Szeneviertel schon bald familienfreundlich?

Mieten, Nachtleben, Sicherheit: „Jungbusch-Vereinbarung“ soll Wohnen im Kiez lebenswerter machen

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Vor allem zum Feiern und an Festen wie dem Nachtwandel gibt es kein Vorbeikommen am ‚Busch‘. 

Mannheim-Innenstadt - Um das Zusammenleben im Jungbusch zu verbessern, hat das Quartiermanagment nun eine Vereinbarung vorgestellt. Die 11 ‚Regeln‘ auf einen Blick:

Manche Mannheimer sehen den Jungbusch als Schandfleck der Stadt – andere fühlen sich hier pudelwohl. Trotz der Meinungsverschiedenheiten über das Leben im Quartier, gibt es einige Punkte, die alle Seiten beunruhigen: steigende Mieten, Kriminalität und Sauberkeit. Um diese und weitere Probleme anzugehen, hat das Quartiermanagement um Michael Scheuermann am Montag (6. Mai) die „Jungbusch-Vereinbarung“ vorgestellt.

Allerdings ist das Schriftstück kein Regelbuch, sondern dient vielmehr als „Leitfaden für das Zusammenleben“. Alle aufgelisteten Punkte in der Vereinbarung sind freiwillig und sollen das Wohnen im „Busch“ lebenswerter machen.

Mannheim-Innenstadt/Jungbusch: Tagesgeschäft statt Nachtleben?

Seit Jahren ist das Nachtleben Mannheims im Jungbusch Zuhause. Das soll sich laut Quartiermanager Michael Scheuermann bald ändern: Statt „Ausgehviertel“ soll der Jungbusch mehr und mehr Tagesgeschäfte anziehen. Kneipen, die sich nicht an die Regeln halten, sollen zurechtgewiesen werden – laute Nachtschwärmer haben es bald mit Ordnungskräften zu tun.

Die 11 Regeln der „Jungbusch-Vereinbarung“

Abgesehen von der Begrenzung des Nachtlebens werden auch Punkte wie Sauberkeit, steigenden Mieten und Sicherheit thematisiert. Insgesamt stellt die Vereinbarung 11 Regeln auf, die ein gutes Zusammenleben im Quartier erreichen wollen.

  • Der Jungbusch bietet Wohnraum für alle und behandelt Mieter fair
  • Der Jungbusch bleibt sauber
  • Im Jungbusch gibt man aufeinander Acht
  • Im Jungbusch wird umweltbewusst gelebt
  • Der Jungbusch soll bei Tag und bei Nacht lebenswert sein
  • Der Jungbusch soll sicher sein
  • Im Jungbusch werden Kinder geschützt und gestärkt
  • Im Jungbusch pinkelt man nicht auf die Straße
  • Im Jungbusch gibt es Verkehrsregeln
  • Der Jungbusch fördert Kreativität
  • Der Jungbusch stärkt die Demokratie

Die Zukunft des Jungbuschs

Konkrete Pläne gibt es auch schon: Neben der Sanierung des Spielplatzes in der Beilstraße sollen Eltern auch verstärkt in das Schulleben der Kinder integriert werden. Falschparker sollen zukünftig öfter abgeschleppt werden und der Dialog zwischen Vermietern und Mietern soll verbessert werden.

In den letzten Jahren hat die Stadt den Jungbusch ganz schön aufgeräumt. Immer mehr Häuser werden saniert oder sogar abgerissen, um neuen Bauten Platz zu machen. Wie sich das langfristig auf die steigenden Mieten auswirkt, ist fragwürdig. Generell scheint die „Jungbusch-Vereinbarung“ es darauf abzuzielen, den Szenekiez familienfreundlicher zu machen.

Auf der gegenüberliegenden Neckar-Seite werden nun ebenfalls zulasten der Geringverdiener Nägel mit Köpfen gemacht. In der Neckarstadt-West soll „lokale Stadterneuerung“ Besserverdiener anlocken und das Leben im Stadtteil verbessern - doch ein Pressesprecher vergreift sich im Ton

mw

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