Gerüchte um Sparkurs der Stadt

Ab 2019 kein Fasnachtsumzug mehr in Mannheim?

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Der bunte Fasnachtsumzug zieht am Wasserturm vorbei. (Archiv)

Mannheim-Innenstadt – Ist bald Schluss mit lustig? Ein böses Gerücht macht in der Quadratestadt die Runde: Streicht die Stadt ab 2019 aus Finanzgründen den beliebten Fasnachtsumzug?

Seit über 60 Jahren ist er ein kunterbuntes Spektakel für hunderttausende Besucher – der alljährlich zwischen Ludwigshafen und Mannheim wechselnde Fasnachtsumzug.

Doch ist in zwei Jahren auf ‚Monnemer‘ Rhein-Seite etwa Schluss mit lustig?

Hintergrund: Gerüchteweise wolle das Rathaus den närrischen Lindwurm künftig nicht mehr finanziell unterstützen – dies wäre das sichere Aus!

Deshalb fordert der SPD-Kreisvorsitzende Wolfgang Katzmarek in einem offenen Brief von Finanzdezernent und Erster Bürgermeister Christian Specht (CDU) eine Stellungnahme, wie und ob die Zukunft des Umzugs gesichert ist.

MANNHEIM24 liegt der Brief vor: 
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Specht,
mit großer Überraschung habe ich vernommen, dass es anscheinend ernst zu nehmende Überlegungen der Stadt Mannheim gibt, den Mannheimer Fastnachtsumzug zukünftig nicht mehr finanziell zu unterstützen.
Anlässlich der ‚roten Socken Ordensverleihung der SPD Gemeinderatsfraktion‘ am 30.1.2017 wurde seitens der Fastnachter / Karnevalskommission die Sorge formuliert, dass der Fastnachtsumzug in Mannheim im Jahre 2019 und darüber hinaus aus Spargründen nicht mehr stattfinden kann.
Für die Mannheimer SPD ist dieses nicht vorstellbar! 
Ich hoffe sehr, dass es sich um Gerüchte handelt. Ich fordere Sie deshalb auf, umgehend Stellung zur Zukunft des Mannheimer Fastnachtsumzuges zu beziehen. Die Fastnachter, die mit hohen ehrenamtlichen Engagement eine fröhliche Kultur in Mannheim und damit viel Spaß und Lebensfreude in der Stadt am Leben halten, müssen wissen, woran sie sind. 
Dass der Fastnachtsumzug nicht nur der Präsentation der Vereine dient, sondern ein hohes Ansehen bei der Bevölkerung hat, muss ich Ihnen angesichts der Besucherzahlen nicht gesondert erläutern. 
In Erwartung Ihrer Stellungnahme verbleibe ich mit freundlichem Gruß 
Wolfgang Katzmarek 
SPD Kreisvorsitzender

Doch jetzt das ganz klare Dementi von Thomas Dörner, Präsident der „Karnevals-Kommission-Mannheim“ (KKM), wonach auch im Doppelhaushalt 2018/19 bereits rund 40.000 Euro Unterstützung für den Umzug eingeplant sind.

Natürlich ist es so, dass bei einer solchen Großveranstaltung die Auflagen den zum Zeitpunkt der Veranstaltung herrschenden Gegebenheiten angepasst werden müssen. Sei es die Sicherheitslage oder sonstiges. Dies ist auch gar nicht das Problem. Dieses besteht darin, dass die KKM als Veranstalter einen Zuschuss von 40.000 Euro von der Stadt erhält“, erklärt Dörner in seinem Antwortschreiben an Katzmarek.

Und da die Karnevals-Kommission eine gemeinnützige Organisation sei, müsse mit diesem Betrag der Fasnachtsumzug finanziell gestemmt werden.

Großes Problem: Die Kosten sind um mindestens 50 Prozent höher!

Der KKM-Präsident: „Aufgrund ständig steigender Kosten und kurzfristiger Massnahmen sind wir zur Zeit bei einem Kostenaufwand von 60.000 bis 70.000 Euro. Somit besteht eine erhebliche Unterdeckung. Um auch im Jahr 2019 einen Fasnachtsumzug durchführen zu können, muss mit der Stadt Mannheim über eine Aufstockung der Zuschüsse gesprochen werden.“ 

Dies müsse aber im Gemeinderat entschieden werden und nicht von Bürgermeister Specht, so die kleine Spitze gegen SPD-Politiker Katzmarek. „Aus diesem Grund nutzt die KKM solche Gelegenheiten wie die Veranstaltung der SPD am vergangenen Montag, um darauf aufmerksam zu machen und Ihre Unterstützung zu erhalten. Dies machen wir aber genauso bei Veranstaltungen der CDU. Ich hätte mir gewünscht, dass wir in einem persönlichen Gespräch über diesen Sachverhalt sprechen.

Abschließend richtet Dörner einen flammenden Appell ins Rathaus: „Wir machen den Fasnachtsumzug für die Stadt Mannheim und nicht zum Privatvergnügen. Ich denke, es ist für das Renommee der Stadt unerlässlich, den Umzug durchzuführen. Zumal auch noch der SWR live im Fernsehen überträgt. Ich bin mir sicher, dass die Stadt Mannheim dies genauso sieht und wir für das Jahr 2019 eine Lösung finden werden. Gleichzeitig muss ich nochmals darauf hinweisen, dass es von Seiten der Stadt keine mir bekannten Überlegungen gibt, die Zuschüsse zu kürzen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Zuschuss ausreichend ist.

Die ‚Gefahr‘ scheint also gebannt. Und nach all der Aufregung freuen wir uns erstmal auf den 2017er Umzug durch Mannheim: Der startet am 26. Februar närrisch-pünktlich um 13:11 Uhr – bevor 2018 dann wieder die Ludwigshafener dran sind. 

MANNHEIM24 meint: Wäre doch ein Jammer, wenn der mit über 100 geschmückten Wagen, Fußgruppen, Musikkapellen, Garden und Prinzenpaar größte Fasnachtsumzug der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar dem ‚Rotstift‘ zum Opfer fallen würde.

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pek

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