Kult-Bau im Herzogenriedpark

Marode Multihalle: Abriss oder Groschengrab?

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Letzte Großveranstaltung in der Multihalle: Gunther von Hagens' „KÖRPERWELTEN der Tiere“ (2010).

Mannheim-Neckarstadt-Ost – Wird das architektonische ‚Juwel‘ im Herzogenriedpark teuer saniert oder doch abgerissen? Der Stand der Dinge in Sachen Multihalle und worauf die Stadt hofft:

Sie war neben der Schwebebahn, dem „Aerobus“, das Highlight der Bundesgartenschau (BUGA) 1975 – die 20 Meter hohe Multihalle im Herzogenriedpark

Doch die bis heute weltgrößte freitragende Holzgitterschalenkonstruktion von Architekt Frei Otto (†89), der auch das Münchner Olympiastadion überdachte, ist mehr als bedenklich in die Jahre gekommen – sogar ein Abriss droht!

Die Dachhaut auf der Gitterkonstruktion ist teils derart porös, dass Feuchtigkeit das Holz der Dachkonstruktion (9.500 Quadratmeter) angreift und beschädigt. Bereits seit 2008 stabilisiert ein riesiges Stützgerüst den Aufbau, damit sich die Holzkonstruktion nicht weiter verzieht.

Das ist die marode Multihalle im Herzogenriedpark

Nach der Erfolgsausstellung „KÖRPERWELTEN der Tiere“ von Plastinator Gunther von Hagens (2. Juli bis 1. November 2010) und dem Abtransport der Plastinate von Elefant, Giraffe, Bär, Hai & Co. wurde die Multihalle im Jahr 2011 dann aus Sicherheitsgründen gänzlich für Veranstaltungen gesperrt. Die Gänge unter der Bedachung um die Halle sind aber weiterhin begehbar – auch hin zum Restaurant Multihalle

Der Rückbau der Kult-Halle droht, weil die Stadt unmöglich die mindestens 11,6 Millionen Euro stemmen kann, die für die aufwändige Sanierung des Kulturdenkmals (seit 1998) nötig sind, wie mehrere Gutachten attestieren.

Deshalb gründeten Stadt Mannheim und Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW) im Oktober 2016 den Verein „Multihalle e.V.“ mit dem weitere Spender für den Erhalt des spektakulären Bauwerks gewonnen werden sollen.

Im Rathaus sei man zwar bereit, ein paar Millionen für die Sanierung in die Hand zu nehmen - laut Bau-Bürgermeister Lothar Quast (SPD) etwa die Hälfte der 11,6 Millionen - jedoch nicht alleine und ohne externe Finanzmittel: „Die Multihalle ist ein außergewöhnliches Kulturdenkmal, das es zu erhalten gilt!

Das große Problem: Der ursprünglich anberaumte Termin für den Kick-off der Fundraisung-Kampagne (21. Februar), um finanzkräftige Stiftungen und Förderer zu ‚ködern‘, konnte aus diversen Gründen nicht eingehalten werden, dürfte jetzt irgendwann im zweiten Halbjahr 2017 liegen.

Dennoch ist man schon jetzt bei Denkmalstiftung Baden-Württemberg und Landesamt für Denkmalpflege nach Ortsterminen in der Multihalle auf offene Ohren gestoßen, die einen Betrag im mittleren sechsstelligen Bereich in Aussicht stellen. 

Zudem wird die Bundesarchitektenkammer in der nächsten Sitzung des Rats für Baukultur und Denkmalkultur im Deutschen Kulturrat versuchen, das Projekt mit einem Aufruf an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags zu unterstützen. 

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Am Mittwoch (15. März) informierten Bau-Bürgermeister Lothar Quast (SPD), Architektenkammer-Vize Stephan Weber und die städtische Baukultur-Referentin Tatjana Dürr vor Ort über den aktuellen Stand in Sachen Spendenhöhe und Vereinsaktivitäten.

Auch darüber, wie die Halle mittels langfristiger Nutzungsperspektive aus ihrem jahrelangen ‚Dornröschenschlaf‘ wieder zum Leben erweckt werden soll. Ein eigens angesetzter Workshop (31. März und 1. April) mit Experten aus Wirtschaft, Politik, Kunst, Kultur und Bauwesen soll entsprechende Ansätze liefern und erste Konzepte unter die Lupe nehmen. 

Grundgedanke des Workshops ist die Interdisziplinarität und das klassische Brainstorming. Vertreterinnen und Vertreter aus Architektur, Landschaftsarchitektur, Ingenieurbau, Kultur, Sport und Wirtschaft bringen jeweils ihr Know-how aus unterschiedlichen Perspektiven mit. Wenn wir das Bündeln, bekommen wir die besten Ideen“, erklärt Stephan Weber.

Nach zunächst eher dürftiger Prognose durch das mit dem Fundraising-Konzept beauftragte Münchner Büro „actori“ für das Vorhaben seien „die Ergebnisse des Nutzungsworkshops sind deshalb für die weiteren Schritte von hoher Bedeutung“, so Bürgermeister Quast. „Mit diesen Ergebnissen und der neubewerteten Situation gehen wir noch einmal in den Gemeinderat und beraten gemeinschaftlich das weitere Vorgehen.“ 

Die Ergebnisse des Workshops sollen am 1. April um 17 Uhr der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Doch das Damoklesschwert schwebt weiterhin über der Multihalle (160 mal 115 Meter groß): Sollten bis Ende 2018 nicht ausreichend Förderer oder öffentliche Mittel aufgetrieben werden, wird das Kult-Bauwerk abgerissen (Kosten rund 1 Mio. Euro). So stimmte es der Gemeinderat im Sommer 2016 ab – bei nur einer Gegenstimme. Jetzt also die Verlängerung der Frist um ein Jahr.

Alles über die Arbeit des Vereins „Multihalle e.V.“ und wie Du ihn unterstützen kannst, findest Du online auf der neuen Website www.mannheim-multihalle.de. Dort steht ab 16. März auch die Spendenkonto-Nummer und der Mitgliedsantrag für Interessenten.

>>> Verein für marode Multihalle gegründet

>>> Zukunft der Multihalle weiter ungewiss

pek

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