Bewährungsstrafe für Angeklagten (24)

Jungbuschbrücken-Raser verurteilt: „Seine Reue ist nur Lüge“

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Die Unfallstelle auf der Jungbuschbrücke am 16. Dezember 2017 (Archivfoto)

Mannheim - Tatort Jungbuschbrücke: Der Crash-Fahrer sitzt ein Jahr nach dem verheerenden Unfall auf der Anklagebank. Eine Frau wird nie wieder ein normales Leben führen. Empfindet der Angeklagte ehrliche Reue? 

Ein Jahr nach dem Crash auf der Jungbuschbrücke wird der 24-jährige Angeklagte wegen Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung in vier Fällen zu einer Bewährungsstrafe von 2 Jahren und einer Geldstrafe von 10.000 Euro und 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte 2,8 Jahre Haft gefordert. Strafmindernd hätte sich laut Gericht die „günstige Sozialprognose“ des Angeklagten ausgewirkt.

Am 28. Juni hat die Berufungsverhandlung der Staatsanwaltschaft vor dem Mannheimer Landgericht stattgefunden: Todor G. muss nun doch für 2 Jahre in Haft! Die Angehörigen der Geschädigten können damit besser leben.

Vor fast genau einem Jahr, am 16. Dezember 2017 fährt die junge Mutter Jessica P. (heute 33) mit ihrer kleinen Tochter (heute 3) auf dem Rücksitz über die Jungbuschbrücke. Sie fährt einen blauen Corsa. Kurz vor dem installierten Blitzer wird sie langsamer, erlaubt sind 50 Kilometer pro Stunde. Es ist viertel vor acht Uhr abends, die Straße ist trocken, die Brücke ist gut beleuchtet.

Weitere Zeugen werden später aussagen, sie haben ein lautes Geräusch wie von einem Düsenjet gehört, wie die starke Beschleunigung eines Autos. Dann driftet ein silberner Audi A5 von der Gegenfahrbahn auf die Fahrspur, auf der sich Jessica P. gerade befindet. Der Corsa kollidiert mit einem Mercedes, stellt sich auf, wird unterfahren vom Angeklagten, überschlägt sich. Streift dabei noch einen Opel Astra mit der Dachseite.

Crash auf Jungbuschbrücke – Opel überschlägt sich! 

Unfall-Opfer Jessica P. ist jetzt ein Pflegefall 

Jessica P. erleidet neben einem schweren Schädel-Hirn-Traum schwere innere Verletzungen. Sie fällt ins Koma. Im späteren Verlauf noch drei weitere Infarkte. Sie ist bis auf ein Bein völlig bewegungsunfähig, kann nicht sprechen, ein schwerer Pflegefall.

Ihre kleine Tochter erleidet ein offenes Schädel-Hirn-Trauma. In Lebensgefahr schwebt die Kleine nicht mehr. Aber auch sie hat bleibende Schäden, epileptische Anfälle. Im März besucht sie zum dritten Mal eine Reha, muss zur Logopädie (Sprachprobleme), Physiotherapie. Wie gut es einmal wird, können die Ärzte bei dem Kleinkind jetzt noch nicht absehen, aber Schäden bleiben auch hier.

Neben Jessica P. und ihrer kleinen Tochter werden bei dem Unfall noch zwei weitere Frauen verletzt. 

Entschuldigungsbrief des Angeklagten 

Am Morgen des 18. sitzt Todor G. (24), keine Kinder, ledig, auf der Anklagebank des Mannheimer Amtsgerichts. Neben ihm eine Dolmetscherin, denn er spricht und versteht nicht gut Deutsch. „Ich will mich entschuldigen bei den Geschädigten, das ist sehr wichtig für mich“, lässt er durch seine Dolmetscherin sagen. Und: „Ich will aussagen!“

Nach dem Abschluss auf einem technischen Gymnasien in Bulgarien ist er seinen Eltern nach Mannheim gefolgt. Dort arbeitet er inzwischen seit 5 Jahren bei der gleichen Firma, verdient inzwischen 1.600 Euro netto als Reinigungskraft.

Die Anklage lautet heute auf vorsätzliche Gefährdung im Straßenverkehr. Denn: Todor G. steht zum Unfallzeitpunkt unter Drogen: Marihuana. 

Der Drogen-Sachverständige: „Da er schon mehrfach vorher Cannabis konsumiert hat, muss er gewusst haben, dass die Droge sein Fahrverhalten beeinträchtigen wird.“  

Todor gibt zu, ausnahmsweise in der Mittagspause um 14:20 Uhr einen Joint mit einer 50:50 Mischung Tabak/Marihuana geraucht zu haben. Danach arbeitet er weiter, muss keine Maschinen bedienen. Um 19:30 Uhr steigt er mit seinem Schwager ins Auto. „Der Fahrer muss bei Tempo 110 (erlaubt sind 50 Kilometer pro Stunde) begonnen haben in der Kurve zu driften. Mit 95 Kilometern pro Stunde geschieht dann der Frontal-Crash“ – so schätzt der KfZ-Sachverständige vor Gericht den Vorfall ein. 

Eine Polizistin: „Als wir am nächsten Tag bei Todor G. und seiner Mutter waren, sie darüber informiert haben, wie schwer die Verletzungen sind, haben beide geweint.“

Vor Gericht sagt der Angeklagte aus: „Ich weiß, dass es Kameras gibt, 50 erlaubt ist, fahre grundsätzlich immer nach den Regeln. Normalerweise trinke ich nur nach der Arbeit. Den Joint hatte ich zufällig bei der Arbeit dabei. Das ist der größte Fehler in meinem Leben gewesen!“

Ehrliche Reue?

„Ich bin der Meinung, er lügt!“, sagt der Stiefvater von Jessica P., Martin W. 

MANNHEIM24 liegt der Entschuldigungs-Brief vor, den der Angeklagte durch die Polizei überbringen lässt:

Auszug: „Sehr geehrte Familie P, in diesem Brief möchte ich mich entschuldigen für die Inzidenz (...) Ich habe keinen Alkohol getrunken, ich kenne die Brücke und die gefährliche Kurve. (..) Leider war es an diesem Tag dunkel und nass, deswegen konnte ich das Auto nicht kontrollieren (...)“ In dem Brief bietet der Angeklagte zudem an. der Familie zu helfen. 

„Ich nehme ihm die Reue nicht ab“, so der Stiefvater. Die kleine Tochter lebt inzwischen bei ihm und der Oma, ist in ständiger Behandlung. Aber sie kann sich vielleicht noch entwickeln. Bei Mutter Jessica machen die Ärzte den Angehörigen wenig Hoffnung auf Besserung. Inzwischen hat wohl auch ihre Reha-Einrichtung signalisiert, dass ihre ‚Behandlung‘ abgeschlossen ist. 

kpo

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