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Mannheim: Lupinenstraße bald Geschichte? OB Kurz will Rotlicht-Meile schließen

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Von: Peter Kiefer

Bleibt der Eingang zur sündigen Lupinenstraße in Mannheim-Neckarstadt bald für immer verschlossen?

Bleibt der Eingang zur sündigen Lupinenstraße in Mannheim-Neckarstadt bald für immer verschlossen? © MANNHEIM24/Daniel Hagen

Mannheim: Steht die Lupinenstraße, der berüchtigte Rotlichtbezirk in der Neckarstadt-West, nach Jahrzehnten der Prostitution vor dem Aus? Was man heimlich im Rathaus plant:

Werden die Bretterverschläge an den beiden Zugängen zur sündigen Lupinenstraße in der Neckarstadt für immer vernagelt bzw. abgerissen? Laut Informationen von MANNHEIM24* soll Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (58, SPD) in der jüngsten Dezernentenkonferenz die Idee vorgetragen haben, das rege Treiben dort zu beenden. Eine Maßnahme, um das „Problemviertel“ zu entschärfen?

Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie ist die Prostitution derzeit ohnehin untersagt und so bleiben die Betten verwaist.

Stadtteil (Mannheim)Neckarstadt-West
Fläche9,94 km²
Einwohnerzahl22.388 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte2.252 Einwohner/km²

Über 100 Prostituierte kommen in der berüchtigten Adresse am Rande der Neckarstadt-West ihrer Arbeit im ältesten Gewerbe der Welt nach. In rund 20 Häusern präsentieren sich die Damen ihren potenziellen Freiern in geöffneten sogenannten Koberfenstern, sprechen die zumeist männliche Kundschaft an – um den Preis für die gewünschte Leistung zu verhandeln.

Das Vorhaben der Stadt wird bau- und genehmigungsrechtlich nur schwer umsetzbar sein, weil sich das mit bestehendem Bestandsschutz beißt“, so ein Insider gegenüber MANNHEIM24. Man darf also gespannt sein, ob in der Lupinenstraße in absehbarer Zeit das (Rot-)Licht ausgeht.

Eine Rathaus-Sprecherin wollte die Überlegungen zur Stilllegung des Mannheimer Rotlichtbezirks auf Anfrage dieser Redaktion mit Bezug auf die interne Sitzung nicht kommentieren.

Was für einen Abschied der Dirnen aus der Lupinenstraße spricht: Der Besitzer beinahe aller Grundstücke dort würde wohl durchaus gerne an die Stadt verkaufen, soll aber einen Ersatzstandort für ein entsprechendes Bordell oder einen Club fordern. Deshalb würde OB Kurz derzeit angeblich intern alle Möglichkeiten dafür prüfen lassen.

Eine Prostituierte wartet auf einen Freier – in der Mannheimer Lupinenstraße bald Geschichte? (Symbolbild)

Eine Prostituierte wartet auf einen Freier – in der Mannheimer Lupinenstraße bald Geschichte? (Symbolbild) © Markus Scholz/dpa/picture alliance

Mannheim: Die Geschichte der Lupinenstraße in der Neckarstadt-West

Die ehemalige Gutemannstraße ist bereits im 2. Weltkrieg zur Prostitution genutzt worden. Im April 1943 hat ein Bombenangriff die Bordellgasse schwer zerstört. Erst 1961 beschloss der Gemeinderat, die rund 150 Meter lange Gutemannstraße vom Sperrbezirk auszunehmen, um die Prostitution einzugrenzen und möglichst an einem Ort zu konzentrieren.

Bei dieser Gelegenheit hat man die Straße gleich in Lupinenstraße umbenannt – in Anlehnung an die Pflanze namens Lupine. Der Name ist jedoch doppeldeutig, da in der römischen Antike einfache Huren als „Lupa“ bezeichnet worden sind.

Zuletzt hat eine schonungslose ZDF-Reportage über das „Problemviertel“ Neckarstadt für viel Wirbel und verärgerte Gemüter im Rathaus gesorgt. (pek) *MANNHEIM24 ist Teil des Ippen-Digital-Netwerks.

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