CDU-Talk auf dem Quartiersplatz

Mannheim: Bald Alkoholverkaufsverbot und Sperrzeiten im Jungbusch?

Stuttgart, Frankfurt, Mannheim? Für ein Vor-Ort-Gespräch fragt die CDU „Kippt der Jungbusch?“. Eigentümer und Investoren sagen „Ja!“. Der Rest weiß nicht so recht, was die Frage soll.

  • Die CDU Mannheim lädt zum Vor-Ort-Gespräch über die Lage in den Jungbusch.
  • Der Titel der Veranstaltung „Kippt der Jungbusch?“ soll provozieren.
  • Eigentümer und Investoren fordern eine Veränderung der Sperrzeiten, da es durch vermehrte Außenbewirtschaftung immer länger laut sei.

Es ist 18:17 Uhr am Donnerstagabend (7. August) im Jungbusch: Nach und nach strömen von allen Seiten Leute auf den Quartiersplatz. Doch zum typischen Mix der nach Vergnügen suchenden gehören sie nicht. Die CDU-Gemeinderatsfraktion Mannheim hat zu einem Vor-Ort-Gespräch geladen. „Kippt der Jungbusch?“, fragt sie besorgt in die Runde der etwa 50 Anwesenden. Besonders für eine Interessengruppe eine willkommene Plattform, um ihre ganz persönlichen Agenda unter die Leute zu bringen.

Mannheim-Jungbusch: Auf Stimmenfang unter dem Deckmantel der Deeskalation

Nach der ersten Ankündigung am 31. Juli erinnert die CDU-Gemeinderatsfraktion Mannheim am Mittwoch (5. August) nochmal an das sogenannte Vor-Ort-Gespräch. Die Fragen, die im Teaser der Veranstaltung gestellt werden, irritieren: „Wird das Ausgehviertel zum Corona-Hotspot? Wird aus Party Krawall? Wird bei Recht und Ordnung ein Auge zu viel zugedrückt? Wird aus Deeskalation ein rechtsfreier Raum?“. Der Jungbusch als rechtsfreier Raum? Die Kriminalstatistik des Jungbusch zeichnet ein anderes Bild. Quartiermanager Michael Scheuermann vom Gemeinschaftszentrum Jungbusch sagt auf der Kundgebung, dass die Straftaten im Jungbusch abgenommen hätten.

Die Sprecher des Abends sind politische Hochkaräter: Stadtrat Claudius Kranz (CDU), Stadtrat Chris Rihm (CDU), Stadtrat Thomas Hornung (CDU), der Mannheimer Polizeipräsident Andreas Stenger und der Abteilungsleiter des städtischen Fachbereich „Sicherheit und Ordnung“ Harald Born. Quartiermanager Michael Scheuermann vom Gemeinschaftszentrum Jungbusch mischt diese Aufzählung etwas durch, aber er wird auch erst von Stadtrat Kranz eingeladen, auf die „Bühne" zu kommen. Er ist eigentlich privat anwesend.

Mannheim: Alkoholverkaufsverbot im Jungbusch?

Nacheinander teilen die Redner ihre Einschätzung zur Lage im Jungbusch mit. Man habe in den letzten Wochen mehrere nächtliche Begehungen gemacht, um sich ein realistisches Bild machen zu können. Stadtrat Rihm, der als erstes spricht, „war schon ein bissl erschrocken, wie viele Menschen sich tatsächlich hier im Jungbusch bewegen“. Er spricht auch das Müllproblem an und verweist auf die Aktion der Surfrider Foundation Baden-Pfalz im Jungbusch.

Stadtrat Chris Rihm am Quartiersplatz.

Stadtrat Hornung, dem Rihm das Mikrofon übergibt, lobt den Quartiersplatz als Erfolgsprojekt. Hier halten sich Leute gerne und zurecht auch nachts auf. Die Straßen des Jungbusch seien aber nicht dafür gedacht. Hornung stellt viele Fragen, die er aber größtenteils unbeantwortet lässt. Polizeipräsident Stenger spricht an, dass durch das Verbot von Veranstaltungen viele Leute auf die Straße gegangen seien, um sich dort zu treffen und Spaß zu haben. Die Situation nach 2 Uhr sei besorgniserregend. Dann kommt der Hammer: Stenger spricht Alkoholverkaufsverbote und Aufenthaltsverbote an. Bei einer negativen Entwicklung des Nachtlebens im Jungbuschmüsse man darüber sprechen“.

Mannheim Jungbusch: CDU weicht Fragen aus

Die CDU gibt sich als Vermittler der Interessengruppen. Auf der Veranstaltung kommen Bewohner, Eigentümer und Investoren zu Wort. Im Interview mit MANNHEIM24 sprechen zwei Christdemokraten über ihre Pläne für den Jungbusch, Alkoholverbot, Sperrzeiten und die Probleme, die die Partei im Jungbusch sieht:

In den letzten Jahren ist der Jungbusch für verschiedene Gruppen attraktiv geworden. Steigende Mieten locken Investoren an, die hippe Atmosphäre zieht Studenten als Bewohner und Gäste in den „Busch“, Gastronomen wollen sich einen Platz in der Straße sichern. Was im Jungbusch passiert, ist schon länger nicht mehr egal. Und so ist das Viertel auch in den Halbschatten des politischen Interesses gerückt. Das Vor-Ort-Gespräch ist ein aktuelles Zeichen dieser Entwicklung. (lpb)

Rubriklistenbild: © MANNHEIM24/Leon Berent / Surfrider Foundation Baden-Pfalz

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