Nach 14 Prozesstagen

Haftstrafe – Urteil im H4-Prozess gefallen!

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Fünf Jahre, sechs Monate: Urteil im Prozess zur Bluttat vor der H4-Wache.

Mannheim-Innenstadt – Nach knapp drei Monaten, 14 Prozesstagen und 60 Zeugenanhörungen ist am Dienstag das Urteil im Prozess zur Bluttat vor der H4-Wache gefallen. 

Dienstag, 14 Uhr in Saal 1 des Landgerichts Mannheim: Der Vorsitzende Richter Dr. Ulrich Meinerzhagen verkündet das Urteil gegen Mehmet S. (22). Er wird schuldig gesprochen: Fünf Jahre und sechs Monate muss der junge Mann ins Gefängnis! 

Das Landgericht verurteilt den 22-Jährigen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge. Es bleibt damit unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Haftstrafe wegen Totschlags von sechs Jahren gefordert hat. Die Verteidigung beantragte eine Bewährungsstrafe.

Der Tatvorwurf

Die Anklage wirft dem Angeklagten vor, in den späten Abendstunden des 4. September 2014 vor der H4-Wache in der Mannheimer Innenstadt den 20-jährigen Mustafa A. mit mehreren Messerstichen getötet zu haben. 

Bereits kurz nach der Tat stand auch der ältere Bruder des Angeklagten, Nihat S. (29), ein Cousin (39) sowie ein Bekannter unter Tatverdacht. Die Beweise reichten jedoch nicht für eine Anklage aus. 

Die Urteilsbegründung

Laut Gericht ist der „unmittelbare Kern des Tatgeschehens in seinen Grundzügen aufgeklärt. In Bezug auf den wichtigsten Teil war und ist eine Aufklärung jedoch nicht möglich.“ Dies wird mit den unzugänglichen Angaben der Zeugen begründet. Die 15-jährige Fiona H. und „Kronzeugin der Staatsanwaltschaft“ (WIR BERICHTETEN) hatte den 22-Jährigen belastet, das Gericht hielt diese jedoch nicht für vollständig glaubwürdig.

Dennoch scheint für das Gericht bewiesen, dass „eine Mehrzahl weiterer Personen – aber mindestens der Bruder des Angeklagten – einen nicht unerheblichen Anteil an der Tat haben.“ 

„Zumindest einer der vier hatte am Tatabend ein Messer bei sich. Es konnte allerdings nicht festgestellt, aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass es mehr als ein Messer war. Eines aber ganz sicher“, so der Vorsitzende Richter weiter. 

Als entscheidend für das Urteil gilt jedoch: Mehmet S. war bereits vor dem ersten Stich an der Körperverletzung beteiligt, „wenn er auch nicht selbst das Messer geführt hat.“

Urteilsaufnahme 

Fünf Jahre und sechs Monate. Der Angeklagte nimmt das Urteil gefasst auf – zeigt, wie auch an den 13 Verhandlungstagen zuvor, keine Regung. 

Der Rechtsanwalt der Nebenklage, Steffen Kling, fasst nach dem Urteil in Worte, was viele denken: „Der Messerstecher steht fest, er sitzt allerdings nicht im Gerichtssaal.“

Die Staatsanwaltschaft teilt mit, dass zunächst das schriftliche Urteil geprüft werden müsse, um gegebenenfalls rechtliche Schritte gegen den Bruder des Verurteilten einleiten zu können.

Die Verteidigung konnte nach der Urteilsverkündung noch keine Aussage zu einer möglichen Revision machen. Ein glücklicher Anwalt sieht jedoch anders aus...

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lin

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