Wende in Sachen geplanter Abriss des Stadthauses N1: Denn nachdem die Abrissbagger gefühlt schon die Motoren gestartet haben, werden sie jetzt zurückgepfiffen! Grund: Das Landesdenkmalamt hat jetzt das zentral am Paradeplatz in Mannheim gelegene Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, wie der „Mannheimer Morgen“ berichtet. Auch sehr zur Verwunderung des Gemeinderats, der darüber am Dienstagabend (27. Juli) von OB Dr. Peter Kurz (SPD) im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung informiert worden ist.

StadtMannheim
BundeslandBaden-Württemberg
Einwohnerzahl310.658 (Stand: 31. Dez. 2019)
Fläche144,96 km²
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Fakt ist: Das 1991 eröffnete und für umgerechnet knapp 45 Millionen Euro errichtete Stadthaus N1 ist seit jeher umstritten. Eigentlich waren sich alle einig, dass eine aufwendige Renovierung viel zu teuer sei und das marode Wahrzeichen weichen muss. Noch Ende Januar hieß es in nicht-öffentlichen Vorlage der Verwaltung für den Gemeinderat eine Sanierung sei „nicht wirtschaftlich und zweckmäßig“. Auch eine Totalentkernung schien ausgeschlossen.

Abreißen und neu bauen wäre rentabler gewesen als die Instandsetzung, auf die nun scheinbar alles hinausläuft. Somit ist jetzt nicht nur die Verwaltung im Rathaus, sondern auch der Einzelhandel vor den Kopf gestoßen. Und all das nur, weil das Landesdenkmalamt den Betonklotz als „exemplarisches Bauwerk der Postmoderne“ ansieht.

Stadthaus N1 in Mannheim: Erhalt des Gebäudes „wäre eine Katastrophe“

Geradezu geschockt zeigt sich Lutz Pauels, der Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Mannheim City, über die überraschende Einstufung des Stadthauses als Kulturdenkmal: „Das wäre eine Katastrophe, wenn das alles so stehenbleiben muss“, so Pauels zum Mannheimer Morgen. Gegenüber MANNHEIM24 hat Pauels das Stadthaus aufgrund seiner exponierten Lage als „Sahnestück“ bezeichnet. Innen sei es jedoch in einem katastrophalen Zustand. Gemeint sind beispielsweise die immer wieder auftretenden Wasserschäden und wiederkehrende Problemstellungen der Haustechnik.

Steht plötzlich unter Denkmalschutz – das umstrittene Stadthaus N1 am Mannheimer Paradeplatz. (Archivbild)
Steht plötzlich unter Denkmalschutz – das umstrittene Stadthaus N1 am Mannheimer Paradeplatz. (Archivbild) © MANNHEIM24/Peter Kiefer 

Für die Zeit nach dem Abriss haben sogar bereits drei Studien für den Neubau in der Schublade gelegen: Eine klassische Blockrandvariante, ein Konzept mit geschwungenen Baukörpern oder ein Modell mit einer begrünten Öffnung Richtung N2 und C1, wie der Mannheimer Morgen schreibt.

Stadthaus N1 in Mannheim: OB Kurz sieht die neue Situation ganz nüchtern

Handel und Hotel sollten dabei bewusst außen vor bleiben. Viel eher wollte man auf einen gesunden Mix aus städtischer Verwendung und Wohnungen setzen, den Ratssaal womöglich um weitere Teile der Stadtverwaltung erweitern. Dadurch würde man sich an anderer Stelle viel Geld für Miete sparen.

Auch für OB Dr. Peter Kurz sicher eine unerwartete Entwicklung: „Wir müssen diesen neuen Sachverhalt zunächst einmal analysieren“, so der Oberbürgermeister zum Mannheimer Morgen. Schließlich seien seit dem Bau des Stadthauses „neue Nutzungen immer wieder untersucht und zum Teil mit aufwendigen Umbauten umgesetzt worden – ohne ein überzeugendes Ergebnis für das Haus insgesamt zu erreichen“.

Oberbürgermeister Peter Kurz
Laut Mannheims OB Dr. Peter Kurz (SPD) muss der neue Sachverhalt in puncto Stadthaus analysiert werden.  © picture alliance/dpa

Viel mehr noch: „Eine sinnvolle und zumutbare Lösung im Bestand konnte bei den Überlegungen zur Zukunft von N1 bislang weder von der Stadt noch vom privaten Miteigentümer D&S gefunden werden“, so der OB leicht konsterniert. In jedem Fall wolle die Stadt ihren Anteil an N1 nicht abstoßen, sondern sich bei der künftigen Nutzung mit Miteigentümer Diringer & Scheidel (D&S) zusammentun.

Übrigens: Unser MANNHEIM24-Newsletter informiert Dich regelmäßig über alles Wichtige, was in Deiner Stadt und Region passiert.

Mannheim: Die Geschichte des Stadthauses N1

Das Stadthaus N1 wird zwischen 1986 und 1991 errichtet und ersetzt das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte „Alte Kaufhaus“. Entgegen des gängigen Namens wird der 1745 fertiggestellte barocke Prachtbau nach dem Krieg nur kurz als Kaufhaus genutzt.

In den Jahren 1960 bis 1986 werden insgesamt drei Architektur-Wettwerbe durchgeführt. Doch auch mit dem Siegesentwurf von Carlfried Mutschler für den heutigen postmodernen Bau, kehrt keine Ruhe in die teilweise hitzige Debatte ein.

Das „Alte Kaufhaus“ am Paradeplatz in Mannheim im Jahre 1892.
Das „Alte Kaufhaus“ am Paradeplatz in Mannheim im Jahre 1892. © Wikimedia Commons/Immanuel Giel

Einige Mannheimer laufen gegen den Plan Sturm und fordern einen Wiederaufbau nach historischen Plänen. Beim darauffolgenden Bürgerentscheid spricht sich eine überragende Mehrheit von 83 Prozent für den barocken Wiederaufbau aus.

Jedoch beteiligen sich lediglich knapp ein Viertel der Mannheimer am Bürgerentscheid. Damit ist das Ergebnis der Abstimmung nicht bindend und so setzt sich Oberbürgermeister Gerhard Widder (SPD) in der Folge darüber hinweg: Der postmoderne Neubau wurde schließlich durchgesetzt und bleibt allen Mannheimern wohl auch 30 Jahre später noch länger erhalten als gedacht. (pek)

Auch interessant

Kommentare