Teilnahme für Schüler nicht folgenlos

Schwänzen für Klimaschutz-Demo: So reagieren die Schulen! 

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Hunderte Schüler versammeln sich am 1. Februar auf dem Ehrenhof um für den Klimaschutz zu demonstrieren. 

Mannheim-Innenstadt - Hunderte von Schülern aus Mannheim und der Region nehmen an einer Klimaschutz-Demonstration teil – obwohl die Schulleitungen ihnen zuvor mit Sanktionen gedroht haben. 

Am 1. Februar 2019 laufen drei Jungs aus der 6. Klasse des Lieselotte Gymnasiums für den Klimaschutz in einer sogenannten ‚Fridays for Future' Demonstration mit. Die Demonstration beginnt um 11 Uhr im Ehrenhof des Mannheimer Schlosses: Mitten in der Schulzeit! 

Insgesamt versammeln sich an diesem Tag 1.200 Schüler mit selbst beschriebenen Plakaten und ziehen Parolen skandierend zur Feuerwache.

Die drei Schüler bereiten sich dennoch auf die Demonstration vor: Sie sprechen mit ihrem Schulleiter offen über die Teilnahme. Obwohl er ihnen die offizielle Regelung erklärt, dass ihre Eltern sie dafür nicht entschuldigen können und dass es eine Strafe für sie geben wird– gehen sie trotzdem.

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Kultusministerium untersagt Teilnahme von Schülern an Demonstrationen während Schulzeit

Das Kultusministerium schickt daraufhin eine Stellungnahme an alle Schulen, die die Regelung genau erklärt.

MANNHEIM24 spricht mit Schulleitern in Mannheim und Umgebung:

Im Lieselotte-Gymnasium nimmt Dr. Eberhard Vogel die Stellungnahme vom Kultusministerium sehr ernst. Dennoch erklärt er: „Wir sind weit davon entfernt, mit Schulausschluss zu drohen. Die Jungs haben sich nach der Demonstration wieder in der Schule gemeldet. Ganz stolz zeigen sie ihre Bilder von der Teilnahme und nehmen danach tapfer ihre Strafe entgegen: Sie müssen eine Woche lang als ‚Müllbeauftragte‘ die Mülltrennung überwachen.“

Schüler melden sich nach ‚Fridays vor Future‘-Demo wieder in Schule 

Auch mehrere 10.-Klässler haben sich vorher beim Schulleiter angemeldet. Doch wer denkt, die Schüler haben die Demonstration für eine Verlängerung des Wochenendes genutzt, der irrt sich. Die Schüler nehmen anschließend ganz verantwortungsbewußt und diszipliniert am Nachmittags-Unterricht teil! Dr. Vogel erläutert weiter: „Das ist für mich eine Zeichen, dass sie das Thema ernst nehmen, daher haben wir Milde walten lassen.“

Im Karl-Friedrich Gymnasium gibt der stellvertretende Schulleiter, Patrick Zegermacher Auskunft: „Bei uns ist das unentschuldigte Fehlen nicht so aufgefallen, bei uns war Notenkonferenz und daher die Schule vorzeitig beendet. Das war eine günstige Konstellation für teilnehmende Schüler.“

Mit ihren Schülern ausführlich über Ökologie gesprochen, hat auch die Schulleiterin vom Carl-Benz Gymnasium, Hannelore Buchheister: „Wir haben die Teilnahme nicht unterbunden, sind davon ausgegangen, dass Eltern informiert sind. Grundsätzlich finde ich das gut, wenn sich Kinder engagieren. Die Teilnahme soll aber nicht als Vorwand benutzt werden, um Unterricht zu schwänzen. Für uns gibt es keinen Anlass, strafend vorzugehen. Es ist wichtig, ein Zeichen im Klimaschutz zu setzten. Ein weitere Aktion wird aber unglaubwürdig. Die Schulpflicht ist sehr wichtig!“

„Kein Kommentar“ vom Ludwig Frank Gymnasium

Im Ursulinen- Gymnasium dürfen sich die Schüler je nach Klassenstufe entschuldigen. 

Ausgerechnet „keinen Kommentar“ von der Schulleitung gibt das Ludwig-Frank Gymnasium. Ausgerechnet da wird nach Angaben von Schülern auf der Demonstration ein striktes Verbot der Teilnahme ausgesprochen.

Die Initiatorin der Klimaschutz-Demonstrationen, die schwedische Aktivistin Greta Thunsberg, 16 Jahre, wird aktuell von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak verspottet, wegen ihrer Kritik am– ihrer Meinung nach– zu späten Kohleausstieg von Deutschland im Jahr 2038.

Am Freitag (29. November) kommt es auch in Heidelberg und Mannheim wieder zu Friday for Future-Demonstrationen, hier siehst Du, wo demonstriert wird und wann es los geht.

kpo

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