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Mannheim: Nach Hater-Beschwerde – Hund „Joko“ muss Stammplatz verlassen

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Von: Fabienne Schimbeno

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Ein schwarz-weißer Hund liegt auf dem Gehweg
Mannheim: Hund Joko darf nicht mehr vor der Kunstgalerie seines Frauchens liegen © MANNHEIM24/Fabienne Schimbeno

Mannheim - Nach sieben Jahren darf Hund Joko nicht mehr auf dem Gehweg vor der Kunstgalerie seines Frauchens liegen. So will es das Ordnungsamt. Droht der Halterin nun eine Anzeige?

„Wir müssen leider DRINNEN bleiben“ heißt es ab sofort für Mischling Joko. Bereits seit sieben Jahren liegt der Vierbeiner nun schon vor der Kunstgalerie seiner Besitzerin Deborah Musso in den T-Quadraten in Mannheim. Der 10-jährige Rüde habe sich diesen Platz selbst ausgesucht, wie Musso uns mitteilt. Joko sei schon bekannt im Viertel. Er soll immer friedlich gewesen sein. Vor kurzem schreitet das Ordnungsamt jedoch ein. Grund dafür ist eine anonyme Beschwerde: Der Hund würde im Weg liegen. „Man hätte auch einfach mal an meine Scheibe klopfen können statt anonym das Ordnungsamt anzurufen“, empört sich die Galeristin.

Mannheim-Quadrate: Ordnungsamt sieht Hund Joko als Gefahr für Passanten

Laut Angaben des Ordnungsamts habe Hundehalterin Deborah Musso gegen das Straßenrecht verstoßen: „Gehwege müssen frei passierbar sein. Dies war beim Eintreffen der Streife des städtischen Ordnungsdienstes nicht der Fall, da der Hund quer auf dem Gehweg lag und Passanten um den dort abgelegten Hund hätten herumlaufen müssen“, äußert sich eine Ordnungsamtssprecherin MANNHEIM24 gegenüber. „Außerdem war der Hund unbeaufsichtigt und ein direktes Einwirken, z.B. bei einer Gefahr, wäre durch die Hundebesitzerin nicht möglich gewesen. Dadurch hätten gegebenenfalls Passanten gefährdet werden können“.

Das Ordnungsamt weist zudem darauf hin, dass es durchaus Bürger gäbe, die Angst vor Hunden hätten und sich nicht trauen, alleine an einem unbeaufsichtigten Hund vorbeizulaufen: „Diese werden beim Passieren des Gehweges gehindert und sind gezwungen, auf die Straße auszuweichen“. Eine Anzeige drohe Deborah Musso auf Anfrage von MANNHEIM24 jedoch nicht: „Die Hundehalterin wurde von den Mitarbeiter*innen des Ordnungsdienstes mündlich verwarnt und über die Problematik aufgeklärt. Eine kostenpflichtige Verwarnung wurde nicht erteilt“. Der Fall Joko erinnert an einen Klappstuhl-Streit in Heidelberg vergangenen Sommer.

Hund Joko: Entscheidung des Ordnungsamts löst Shitstorm auf Social Media aus

In den sozialen Netzwerken stößt die Entscheidung des Ordnungsamts auf klares Unverständnis. Ein Instagram-User schreibt zum Beispiel: „Was soll das denn?“. Auf Facebook kommentiert eine Userin: „So langsam wird es blöd. Wen in aller Welt stört dieser Hund?“. Viele der Nutzer verweisen bei ihrem Frust über diese Entscheidung auch auf andere prekäre Verkehrssituationen in der Mannheimer Innenstadt. Ein Facebook-User schreibt zum Beispiel: „Bevor man was gegen den süssen Hund gesagt wird, sollte man erst was gegen die Roller unternehmen“. Ein anderer Nutzer auf Instagram schreibt: „Das nette Ordnungsamt sollte mal lieber die Autos vom Gehweg verbannen ...“. Erst kürzlich berichtet MANNHEIM24 von den geplanten Neuerungen auf den Posermeilen Fressgasse und Kunststraße.

Deborah Musso freut sich über die viele Anteilnahme: „Es gibt natürlich größere Probleme in der Gesellschaft, aber trotzdem finde ich es nett, dass sich so viele Menschen für Joko einsetzen“, teilt uns die Italienerin in einem Interview mit. „Ich glaube, was die Leute dabei aufregt, ist die Tatsache, wie hier mit Tieren umgegangen wird“, erklärt Musso. „Joko ist doch kein Gegenstand, kein Objekt, das im Weg ist und irgendwie stören könnte“. Ob es sich das Ordnungsamt nach all den negativen Reaktionen vielleicht doch noch mal anders überlegt? Deborah Musso hält am Ende jedoch für sich fest: „Das Ordnungsamt macht nur seinen Job. Was mich viel mehr stört ist die Anonymität der Beschwerde“. (fas)

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