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Mannheim: Niedlicher Zuwachs auf Glücksteingelände – doch was ist das für ein Tier?

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Von: Sina Koch

Ein Nutria beim Fressen. Die aus Südamerika stammenden Nagetiere haben sich erheblich ausgebreitet.
Ein Nutria beim Fressen. Die aus Südamerika stammenden Nagetiere haben sich erheblich ausgebreitet. © Philipp Schulze

Mannheim - Ein niedliches Pelztierchen hat im Lindenhof ein neues Zuhause gefunden. Die Nutria ist zutraulich und holt sich ihr Gemüse von den Spaziergängern auf dem Glücksteingelände ab.

Auf den ersten Blick ähnelt die Nutria dem Biber: Sie ist einen halben Meter groß, hat rote Nagezähne und einen spitzen Schwanz. Das putzige Tierchen fühlt sich im Mannheimer Stadtteil Lindenhof offensichtlich sehr wohl. Es erobert die Herzen der Spaziergänger im Sturm und wird fast täglich von ihnen mit Gemüse gefüttert. Die Nutriadame scheint sich in der lebhaften, nicht artgerechten Umgebung, nahe dem neuen Technischen Rathaus, trotzdem wohlzufühlen. Wie lange das pelzige Tier bereits im Lindenhof lebt, weiß niemand. Die bequeme und regelmäßige Nahrung scheint dem Nager zumindest zu gefallen, glaubt auch der ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte der Stadt, Paul Hennze: „Es besteht höchstens die Gefahr, dass sie zu dick wird, wenn viele Menschen sie füttern und davon Fotos machen“, so der Fachmann.

Nutria in Mannheim: Ganz anders als der scheue Biber

Ursprünglich kommt die putzige Nutria aus Südamerika. Sie ähneln auf den ersten Blick den Bibern, ihre Schwänze sind jedoch rund und nicht abgeflacht. Der flauschige Lindenhof-Bewohner kann über zehn Jahre alt werden. Sie wird bei einem Körpergewicht von circa 9 kg bis zu 70 cm lang, hinzu kommt eine Schwanzlänge von ungefähr 45 cm. Ihr Fell ist überwiegend rötlichbraun, am Bauch graubraun. Züchtungen haben allerdings auch Tiere mit weißem Fell hervorgebracht. An den Hinterfüßen besitzen Nutrias Schwimmhäute, mit denen sie sich gut im Wasser fortbewegen können. Die großen Nagezähne sind wegen eisenhaltiger Ablagerungen im Zahnschmelz auffällig orange, dadurch aber auch härter und widerstandsfähiger. Auch wenn sie als Biberratten bezeichnet werden, sind sie gar nicht mit Bibern verwandt und gehören zu den Wühlmäusen. In der selbstgegrabenen Erdhöhle im Uferbereich oder dem Nest aus Schilf und Stöcken fühlt sich die Nutria besonders wohl. Nutrias ernähren sich überwiegend vegetarisch. Sie fressen hauptsächlich Blätter, Stängel und Wurzeln von Wasserpflanzen. Auch Mais verschmähen sie nicht. 

Auch in Ludwigshafen wurde schon einmal eine Nutria gesichtet.
Auch in Ludwigshafen wurde schon einmal eine Nutria gesichtet. © LUDWIGSHAFEN24/Josefine Lenz

Die freilebenden Tiere in Deutschland stammen von Artgenossen ab, die in den 1930er-Jahren aus Pelztierfarmen entlaufen sind. Die Nutria unterliegt keinem internationalen Schutzstatus und  wird nicht im Bundesjagdgesetz aufgeführt. Dennoch werden mit Ausnahmegenehmigungen von Unteren Landschaftsbehörden im Rahmen der Nutriabekämpfung jährlich tausende Tiere geschossen oder gefangen. Laut Naturschutzkenner Paul Hennze seien in der Kurpfalz sehr fruchtbare Nutrias vor Jahrzehnten ausgesetzt worden, um die Fauna zu bereichern. Heute sehe man das allerdings anders. Es sei inzwischen verboten, um heimische Arten zu schützen. Die Tierschützer kümmern sich trotzdem liebevoll um die Biberratte.

Nutria im Mannheimer Lindenhof: Die Biberratte ist besonders menschenfreundlich

Zurückhaltung kennt die Nutria nicht. Sie kommt ganz selbstverständlich auf die Spaziergänger zu. Das könnte zu einem Problem werden, da zu viel Nähe, beispielsweise durch Füttern, die Distanz zwischen dem flauschigen Tier und den Spaziergängern verringert. Die Biberratte könnte zunehmend die Scheu verlieren und das kann natürlich auch zu Bissen führen. Grundsätzlich ist ein solcher Biss nicht mehr oder weniger gefährlich als von anderen Wildtieren. Und der Nager beißt – wenn überhaupt – höchstens bei Gefahrensituation oder gar versehentlich, wenn man ihm eine Karotte oder andere pflanzliche Leckereien vor die Schnauze hält. Größere Infektionsgefahren sehen Experten allerdings nicht.

Paul Hennze hat keinen besonderen Tipp, wie man mit dem beliebten Gast auf dem Lindenhof umgehen soll. Wenn die dauerhafte Gemüsefütterung gesichert sei, könne die Nutria weiter wie im Schlaraffenland leben. Falls ihre Fans das Interesse an der flauschigen Biberratte verlieren, wird sie sich eine neue Bleibe suchen, vermutet der Naturschützer. „Sie ist bislang zumindest sicher über die viel befahrenen Straßen gekommen. Dann wird sie das hoffentlich künftig auch können“, so der Naturschützer weiter. (sik)

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