Stadt zieht Zwischenbilanz

Modellstadt Mannheim: So erfolgreich ist das Projekt bislang!

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In Mannheim sollen die Preise für die öffentlichen Verkehrsmittel gesenkt werden.  

Mannheim/Berlin - Im Januar 2019 startet die Stadt im Rahmen des Modellstadt-Projekts die ersten Maßnahmen. Nun gibt es eine erste Zwischenbilanz:

  • Im Januar 2019 startet das Modellstadt-Projekt in Mannheim
  • ÖPNV soll durch verschiedene Maßnahmen attraktiver gemacht werden 
  • Stadt zieht im Oktober Zwischenbilanz

Meldung vom 8. Oktober 2019: Nachdem die Stadt Mannheim vom Bund zur Modellstadt für die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Stickstoffdioxid-Reduktion ausgewählt wurde, fällt Anfang dieses Jahres der Startschuss für die Umsetzung einer Vielzahl von Maßnahmen im ÖPNV. Nun haben die Projektverantwortlichen eine Zwischenbilanz gezogen. 

Die wichtigsten Erkenntnisse sind, dass die vergünstigten Tickets wie erwartet zu einer Steigerung der ÖPNV-Nutzung geführt haben. Die Fahrzeuge sind inzwischen um 5,9 Prozent mehr belegt“, berichtet Erster Bürgermeister und ÖPNV-Dezernent Christian Specht und führte weiter aus: „Einen noch stärkeren Effekt haben jedoch unsere Maßnahmen in Bezug auf das Verbindungsangebot. Auf den Linien, auf denen wir die Takte verdichtet und damit das Angebot verbessert haben, haben wir ein Viertel, genau 26 Prozent, mehr Fahrgäste gezählt. Das bestätigt uns in unserer bisherigen Strategie, sich auf einen kontinuierlichen Ausbau des Verbindungsangebots zu konzentrieren, so wie bei unserer Stadtbahn Nord oder künftig durch die Anbindung von Franklin oder des Glücksteinquartiers. Es ist wichtig, den Nutzern ein gutes Angebot im Sinne des Fahrkomforts und der Verfügbarkeit anzubieten anstatt lediglich Preise zu senken.“ 

Modellstadt Mannheim: Weitere Angebote im Busverkehr

Im November wird mit Mitteln aus dem Modellstadt-Projekt eine weitere Angebotsverbesserung im Busbereich realisiert. Durch die Einführung der neuen Linie 65 zwischen Popakademie und Hochschule wird das Glücksteinquartier erschlossen und die bestehende Linie 60 zwischen Popakademie und Hauptbahnhof verstärkt. „Den Erfolg, den wir mit den Angebotsverbesserungen auf der Linie 45/50 hatten, möchten wir gerne wiederholen“, so Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv). „Es trägt außerdem erheblich zur Attraktivität von neuen Stadtquartieren bei, wenn es beim Einzug der ersten Bewohner schon eine ÖPNV-Verbindung vor der Haustür gibt.“ 

Wer genau die Fahrgäste sind, die seit Beginn der Modellstadt-Maßnahmen Anfang des Jahres für die erhöhte Nutzung des ÖPNV sorgen, muss noch ausgewertet werden. Möglicherweise handelt es sich um sogenannte Umsteiger, also Fahrgäste, die beispielsweise vom Auto auf den ÖPNV gewechselt sind und den ÖPNV vorher gar nicht oder kaum genutzt haben. Möglich wäre auch, dass bisherige ÖPNV-Nutzer noch häufiger mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und sich die Zahl der Fahrten dadurch erhöht hat. 

Die bisherigen Auswertungen haben gleichzeitig auch ergeben, dass ein Rückgang bei jenen Angeboten zu verzeichnen ist, die nicht im Rahmen der Modellstadt-Maßnahmen vergünstigt wurden. Hier insbesondere bei den regulären Tages- und Wochenkarten. Es ist anzunehmen, dass diese Fahrgäste nun auf die vergünstigen Modellstadt-Tickets zurückgreifen. 

Modellstadt Mannheim: Auswertung zeigt großen Erfolg

Ein großer Erfolg des Modellstadt-Projektes ist die Ausweitung desJob-Ticket-Angebots: Mehr als 100 Mannheimer Unternehmen bieten im Rahmen der Modellstadt das Job-Ticket neu an. Damit haben nun insgesamt rund 35.000 Beschäftige in Mannheim die Möglichkeit, vergünstigt zur Arbeit zu pendeln. Das sind mehr als 7.600 Beschäftigte, die neu hinzukommen, das entspricht 22 Prozent. „Darüber hinaus planen wir im nächsten Jahr ein neues Job-Ticket-Modell, das eine Grundbeitragsbefreiung für Arbeitgeber vorsieht und nur für die Mitarbeiter zu zahlen ist, die auch tatsächlich den ÖPNV nutzen. Das wird sicherlich ein weiterer Erfolg in diesem Tarifsegment”, ergänzt Volkhard Malik, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN). 

Beim sogenannten eTarif, der nur die tatsächlich zurückgelegte Luftlinie berechnet, hat sich im Rahmen einer der Modellstadt-Maßnahmen der Grundpreis um mehr als ein Drittel reduziert. Seither hat sich die Zahl der Fahrten verdoppelt. Die Zahl der Nutzer hat sich um die Hälfte gesteigert. „Der große Vorteil des eTarifs ist die Nutzerfreundlichkeit“, erklärt Specht. „Man muss einfach nur einsteigen und aussteigen, ohne sich mit den verschiedenen Tarifen auseinandersetzen zu müssen. Die Fahrtstrecke wird digital erfasst und anschließend ganz bequem abgerechnet.

Eine weitere zentrale Erkenntnis des Modellstadt-Projektes ist der Aspekt „Kosten“: Die Einnahmen, die durch die erhöhten Fahrgastzahlen seit Beginn der Modellstadt-Maßnahmen generiert werden, kompensieren nicht die Kosten, die durch die Maßnahmen entstehen. „Letztlich wird man immer draufzahlen müssen, wenn man die Maßnahmen in dieser Form anbieten möchte, insbesondere die Tarifmaßnahmen“, bilanziert Specht. „Wenn wir das Maßnahmenpaket also langfristig in dieser Form anbieten wollen, bedarf es finanzieller Unterstützung durch den Bund.

Modellstadt Mannheim: So günstig werden Bus- und Bahntickets ab Januar!

Meldung vom August 2018: Der Bund will in fünf Städten, darunter auch in Mannheim, Projekte zur Luftverbesserung unterstützen. Diese sogenannten Modellstädte (Mannheim, Herrenberg, Reutlingen, Essen und Bonn) sollen bis 2020 verschiedene Ideen und Projekte für einen attraktiveren Nahverkehr ausprobieren um so mehr Menschen zum Umsteigen auf Bus und Bahn zu bewegen. In Mannheim fällt nun der Startschuss für die Umsetzung der ersten Maßnahmen, die am Dienstag vorgestellt wurden.

„Mit unseren Maßnahmen verfolgen wir nach wie vor ganz klar zwei wesentliche Ziele: Die Luftbelastung durch Stickstoffdioxid soll reduziert und dadurch Fahrverbote vermieden werden“, betont Erster Bürgermeister und ÖPNV-Dezernent Christian Specht. 

Der größte Anteil der Fördermittel (28,4 Millionen) gehen in günstigere Ticketpreise für die öffentlichen Verkehrsmittel:

Die Maßnahmen

Das „GreenCity-Ticket“ 

Ein wichtiger Baustein des Modellstadt-Projektes in Mannheim ist die Förderung von günstigen ÖPNV-Tickets. Ab 1. Januar werden in der Großwabe Mannheim/Ludwigshafen „GreenCity-Tickets“ angeboten, die wesentlich günstiger sind:

  • Einzelfahrschein: 1,80 statt 2,60 Euro 
  • Fahrschein für Kinder: 1,30 statt 1,80 Euro
  • Einzelfahrschein BahnCard: 1,40 statt 2 Euro
  • 64,10 statt 92,20 Euro im Monat für eine Jahreskarte

Buslinienverstärkung und eTarif

Im Zuge des Modellstadt-Projektes wurde auch das Angebot der rnv ausgeweitet: Der Fahrweg der Buslinie 45 wurde so beispielsweise bereits Anfang Dezember von der bisherigen Endhaltestelle Neuostheim bis Waldhof Bahnhof verlängert. Dadurch ergibt sich in dem von den Linien 45 und 50 bedienten Abschnitt zwischen SAP-Arena S-Bahnhof und Waldhof Bahnhof von Montag bis Freitag zwischen 6 und 19:30 Uhr in beiden Fahrtrichtungen ein Zehn-Minutentakt. Am Wochenende fahren die Busse alle 20 Minuten. 

Im Laufe des Januars sollen auch die Preise im Luftlinientarif, dem sogenannten eTarif, angepasst werden. Mit einer App zahlen die Fahrgäste nur den Luftlinienpreis. Dieser Grundpreis wird von 1,20 auf 0,80 Euro gesenkt. Außerdem soll es eine Prepaid-Bezahlmöglichkeit geben, die den eTarif vor allem minderjährigen Fahrgästen zugänglich machen soll.

Jobticket 

Das Jobticket wird bereits von 220 Mannheimer Arbeitgebern genutzt. Weil ein Teil des Tickets durch den Arbeitgeber mitfinanziert wird, ist es für Mitarbeiter günstiger als reguläre Tickets. Auch hier wurde im Rahmen des Modellstadt-Projektes ein Angebot entwickelt: Unternehmen in Mannheim können Job-Ticket-Verträge mit einer Laufzeit von drei Jahren abschließen, bei denen für die Projektlaufzeit bis zum 31.12.2020 der Arbeitnehmer-Grundbeitrag entfällt. Durch diese Maßnahme sollen mehr Firmen dazu animiert werden, das Job-Ticket in ihren Firmen zu testen, um so mehr Pendler zum Umstieg auf den ÖPNV zu bewegen. 

Auch in der Sache des Herzogenriedbads gibt es Neuigkeiten:Nach einem Wettbwerb mit verschiedensten Einsendungen und Vorschlägen, wie das neue Bad aussehen soll, steht ein Sieger und damit das neue Schwimmbad fest.

Hintergrund: Modellstadt

Durch das Modellstadt-Projekt soll getestet werden, welche kurzfristigen Maßnahmen zu einer nachhaltigen Verbesserung der Luftqualität durch die Reduktion der Stickstoffdioxidbelastung beitragen können. Mannheim profitiert hier von einem 128-Millionen-Euro-Fördertopf der Bundesregierung, auf den insgesamt fünf ausgewählte Modellstädte in Deutschland zugreifen können. Neben Mannheim wurden Bonn, Essen, Herrenberg und Reutlingen als Modellstädte benannt. Der Projektzeitraum endet am 31. Dezember 2020. 

Die Modellstädte werden während der Testphase vom Bundesministerium für Umwelt und vom Bundesverkehrsministerium fachlich begleitet. Während dieser Phase wir immer wieder gemessen wie erfolgreich die Maßnahmen bei der Reduzierung von Stickstoffdioxid abschneiden. Die erste Evaluierung soll schon im Sommer 2019 stattfinden. Die Erkenntnisse aus den Modellstädten sollen dann auf andere Städte in ganz Deutschland übertragen werden können.

Vor einigen Monaten wurde auch die Möglichkeit eines kostenlosen Nahverkehrs diskutiert, war aber dann schnell wieder vom Tisch.

Ein originelles Foto begeistert die Facebook-Community: Zwei Studenten in Heidelberg transportieren ein Sofa, dass sie gerade über die Tauschbörse „Free your stuff“ bekommen haben in einer Straßenbahn – Couchsurfing mal anders. 

kp/kab

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