OB Kurz mit klaren Worten an Konzern

Kaufhof in N7 macht zu: 75 Angestellte verlieren ihren Job – „Schlag ins Gesicht“

Mannheim - Am Freitag bangen tausende Mitarbeiter in ganz Deutschland um ihre Jobs bei Karstadt-Kaufhof. Jetzt steht fest, welche Filialen schließen müssen. Eine in der Quadratestadt steht auch auf der Liste:

  • 62 von 172 Kaufhof und Karstadt-Filialen in Deutschland müssen schließen.
  • Auch Kaufhof in Mannheim muss dicht machen.
  • Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz nimmt dazu klare Stellung.

Alle Mitarbeiter von Kaufhof und Karstadt haben auf diesen Tag mit Bauchschmerzen gewartet: Am Freitag entscheidet der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) , welche Filialen in Deutschland schließen müssen. In den betroffenen Geschäften sehe der Konzern keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive mehr, so der GKK-Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz in Essen. Am Ende steht fest: Insgesamt werden 62 Karstadt und Kaufhof-Filialen in Deutschland geschlossen. Damit verlieren etwa 6.000 Menschen ihre Arbeit. In Baden-Württemberg müssen vier Geschäfte die Türen schließen, darunter eines in Mannheim.

Update vom 20. Juni: Das Entsetzen der Mitarbeiter des Galeria Kaufhofs in N7 ist groß. „Es gab Tränen, die Leute sind geschockt. Manche arbeiten in unserer Filiale seit 20 oder 30 Jahren“, erzählt Betriebsratsvorsitzende Sabine Jakoby gegenüber dem Morgenweb. Man habe viele Zugeständnisse gegenüber dem Unternehmen gebracht, beispielsweise hatte Angestellte im Dezember auf Gehalt verzichtet. „Die Kollegen geben jeden Tag alles, was sie können“, sagt sie weiter. Doch eine Schließung hat dies trotzdem nicht verhindern können und so verlieren 75 Mitarbeiter ihre Arbeit. Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Handel bei Verdi Rhein-Neckar Sabine Möller trifft es wohl für alle Kaufhof-Angestellten in Mannheim auf den Punkt, dass die Schließung ein „Schlag ins Gesicht" sei. Am 31. Oktober wird der Kaufhof in der Kunststraße schließen.

Mannheim: Galeria Kaufhof schließt – diese Filiale muss dicht machen

Erstmeldung vom 19. Juni: In Mannheim gibt es zwei Galeria Kaufhof-Filialen. Die eine befindet sich in den Planken und die andere bei N7 in der Kunststraße. Von der Schließung betroffen ist der Kaufhof in N7. Wie viele Mitarbeiter derzeit dort arbeiten, ist nicht klar. SPD-Landtagsabgeordneter Boris Weirauch bedauert, dass der Kaufhof in der Kunststraße zu machen muss: „Das ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten und ein bitterer Tag für den Einzelhandel in Mannheim“.

Ein Galeria Kaufhof in Mannheim muss schließen.

Er fordert vom Kaufhof-Konzern, dass dieser im Gegenzug zumindest Perspektiven für die betroffenen Mitarbeiter in Mannheim ermöglicht, zumal gerade die Arbeitnehmerseite in der Vergangenheit erhebliche Zugeständnisse zur Sicherung des Unternehmens gemacht hat. „Auch ein Unternehmen in Schieflage trägt Verantwortung für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es muss ernsthaft geprüft werden, ob die Beschäftigten in anderen Filialen weiterbeschäftigt werden können“, fordert der SPD-Politiker nun Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung. 

Mannheim: Galeria Kaufhof in der Kunststraße macht zu – OB Peter Kurz nimmt Stellung

Wenige Stunden nach der Entscheidung von GKK nimmt Oberbürgermeister Peter Kurz Stellung zur Schließung der Filiale in Mannheim. Der Oberbürgermeister hat sich noch kurz zuvor mit dem Unternehmen in Verbindung gesetzt und sich persönlich für den Verbleib der Doppelstandorte von Galeria Karstadt Kaufhof in Mannheim eingesetzt. Die Schließung der Filiale in N7 kommentiert der Oberbürgermeister folgendermaßen:
 
Die Stadt Mannheim hat in die komplette Neugestaltung der Fußgängerzone Planken, in Maßnahmen zur Verbesserung von Sauberkeit und Sicherheit sowie in gut ausgestattete Parkhäuser und einen attraktiven ÖPNV gerade in jüngster Zeit erhebliche Investitionen getätigt. Dies wurde begleitet durch Privatinvestitionen in enormen Umfang. Insgesamt flossen in den letzten zehn Jahren rund eine Milliarde Euro Investitionsmittel in die Mannheimer Innenstadt. Die Mannheimer City ist in ihrer Größenklasse Benchmark in vielen Kriterien bei der Kundenbeurteilung.

 
Diese Fakten und auch der Hinweis darauf, dass die beiden Filialen eine unterschiedliche Positionierung im Angebot und jeder Standort seine eigene, angestammte differenzierte Kundschaft hat, haben aber offensichtlich leider nicht ausgereicht, um die Unternehmensleitung davon zu überzeugen, in Mannheim beide Häuser weiterzuführen und einen Verlust an Arbeitsplätzen beim Unternehmen zu vermeiden, der aus unserer Sicht vermeidbar gewesen wäre. Die Schließung trifft die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Kundschaft aber auch unsere Innenstadt selbst. Deshalb erwarten wir, dass das Unternehmen nicht nur Verantwortung für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernimmt. Wir werden den Eigentümer der Immobilie außerdem auffordern, ein nachhaltiges Folgenutzungskonzept für die Immobilie vorzulegen, welches die Attraktivität der Mannheimer Innenstadt und der Kunststraße als Einkaufsstandort stärkt.

pm/dpa/jol 

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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