Low-Carb-Leckereien aus Mannheim

„love me cakes“ – Die gesunde Versuchung

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„love me cakes“-Gründerin Christiane Bonkat.

Mannheim - „love me cakes“-Geschäftsführerin Christiane Bonkat erklärt uns im Interview, wie Naschen ohne zuzunehmen funktioniert... und warum sie nicht mehr von Schuhen, sondern von großen Knetmaschinen träumt.

Ungesunde Kalorienbomben waren gestern, Low-Carb-Schlemmereien sind heute. Ade, schlechtes Gewissen!

„love me cakes“ – Die gesunde Versuchung

Am 17. November wurde drei Nachwuchsgründern der mit 10.000 Euro dotierte Mannheimer Existenzgründerpreis MEXI 2015 verliehen. Eine der strahlenden Gewinnerinnen: Christiane Bonkat.

2013 gab sie ihren Job als Sales-Managerin auf und wagte mit „love me cakes - The Low Carb Way“ den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit. Mit Erfolg. Heute backt Christiane Bonkart als One-Woman-Show knapp 50 verschiedene gluten- und zuckerfreie Low-Carb-Köstlichkeiten – die Palette reicht von Triple Chocolate Cupcakes über American Cheesecakes bis hin zu Walnussbroten – die sie in ihrem Internetshop www.lovemecakes.de anbietet. So können beispielsweise Diabetiker und Menschen mit Glutenunverträglichkeit endlich wieder guten Gewissens leckere Marmelade und Kuchen naschen. Alle anderen natürlich auch ...

In deinem Online-Shop bietest du gluten- und zuckerfreie Low-Carb-Leckereien an, die nicht nur fantastisch aussehen, sondern auch noch so schmecken sollen. Wo ist der Haken?

(lacht) Es gibt keinen, deswegen ist „love me cakes“ ja so eine tolle Sache. Ich hab jahrelang geforscht und ausprobiert, weil ich selbst aufgrund von einer Erkrankung kein Gluten und Zucker essen darf. Mittlerweile habe ich aber ein tolles Sortiment, das ausschließlich aus Naturprodukten besteht und auf chemische Süßstoffe verzichtet. Böse Zungen könnten natürlich den etwas höheren Preis im Vergleich zu Backprodukten aus dem Discounter als Haken bezeichnen. Aber wenn das Xylit, mit dem ich süße, zehn Euro pro Kilo kostet, und das Mehl, mit dem ich mein Brot backe, 20, dann kann ich natürlich nichts für 99 Cent anbieten. Neulich war ich im Supermarkt. Da gab es Fleischwurst, die billiger war als Hundefutter. Da kann doch was nicht stimmen.

Ich wette, viele Journalisten und Freunde von dir wollen dir nicht glauben, nur um eine kostenlose Kostprobe zu bekommen...

Eigentlich hat noch niemand gesagt, dass er nicht glaubt, dass es schmeckt. Was ich nur immer ganz lustig finde, ist, wenn Leute gar nichts sagen, probieren und dann meinen: „Hey, das schmeckt ja WIRKLICH richtig gut.“ Zum Glück bin ich da nicht so sensibel, wenn die Leute immer so überrascht sind, dass es tatsächlich schmeckt.

Ich glaube dir übrigens auch nicht, dass es schmeckt.

(lacht und zeigt auf die Cupcake-Box für die Redaktion) Dann überzeug dich vom Gegenteil!

Du hast es eben schon kurz deine Krankheit erwähnt. Der zündende Funke zur Idee von „love me cake“ kam nach einer schlimmen Diagnose ...

Ja, genau. Erst neulich hat mir meine Mutter erzählt, dass ich – während meine fünf Geschwister in den Garten spielen gegangen sind – nach dem Mittagessen gefragt habe, ob ich ein bisschen am Tisch schlafen darf. Nicht gerade ein normales Verhalten für ein Kind. Jahre später wurde dann eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt, 2001 hat meine Schilddrüse dann komplett ihre Funktion aufgegeben. Anfangs war das noch nicht so schlimm, aber das hat sich dann geändert, als die Symptome wie ständige Müdigkeit, Schwindelattacken und Herzrasen anfingen. Dazu kam dann noch, dass ich trotz zweieinhalb Stunden Sport am Tag und einer Diät, bei der ich nur 400 Kalorien täglich essen durfte, innerhalb von drei Wochen neun Kilo Fettmasse zugenommen habe. Das war eine schwierige Zeit. Um die Jahrtausendwende war ich dann als Au-pair in Amerika. Zu dieser Zeit hat dort die ganze Sache mit Low-Carb angefangen. Zuerst dachte ich, die Amis spinnen, aber dann hab ich es ausprobiert und es hat funktioniert. In den USA hat mir hat natürlich der Nachtisch und das Brot gefehlt... wir Deutschen und unser Brot (lacht). 2002 habe ich dann das erste Mal angefangen, in der Küche herum zu experimentieren. Meine Schwester verteufelt mich heute noch dafür, was ich ihr damals vorgesetzt habe. 

Und da wurde dir dann klar, dass das eine Geschäftsidee sein könnte?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe da nie so recht an mich geglaubt. Meine Freunde haben die Kreationen von mir gegessen und sind immer dünner geworden. Und das, ohne das Gefühl zu haben, auf irgendetwas verzichten zu müssen. Sie waren es dann eigentlich, die gesagt haben, dass das Ganze doch eine tolle Geschäftsidee sei. Aber ich hatte einen sicheren Job. Und den zu kündigen war halt ein Risiko.

Aber eines, das sich ausgezahlt hat. Du hast jetzt schon einen festen Kundenstamm. Sind deine Hauptabnehmer tatsächlich Diabetiker und sonstige sogenannte Risikogruppen?

Der Triple-Chocolate-Cupcake hat den Redaktionshärtetest mit Bravour bestanden.

Mittlerweile lässt sich das – zum Glück – nicht mehr so eingrenzen. Aber natürlich sind viele Diabetiker unter den Kunden. Von vielen bekomme ich ganz liebe Dankesmails, in denen sie schreiben, dass sich ihre Lebensqualität extrem verbessert hat, weil sie endlich wieder Kuchen essen können, ohne sich Insulin spritzen zu müssen. Unter meinen Kunden sind viele Sportler und Eltern von Kindern mit ADHS, die ja keine Kohlenhydrate essen sollen, um den Blutzuckerspiegel ruhig zu halten. Aber auch viele Menschen, die die Schlank-im-Schlaf-Diät machen, bei der das Essen von Kohlenhydraten am Abend untersagt ist. Viele dieser Kunden sind aber noch skeptisch und rufen mich auch extra an und fragen, ob sie das Brot denn jetzt wirklich vorm Schlafengehen essen können. Ich beruhige sie dann immer und sage, dass mein Brot weniger Kohlenhydrate hat als eine Erdbeere.

Kannst du dir vorstellen, größer zu werden, oder macht gerade deine Arbeit als One-Woman-Show den speziellen Charme von „love me cakes“ aus?

Da bin ich gerade im Zwiespalt. Einerseits will ich mich vergrößern, andererseits kann ich im aktuellen Betrieb natürlich guten Gewissens garantieren, dass meine Ware gut, weil komplett selbstgemacht ist. Aber wenn man sich vergrößern will, muss man eben Personal einstellen. Ich bin schon auf der Suche nach einem größeren Produktionsort, weil ich hier in der Küche meiner Eltern (Christiane Bonkat backt in einer bis noch vor kurzem ungenutzten Zweitküche im Keller ihres Elternhauses, Anm. d. Red.) langsam an meine Grenzen stoße.

Anfang dieser Woche konntest du den Mannheimer Existenzgründerpreis MEXI 2015 entgegennehmen. Herzlichen Glückwunsch nochmals dafür! Was stellst du mit dem Preisgeld an?

Dankeschön. Ich kaufe mir eine große Knetmaschine. Im Moment stehen in meiner Küche drei kleine, die nicht nur einen Riesenlärm machen, sondern die Arbeit ungemein aufhalten. Mit einer großen Knetmaschine könnte ich anstatt einem gleichzeitig zehn Brote backen. Oh Gott, wenn du mich vor zehn Jahren gefragt hättest, hätte ich gesagt, dass ich nach New York fliege und mir Schuhe kaufe. Heute träume ich von Knetmaschinen und Kühlschränken (lacht).

Ein großer Traum von dir ist die Veröffentlichung eines Backbuches? Was steht dem Traum im Wege?

Die Zeit. Aber ich habe schon angefangen. Vielleicht wird‘s ja tatsächlich irgendwann noch etwas...

Wo siehst du dich und „love me cakes“ in fünf Jahren?

Ich greife mal nach den Sternen: In fünf Jahren hätte ich gerne mehrere „love me cakes“-Cafés in ganz Deutschland. Und vielleicht habe ich dann ja auch tatsächlich das Backbuch geschrieben und einen tollen Verlag gefunden, der es auch herausgeben möchte.

Dafür drücke ich dir ganz fest die Daumen!

Vielen Dank.

PS: Mittlerweile hat der MANNHEIM24-Redakteur seinen Triple-Chocolate-Cupcake vertilgt. Jetzt glaubt er Christiane Bonkart - und das ohne schlechtes Gewissen.

PPS: Am morgigen Samstag, den 22. November ist Christiane um 17 Uhr bei der Sendung „Tortenschlacht - Wer backt am besten?“ auf VOX zu sehen.

rob

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