Nach geplatztem Deal bei ,Höhle der Löwen‘

Digitale Lkw-Werbetafeln – ist das nicht gefährlich? Das sagt der Mannheimer Gründer!

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Andreas Widmann im Interview

Mannheim - In der ,Höhle der Löwen‘ hatte Andreas Widmann beinahe einen Deal. Warum es bei ihm jetzt trotzdem läuft und ob er seine Erfindung nicht für gefährlich hält, verrät er uns im Interview. 

Am 30. Oktober können die VOX-Zuschauer bei ,Die Höhle der Löwen‘ sehen, wie der Mannheimer Jungunternehmer Andreas Widmann die Hände von Carsten Maschmeyer und Georg Kofler schüttet. Grund: Die beiden Investoren schließen laut Sendung mit Widmann einen Deal in Höhe von 750.000 Euro ab

Allerdings: Wenig später heißt es, der Deal ist geplatzt, die Investoren sind abgesprungen. Über die Sendung erfahren dies aber die Zuschauer nicht.

Natürlich kommen einige Fragen auf und wir suchen beim Gründer nach Antworten. Ein Monat nach der TV-Ausstrahlung erhalten wir diese. 

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Das Interview mit Andreas Widmann

MANNHEIM24: Werbetafeln an der Rückseite eines Lkw, darauf muss man erstmal kommen. Wie und wann entstand Ihre Idee?

Andreas Widmann: Mein Vater ist Teil der Geschäftsleitung der LGI Logistikgruppe. Wir hatten uns vor einigen Jahren am Abendbrottisch darüber unterhalten, warum Lkw-Flächen eigentlich nicht für Werbung genutzt werden. Das Problem dabei ist, dass sich der Lkw bewegt, die Werbung aber statisch bleibt. So kann es passieren, dass eine deutschsprachige Werbung wochenlang durch Frankreich fährt. Wir haben dann nach einer Lösung gesucht wie Inhalte schnell und einfach an die aktuelle Position und Situation des Fahrzeugs angepasst werden. 

Anscheinend ist ,Die Höhle der Löwen‘ mehr Schein als Sein. Immerhin ist Ihr Deal geplatzt. VOX-Zuschauer erfahren davon nichts. Können Sie uns die Gründe für den geplatzten Deal nennen? 

Natürlich setzt man sich nach der Sendung zusammen um über die Details zu verhandeln. Der in der Sendung geschlossene Deal hat schon eine gewisse Verbindlichkeit, beinhaltet aber nur die groben Eckpunkte. Wir sind uns dann in den Details nicht ganz einig geworden und haben beschlossen lieber auf anderer Ebene zusammenzuarbeiten. Mit der Social Chain Group von Herrn Kofler sind wir beispielsweise gerade in Gesprächen, um gemeinsame Werbekampagnen zu realisieren. Und mit der Maschmeyer Group sind wir im konstruktiven Austausch im Bereich der Sales-Optimierung.
 

Sie haben einen neuen Investor. Um wen genau handelt es sich? Wie kam dieser auf Sie zu und seit wann arbeiten sie zusammen? 

Wir haben Thomas Steckenborn, den Vorstandsvorsitzenden der CEMA AG, als Investor für uns gewinnen können. Er kennt sich im Technologiebereich hervorragend aus und hat ein umfangreiches Netzwerk in die Werbebranche. Er begleitet RoadAds schon, seit er Ende 2016 den Mannheimer Existenzgründungspreis gestiftet hat. Er ist für uns ein großartiger Partner mit dem zusammen wir unser Geschäft nun weiter ausbauen wollen. 


Eine blinkende Werbetafel und 160 Stundenkilometer - passt das zusammen? Wie kann die Gefahr der Ablenkung vom Verkehr vermieden werden? 

Die Verkehrssicherheit war für uns von Anfang an ein wichtiges Thema und hatte immer oberste Priorität. Unsere Werbetafeln sind nicht beleuchtet und blinken auch nicht. Letztendlich werden Standbilder gezeigt, die von Zeit zu Zeit angepasst werden. Das unterscheidet sich kaum von einer bedruckten Fläche. Unsere Tafeln sind außerdem ganz bewusst nur an der Lkw-Heckfläche angebracht. So müssen Verkehrsteilnehmer den Kopf nicht drehen und haben die Straße immer im Blick. Das hat beispielsweise auch eine Eye-Tracking-Studie der SRH Heidelberg gezeigt.

„RoadAds interactive ist der weltweit führende Anbieter für digitale Werbeflächen an Fahrzeugen.“ Damit werben Sie selbstbewusst auf ihrer Website. Wie weit sind Sie tatsächlich in Sachen Markteinführung? 

Wir sind seit November 2017 mit den ersten Fahrzeugen im Einsatz. Diese Markteinführung war zunächst als technischer Pilot geplant, aufgrund der großen Resonanz am Markt bauen wir unsere Fahrzeugflotte aber seitdem immer weiter aus. Anfang nächsten Jahres werden wir deutschlandweit mit einer dreistelligen Zahl von Lkw vertreten sein. 

 

Welche Potentiale sehen Sie in dem Produkt? Geht es ausschließlich um Werbung oder gibt es Möglichkeiten darüber hinaus? 

Schon jetzt nutzen wir unsere Tafeln nicht nur für Werbung, sondern auch für diverse andere Inhalte. So zeigen wir beispielsweise Verkehrswarnungen, Wettervorhersagen und Kurznachrichten. Dieses Informationsangebot stellt für die Autofahrer einen echten Mehrwert dar. Außerdem kann unser System von Logistikunternehmen zum Flottenmanagement genutzt werden. 



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Was kommt danach? Anzeigetafeln auf Autos? 

Wir werden uns als der zentrale Anbieter für digitale Fahrzeugwerbung etablieren. Schon jetzt haben wir eine kleinere 32'' Version für Transporter und wir führen erste Gespräche mit verschiedenen Verkehrsbetrieben um eine Version für Stadtbusse zu entwickeln. Darüber hinaus findet unsere Buchungsplattform und unsere Sichtkontaktmessung großen Anklang in der Werbeindustrie. Diese Art der Werbebuchung lässt sich auch auf andere Formen der Außenwerbung übertragen. Die gesamte Außenwerbung wird flexibler und messbarer werden und dazu tragen wir mit unserer Buchungsplattform bei. Sicherlich werden wir dieses System auch ganz unabhängig von Fahrzeugen etablieren können.

dh

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