Schüler demonstrieren während der Schulzeit

Schwänzen für den Klimaschutz – Kultusministerium sagt: Das geht nicht!

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Zahlreiche Demonstranten versammeln sich am Freitag im Ehrenhof des Schlosses. 

Mannheim-Innenstadt - Weil hunderte Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen, reagiert das Kultusministerium. Es hat eine internes Schreiben an alle Schulen verschickt – mit folgender Begründung: 

Update vom 13. Februar: Wegen der zahlreichen ‚Fridays vor Future‘-Demonstrationen von Schülern für den Klimaschutz verschickt das Kultusministerium Baden-Württemberg eine interne Stellungnahme an alle Schulen. Diese leiteten es erst kürzlich an die Eltern weiter.

Demonstrieren ist ein elementares Recht aller Menschen in Deutschland. Es ist zu begrüßen, wenn Jugendliche nicht nur zuschauen, sondern auch mitmachen (...). Allerdings stehen jedem Recht auch Pflichten gegenüber. In diesem Fall ist das die Schulpflicht (...). Um beiden Aspekten gerecht zu werden, können Demonstrationen von Schülerinnen und Schülern nur in der schulfreien Zeit durchgeführt werden.“

Fridays for Future Demonstrationen während Schulzeit rechtlich nicht erlaubt: Schule muss politisch neutral bleiben

Weiter erklärt das Kultusministerium:

Aus dieser Stellungnahme geht hervor, dass Schulen für eine Demonstration während der Schulzeit keine offizielle Beurlaubung aussprechen dürfen.

Ein Pressesprecher des Kultusministeriums, Benedikt Erhard äußert sich gegenüber MANNHEIM24: „Es ist aber nicht so, dass die Schüler an der Teilnahme gehindert werden. Es liegt an der Schule, wie mit dem Fehlen umgegangen wird.“ 

Oft gelesen: „Fridays for Future“: Weltweiter Klimastreik am Freitag – Demos in DEINER Stadt

Über 1.000 Schüler demonstrieren für den Klimaschutz in Mannheim

Update vom 1. Februar (19:20 Uhr): Nach den Demonstrationen an denen sich über 1.000 Schüler in Mannheim beteiligt haben, drohen den Schülern ernsthafte Konsequenzen! Viele Kinder dürfen mit Nachsitzen und eine sogar mit einem Schulverweis rechnen. Doch sie lassen sich nicht beirren.

Der Klimawandel ist längst eine reale Bedrohung für unsere Zukunft. Wir werden die Leidtragenden des Klimawandels sein. Gleichzeitig sind wir die letzte Generation, die einen katastrophalen Klimawandel noch verhindern kann“, mit diesen Zeilen ruft ‚Fridays for Future‘ zur Demonstration auf. 

Die Klimastreik-Bewegung sieht sich als keine Organisation oder Partei an, sie zieht ihr Dynamik allein aus der Motivation der Schüler, die sich für die Zukunft einsetzen wollen. Den ganzen Stein ins Rollen gebracht und Vorbild der Bewegung ist die 16-jährige Greta Thunberg, die seit Monaten freitags die Schule schwänzt und dafür mit Schildern und Plakaten für den Klimaschutz kämpft.

Schüler demonstrieren unter dem Motto „Fridays for Future“ gegen den Klimawandel.

Schülerdemo in Mannheim 

Am Freitag (1. Februar) ist es soweit: Überall in Deutschland wollen Schüler demonstrieren. Auch in Mannheim gehen die Schüler statt zur Schule auf die Straße

Los geht‘s um 11 Uhr am Ehrenhof des Mannheimer Schlosses. Der Demozug verläuft weiter zur Bismarckstraße, Breite Straße, Marktplatz, Kurpfalzbrücke bis zum Alten Messplatz. Voraussichtlich dauert die Protestaktion bis 13 Uhr.

Über 1.000 Schüler ziehen durch die Mannheimer Innenstadt.

Angemeldet waren 400 bis 500 Schüler, laut Polizei haben sich mittlerweile (12 Uhr) jedoch 1.100 Schüler dem Demozug angeschlossen. Mit Plakaten und Transparenten sind sie zur Alten Feuerwache unterwegs. Die Kurpfalzbrücke muss für den Demozug abgesperrt werden. Sie skandieren: „Wir sind hier, wir sind laut – weil man uns die Zukunft klaut.“

Schuleschwänzen wird bestraft 

Dass ihnen Strafen drohen, da sie die Schule geschwänzt haben, nehmen die Schüler gerne in Kauf. Einige wissen jetzt schon, dass sie deswegen nachsitzen müssen. Diejenigen die schon 18 sind, haben sich selbst Entschuldigungen geschrieben. Viele Lehrer sind jedoch nachsichtig. Eine Kunstlehrerin hat ihren Schülern sogar noch am Vorband der Demo dabei geholfen Plakate und Transparente zu basteln.

Eine etwas andere – und definitiv buntere – Demonstration findet am 10. August in Mannheim statt. Denn der alljährliche Christopher-Street-Day (kurz: CSD) wird zelebriert!

Schuleschwänzen für Schülerdemo – das sagt das Kultusministerium:

So äußert sich ein Sprecher des Kultusministerium auf MANNHEIM24-Anfrage: 

„Wir haben natürlich Verständnis für das Engagement der Schülerinnen und Schüler. Meinungsfreiheit und das Recht, diese Meinung auch durch eine Demonstration kundzutun, sind für eine Demokratie unerlässlich. 

Es ist allerdings kein sachlicher Grund erkennbar, warum diese Demonstration unbedingt in der Unterrichtszeit stattfinden muss und nicht nach dem Unterricht, etwa Freitagnachmittag, stattfinden kann. Die rechtliche Situation ist deswegen eindeutig: Eine Unterrichtsbefreiung um zu demonstrieren wäre nicht vom Schulgesetz abgedeckt. Wenn ein Schüler aufgrund der Teilnahme an der Demonstration nicht im Unterricht ist, wird das deswegen als unentschuldigtes Fehlen gewertet.“

Um 11 Uhr startet die Demo vor dem Mannheimer Schloss.

Polizei erwartet Verkehrsprobleme

Auf Twitter weist die Polizei Mannheim auf die Demo hin. Vom Schloss bis zum Alten Messplatz könne es zu Verkehrsbehinderungen kommen. Die Beamten bitten Autofahrer geduldig zu sein. 

Wie sie am Freitagmittag mitteilt, verläuft die Demo ohne besondere Vorkommnisse. Mit acht Beamten hat sie den Verkehr geregelt. Gegen 12:45 Uhr löst sich Demozug am Alten Messplatz auf. 

Demo gegen Mannheimer Großkraftwerk 

Dass „Fridays for Future“ nun auch nach Mannheim kommt, habe nach Mitteilung der Veranstalter mit den Beratungen und dem „unzureichenden Ergebnis“ der Kohlekommission zu tun. Das letzte Kraftwerk soll demnach 2038 vom Netz gehen. Betroffen davon ist auch das Mannheimer Großkraftwerk (GKM) – das größte deutsche Steinkohlekraftwerk.

jol

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