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Mannheim: „Verstörende Bilder“ – Politiker äußern sich zum Todesfall am Marktplatz

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Von: Daniel Hagen

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Mannheim - Nach dem Tod eines Psychiatrie-Patienten am Marktplatz sitzt der Schock noch tief. Politiker aus der Stadt fordern eine schnelle Aufklärung des Falls und sind erschüttert.

Ein Mann wird am Montag (2. Mai) wegen einer Personenkontrolle von Polizisten bis zum Marktplatz verfolgt. Der 47-Jährige ist Patient des Zentralinstituts für seelische Gesundheit (ZI) und braucht nach Aussage eines Arztes Hilfe. Doch in der Marktstraße eskaliert die Situation und der Mann wird zu Boden gebracht und unter Zwang gefesselt. Ein Polizist soll ihn zudem mehrfach geschlagen haben. Der Patient kollabiert kurz darauf und stirbt später.

StadtMannheim
BundeslandBaden-Württemberg
Fläche145 km²
Bevölkerung309.721 (31. Dez. 2020)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz

Mannheim: Mann stirbt nach Polizei-Einsatz am Marktplatz

Auch einen Tag nach dem Einsatz und Demonstrationen am Marktplatz sitzt der Schock tief. Zahlreiche Menschen sprechen von Polizeigewalt und machen die Beamten für den Tod des Mannes verantwortlich. Woran der 47-Jährige am Ende gestorben ist, soll eine Obduktion am Mittwoch (4. Mai) zeigen. Gegen die beiden Polizisten, die den Mann am Marktplatz mit brutaler Gewalt verhaftet haben, wird mittlerweile ermittelt.

Die Szenen der im Internet veröffentlichten Videos zeigen grausame Details des Einsatzes am Marktplatz. Manche Gaffer gehen dabei sogar so weit, dass sie Aufnahmen der Reanimation am Marktplatz ins Netz stellen. Allerdings ist auf mehreren Videos auch zu sehen, wie einer der Polizisten mehrfach mit der Faust in das Gesicht des 47-Jährigen zu schlagen scheint. Gerade diese Szenen sorgen für Betroffenheit!

Die Grünen Mannheim fordern restlose Aufklärung des Polizei-Einsatzes

„Ich bin erschüttert über die veröffentlichten Videosequenzen. Die Bilder vom Marktplatz werfen SEHR VIELE Fragen auf“, schreibt zum Beispiel Melis Sekmen, Bundestagsabgeordnete aus Mannheim. Der Vorfall müsse restlos aufgeklärt werden, wobei der „Hintergrund des Opfers“ keine Rolle spielen dürfen. „Ungerechtfertigte Gewalt“ sei aufs Schärfste abzulehnen und müsse geahndet werden.

Ähnlich sehen es auch Sekmens Partei-Kollegen der Grünen im Gemeinderat Mannheim. „Der Tod des Mannes ist erschütternd und hat uns alle sehr betroffen gemacht“, sagt Stadträtin Christine Eberle und fordert eine konsequente sowie lückenlose Aufklärung des Falls. Über den Todesfall nach einer Polizei-Kontrolle am Marktplatz berichtet auch Merkur.de.

SPD Mannheim und OB Kurz mahnen, auf Ergebnisse der Ermittlungen zu warten

Ebenso erschüttert über die „verstörenden Bilder“ ist die SPD im Gemeinderat Mannheim. Ihnen ist wichtig, die Ermittlungsergebnisse des LKA Baden-Württemberg abzuwarten und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. „Wir haben Vertrauen in die Ermittlungsbehörden, die nun aufgerufen sind, den Vorfall am Marktplatz genau zu untersuchen und aufzuklären sowie im Anschluss die notwendigen Konsequenzen zu ziehen“, sagt Dr. Bernhard Boll.

Mit ähnlichen Worten äußert sich auch der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz zu dem Todesfall am Marktplatz. „Sie alle wissen, wie wichtig uns ein friedliches, ein respektvolles Zusammenleben in unserer Stadt ist, deswegen wirft dieser Polizei-Einsatz Fragen auf, diese Fragen müssen beantwortet werden“, sagt Kurz dem Mannheimer Morgen. Eine Bewertung des Einsatzes vor den Ergebnissen „verbiete“ sich allerdings.

DIE LINKE Mannheim fordert Polizeistudie nach Todesfall am Marktplatz

Der Kreisverband „DIE LINKE“ Mannheim geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert eine Studie über „verfestigte menschenfeindliche Einstellungen“ in der Polizei. Es müssten zudem rechte Netzwerke konsequent aufgedeckt werden – auch, wenn der aktuelle Fall bislang überhaupt keine Verbindungen zu rechtem Gedankengut aufweist.

Zwar kommen am Abend nach dem Einsatz Gerüchte auf, dass es sich bei dem Toten um einen türkischen Migranten handelt, die stellen sich allerdings als falsch heraus – wie viele andere Behauptungen, die in den sozialen Medien geteilt werden. Der Fakt, dass es sich bei dem Opfer um einen Mann mit deutscher Nationalität handelt, macht die gesehene Gewalt aber nicht besser.

Blumen vor einem Supermarkt.
Politiker äußern sich zu Todesfall nach Polizei-Einsatz am Marktplatz. © MANNHEIM24/PR-Video/Priebe

Vorfall am Marktplatz darf nicht unter Teppich gekehrt werden

„Dieser Vorfall macht deutlich, dass wir eine gesellschaftliche Debatte über polizeiliches Verhalten brauchen. Das durch die Videos dokumentierte Vorgehen ist weit entfernt von Freund und Helfer. Ohne diese Hilfe würde der Mann wohl noch leben“, sagt Isabell Fuhrmann, Kreissprecherin „DIE LINKE“ Mannheim.

„So etwas dürfen wir in einer Demokratie nicht hinnehmen, das muss lückenlos aufgeklärt werden. Leider wissen wir wie schlecht die Aufklärungsquote ist, wenn die Polizei gegen sich selbst ermitteln soll. Umso wichtiger ist es nun, dass wir gemeinsam Druck machen. Die Tragödie in Mannheim darf nicht wie so oft als Einzelfall unter den Teppich gekehrt werden“, fordert die Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut von „DIE LINKE“. (pm/dh)

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