‚Nase voll‘ vom Qualm der Restaurants!

Bürgerinitiative gegen Grillrauch am Marktplatz: Gutachten soll Lösung bringen

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Mannheim Marktplatz – Grillrestaurants sorgen für Rauch. (Archivfoto)

Mannheim Marktplatz - Die Grillrestaurants am Marktplatz sorgen zunehmend für starke Rauchbelästigung. Eine Bürgerinitiative fordert eine Verbesserung ihrer Lebensqualität:

+++ UPDATE (11. Januar): Bei einem Petitionsausschuss des Landtags kommen am Freitag Restaurantbesitzer und Beschwerdeführer zusammen. Die Betreiber seien damit einverstanden, ihre Abluftfilter technisch aufzurüsten. 

Da das aber zwischen 15.000 und 30.000 Euro kosten würde, müsse ihnen die Stadt entgegenkommen! So erklärt Gastronom Yilmaz Akilmak die Situation. Die Stadt habe auf den Vorschlag aber nicht reagiert.

Gutachten beauftragt

Er uns seine Kollegen sähen das Problem auch und wollen es ändern. Beide Seiten sind sich darin einig, dass die Restaurants erhalten bleiben sollen. Laut Fritz Lipphardt vom Initiativkreis gegen Grillrauch müsse die Lebensqualität der Anwohner aber wieder hergestellt werden!

Der Leiter des Umweltamtes Jürgen Hammer kündigt an, dass die Stadt ein Gutachten beauftragen werden. Ein Institut soll dafür Messungen durchführen. Der Preis dafür liegt zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Bis zum Ergebnis kann es aber noch einige Zeit dauern – nämlich bis zum Jahreswechsel!

Bis dahin soll der Bau weiterer Grillrestaurants verhindert werden. Darüber soll der Gemeinderat beschließen. „Es ist gut, dass das jetzt passiert“, sagt Lipphardt. Denn für eine juristische Lösung hätten die Mittel nicht gereicht.

Stadt und Land müssen reagieren

Der Landtagsabgeordnete Boris Weirauch wünscht sich eine Ausschöpfung des Rechtsrahmens. So könnte auf Basis des geplanten Gutachtens Verbesserungen durchgeführt und bei Verstößen ein Gericht eingeschaltet werden. 

Gregor Stephanie vom Umweltministerium meint, dass das Land dabei auch eine Rolle spielen sollte. Zum Beispiel solle die Immissionsschutzverordnung auch für Feruerungsanlagen beim Grillen gelten. Das sei vom Bundesrat sogar schon beschlossen worden!

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„Wir werden hier geräuchert“, klagt die Mannheimer Marktfrau Gertrud Neff und zeigt auf die Schlote mehrerer Grill-Restaurants, die den Marktplatz säumen. Vor allem im Sommer sollen Nebelschwaden herüberziehen. 

Hochschulleher Fritz Lipphardt wohnt nahe dem Marktplatz und kann im Sommer seine Fenster nicht öffnen und seinen Balkon nicht nutzen. Seine private Feinstaub-Messanlage habe erhöhte Werte bei bestimmten Wetterlagen gezeigt, erzählt er: „Das kann ja nicht gesund sein." Als einer der Beschwerdeführer erwartet der Familienvater vom Landtag gesetzliche Schritte. 

Offizielle Messungen zeigen allerdings keine Überschreitungen der gesetzlichen Emissionswerte.

Dem SPD-Mann Boris Weirauch selbst geht das Thema sehr nahe, spätestens seit letzten Herbst: Als er am Marktplatz vorbeikam und an einen Brand glaubte – bis seine Frau ihn davon überzeugte, dass die dicke Luft aus den dortigen Gaststätten stammte! „Das ist richtig gravierend“, meint der Abgeordnete, der seine Rolle im Konflikt als Mediator beschreibt.

Denn in der warmen Jahreszeit setzt der Qualm auch den Gästen der türkischen und arabischen Restaurants in deren Außenbereichen zu. Das Dauerärgernis ist mittlerweile zum Politikum geworden.

Politiker wollen sich ein Bild vor Ort machen

Die Initiative „Grillrauch“, aus Betroffenen und Besorgten hat den Petitionsausschuss des Landtags angerufen, um den ‚Stunk‘ zu beenden. Am Freitag (11. Januar) kommen die Ausschusschefin Beate Böhlen (Grüne) und der Mannheimer Landtagsabgeordnete Boris Weirauch (SPD) als Berichterstatter für das Gremium in die Quadratestadt. Sie wollen sich vor Ort ein Bild machen. 

Alle Seiten sollen gehört werden, die Vertreter der Petition, von Ministerien und der Stadtverwaltung. Über Werbung für den Termin auf Facebook will Weirauch auch die Restaurantbetreiber für das Treffen gewinnen. „Ich kann ihnen nur raten, zu kommen."

Sonst könne über eine Bundesratsinitiative die Ausnahmeregelung für solche Grillanlagen im Bundesimmissionsschutzgesetz gekippt werden. Eigene Verantwortung trage das Land beim Gaststättenrecht. Die meisten der insgesamt 22 Restaurants am Mannheimer Marktplatz und den angrenzenden vier bis fünf Häuserblocks fallen nicht darunter, weil sie keinen Alkoholausschank haben – und unterliegen anderen Regeln als die, die Wein und Bier servieren.

Mögliche Lösung kostet Gastronomen viel Geld

Lehrer Lipphardt erinnert daran, dass das Wirtschaftsministerium sogar schon Shisha-Bars kürzlich zum Einbau von Abluftanlagen verdonnert habe. So etwas müsse doch auch für Gaststätten möglich sein. Auf die Stadt mag er nicht hoffen. Die habe bisher nichts getan.

Grünen-Stadtrat Gerhard Fontagnier sieht auch die Interessen der Gastronomen: „Wir wollen keine Schließungen und das Flair am Marktplatz erhalten." Eine Lösung wären Wasserfilteranlagen, die laut dem Grünen 25.000 bis 50.000 Euro kosten – ohne Montage!

Weirauch möchte eine rasche Lösung. Gesetzliche Änderungen wirken erst für künftige Gaststätten. Sein Ziel: „Ich möchte das Ganze in einem Konsens hinbekommen. Es muss gelingen, dass wir in einer Großstadt wie Mannheim Rücksicht aufeinander nehmen."

dpa/kpo/dh

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