„Alle lagen hustend auf dem Boden und haben fast gebrochen“

Schwere Vorwürfe nach Einsatz gegen SVW-Fans: Verletzte Waldhof-Anhängerin kritisiert Polizei

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Vor dem Fermac´s Irish Pub eskaliert am Samstagabend ein Einsatz.

Mannheim-Innenstadt - Bei einer Auseinandersetzung vor einem Pub eskaliert die Situation zwischen der Polizei und den Gästen, darunter auch SVW-Fans. Warum eine Frau nun schwere Vorwürfe erhebt:

Update vom 14. August: Etwa vier Monate nach dem Einsatz vor einem Irish Pub in U5 hat die Polizei eine erste Bilanz der Ermittlungen veröffentlicht. Demnach habe die Ermittlungsgruppe „Ulrich“ unzählige Zeugen befragt und Videoaufnahmen ausgewertet. Mittlerweile gibt es 19 Verdächtige Pub-Gäste und eine Ermittlung gegen einen Polizisten. 

Mannheim: Polizeieinsatz vor Irish-Pub eskaliert – Betroffene erhebt schwere Vorwürfe 

Während des Karaoke-Abends am Samstag (18. Mai) ist die Stimmung im Fermac´s Irish Pub in den U-Quadraten in Mannheim ausgelassen. Zahlreiche SVW-Fans sind vor Ort und feiern den Aufstieg ihres Teams – sogar vor der Eingangstür stehen Leute und singen mit. Im Außenbereich des Pubs zünden gegen Mitternacht ein paar Waldhof-Fans Böller oder Pyrotechnik und entfachen ein Feuer auf einer Fläche von etwa einem Quadratmeter, in das sie Papier aus einer Tonne nachlegen. Aufgrund der Explosionen durch die Sprengkörper wird die Polizei gerufen, die mit drei Streifenwagen eintrifft. Danach eskaliert die Situation.

Oft gelesen: Alptraum bei Einschulung: Schläge, Messer und Pfefferspray

Mannheim: Schwere Vorwürfe gegen Polizei nach Auseinandersetzung vor Pub

Eine der Feiernden ist auch MANNHEIM24-Leserin Shane. Während eines Telefonats berichtet sie uns, wie sie den Polizei-Einsatz in der Nacht auf Sonntag erlebt hat. Die junge Frau ist an diesem Abend zum Feiern im Pub und selbst Waldhof-Fan – nach dem Einsatz erhebt sie schwere Vorwürfe gegen die Polizisten, veröffentlicht einen Post bei Facebook und schildert ihre Sicht der Dinge. Zu dem Zeitpunkt, als die Beamten der Polizei Mannheim vor dem Pub eintreffen, habe sie vor der Tür gestanden und geraucht. 

Die Polizei spricht in ihrer Meldung davon, dass die „Randalierer“ sofort mit Flaschen und Gläsern geworfen hätten, einer der Anwesenden soll sogar Pfefferspray benutzt haben. Darauf hätten die Beamten ebenfalls mit Pfefferspray und Schlagstöcken angegriffen. Shane beschreibt den Moment allerdings anders - wofür es auch Zeugen gebe. 

Polizist soll aggressiv gegen Pub-Gäste in Mannheim gewesen sein

Laut ihrer Schilderung habe einer der Beamten die Anwesenden provoziert. „Welcher von euch kleinen Wichsern war das?“, soll er gerufen haben. Danach habe er mit Pfefferspray in die Menge gesprüht und dabei auch unbeteiligte Gäste getroffen. Erst danach hätten die anderen Personen mit Gegenständen geworfen – aber kein Pfefferspray benutzt

Shane habe das Sprühmittel mitten ins Gesicht bekommen und sofort starke Schmerzen gehabt. Über eine Stunde habe sie stark gehustet und sei blind gewesen. Noch bis Montagabend (20. Mai) habe sie Probleme auf einem Auge gehabt. „Alle lagen hustend auf dem Boden, haben fast gebrochen“, erklärt sie.

Danach hätten die Polizisten mit ihren Schlagstöcken mehrere Personen angegriffen und seien dabei „sehr brutal“ vorgegangen! Das Pfefferspray sei zudem bis in den Pub vorgedrungen, sodass auch die dort Anwesenden körperliche Beschwerden bekommen hätten. Selbst der Besitzer des Pubs habe etwas abbekommen. 

Einsatz vor Mannheimer Pub: Beamte geben die Dienstnummer nicht heraus

Einen sehr großen Vorwurf macht Shane der Polizei, weil niemand ihr die Dienstnummer oder den Namen des provozierenden und sprühenden Polizisten geben wollte. Mit Sätzen wie „Das müssen sie jetzt mal so stehen lassen“ sei sie abgewimmelt worden. Auch Zeugen aus dem Nachbarcafé hätten danach gefragt und ebenfalls keine Auskunft bekommen! 

Erst sieht alles so aus, als hätte sie keine Chance darauf, den Beamten zu finden. Doch nach einem Gespräch mit einem Pressevertreter der Polizei kann sie aufatmen. Alle Vorgänge des Einsatzes könnten in einem Protokoll nachverfolgt werden. Damit hat sie gute Chance, den Polizisten selbst anzuzeigen. 

Polizeieinsatz gegen Waldhof-Fans: Fassungslosigkeit über Details im Polizeibericht

Doch trotzt aller Vorwürfe habe Shane auch Verständnis für die Beamten vor Ort. Die Polizei habe sich wohl verschätzt bei dem Einsatz, weil es in der Vergangenheit auch Auseinandersetzungen mit aggressiven Waldhof-Fans gegeben habe. Generell gäbe es ja überall gefährliche Menschen. Außerdem hätte sie nur Probleme mit zwei Beamten gehabt, von dem Rest könne sie nichts Negatives sagen. 

Es mache sie aber fassungslos, dass sie in dem Bericht der Polizei als „Randaliererin“ bezeichnet wird und nicht einmal der Einsatz eines Hundes ohne Maulkorb erwähnt worden sei. Selbst nach ihrem Anruf bei der Pressestelle habe man das nicht geändert. Nun sei sie gespannt auf die Besprechung, die für heute kurzfristig einberufen worden ist. „ Bei der Polizei darf so etwas nicht passieren. Man weiß dann nämlich nicht mehr, ob das Freunde oder Feinde sind“, sagt Shane.

Ältere Auseinandersetzungen zwischen Polizei und SV Waldhof-Anhängern

Nicht zum ersten Mal haben SVW-Fans Probleme mit der Polizei. Nach dem Pyro-Skandalspiel gegen den KFC Uerdingen kommt es zu mehreren Vorfällen in der Stadt, die mittlerweile auch vor Gericht gelandet sind. So bewirft ein 33-Jähriger Polizisten mit Stöcken und einem Stein und zeigt danach seinen nackten Hintern. Am selben Tag wirft ein 45-Jähriger eine Tischplatte nach Beamten. Anfang 2019 kommt es sogar zu einer Massenschlägerei in Mannheim zwischen Anhängern des SVW und des Karlsruher SC. Dabei werden 49 Chaoten verhaftet.

dh

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