Die Pläne für Ostern 2021

Mannheim: Autofreie Innenstadt? Diskussion um Mega-Maßnahme in Fressgasse und Kunststraße

Der ‚Tarn‘-Blitzer ist in der Mannheimer Fressgasse positioniert.
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Wenn die Fressgasse erstmal autofrei ist, steht der ‚Tarn‘-Blitzer künftig wohl woanders (Archivbild).

Mannheim - Das Thema beschäftigt die Quadratestadt schon länger, jetzt kommt Bewegung rein: Ab Ostern 2021 will man den Autoverkehr aus der Innenstadt verbannen. Der aktuelle Stand:

Update vom 16. Oktober: Soll die Innenstadt von Mannheim autofrei werden? Diese Frage löst auf Facebook eine wilde Diskussion aus. Ein Post von MANNHEIM24 wird innerhalb von 48 Stunden über 360 mal kommentiert. Darunter finden sich sowohl Befürworter als auch Gegner der Idee von Stadtverwaltung und Fraktionen. Die Mehrheit scheint sich jedoch gegen die autofreie Idee auszusprechen.

Unter anderem heißt es in den Kommentaren der Befürworter:

  • Diese Argumente von toter Innenstadt sind absolut unsinnig. Städte, die ihre Innenstädte verkehrsberuhigt haben, konnten sogar einen Umsatzplus verbuchen. Man kann sich auch unsinnig aufregen. Das RNZ ist übrigens nichts anderen, wie ein verkehrsberuhigter Innenstadtbereich, nur überdacht. Die Parkplätze sind außen herum.
    Genau darum geht es auch in Mannheim.“
  • „Der Einzelhandel wird profitieren. Zahlreiche Studien weltweit belegen das.“
  • „Was mir bei der ganzen Diskussion fehlt sind die Hinweise darauf, dass dann auch den „Posern und Innenstadtrennfahrern die Möglichkeit genommen wird ihre persönlichen Rennen zu fahren. Diese Diskussion wurde im Übrigen auch schon geführt als die Fußgängerzone eingerichtet wurde.“

3 Beispiel-Kommentare der Gegner:

  • „Das führt zu mehr Verkehrschaos für die Pendler, das sorgt für noch eine üblere Parksituation und macht die Innenstadt für Menschen mit Auto noch unattraktiver. Diese Punkte werden für den Einzelhandel massive Umsatzeinbußen bedeuten, da viele das verstärkte Verkehrschaos meiden und im Rhein-Neckar-Zentrum und online einkaufen werden.“
  • „Den Versuch hat LU schon hinter sich, Ergebnis bekannt. Spätere Rücknahme konnte den Trend nicht mehr umkehren. Aber alles kein Problem, im Internet gibt es alles.“
  • „Das wird das Aus für viele Geschäfte bedeuten, noch zusätzliche Einbußen zur duch die Pandemie verursachten Verlusten...“

Auch die SPD Mannheim meldet sich in den Kommentaren zum autofreien Versuch zu Wort. Darin erklärt die Fraktion, dass es bei der Maßnahme darum geht, dass die Innenstadt für alle attraktiv werde. „Wir wollen mit neuen Freiräumen dafür sorgen, dass mehr Menschen in die Innenstadt kommen, ob mit Auto, zu Fuß, mit dem Fahrrad etc. Und damit die Stadt attraktiver wird für die Bewohner, die Touristen, den Handel etc.

Was sagst Du dazu? Sollte die Verkehrssituation in der Fressgasse und Kunststraße so bleiben, wie sie jetzt ist oder findest Du eine autofreie Innenstadt besser?

Mannheim: Keine Autos in Fressgasse und Kunststraße? Stadt plant Mega-Versuch

Meldung vom 14. Oktober: Einen ersten Versuch gab es schon in den 1990ern, der aber nach wenigen Wochen scheiterte. Jetzt will man in Mannheim einen neuen Anlauf unternehmen: Stadtverwaltung und Fraktionen im Gemeinderat planen, den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt auszusperren. Und das - wenn auch versuchsweise - bereits ab Ostern 2021.

Das künftige Vorgehen wurde am „Runden Tisch Masterplan Mobilität 2035“ zwischen Verwaltung, Gemeinderat, Verkehrsverbänden und Handel verabredet, berichtet der „Mannheimer Morgen“ am Dienstag (13. Oktober). Für das Vorhaben werden 2020 und 2021 jeweils 300.000 Euro an Haushaltsmitteln bereit gestellt. Die endgültige Entscheidung fällt am Donnerstag (15. Oktober) Ausschuss für Umwelt und Technik.

Mannheim: Innenstadt bereits ab Ostern „autofrei“?

Die Verabredung sieht vor, dass die Fressgasse in Richtung Rheinbrücke ab Q1/Q2 für den Verkehr gesperrt wird, die Kunststraße in Richtung Wasserturm ab der Breiten Straße (s. Karte). Aller bis dahin einfließender Verkehr soll ab den Sperrpunkten in Richtung City-Ring abgeleitet werden. Der Versuch soll zu Ostern 2021 starten und mindestens drei Monate dauern. Es ist denkbar, dass die Sperrung ein Jahr oder länger Bestand hat. Prinzipiell bleiben die Verkehrswege zwischen Wasserturm im Osten und Kurt-Schumacher-Brücke im Westen für den Autoverkehr offen - werden jetzt allerdings durch eine Fußgängerzone geteilt. Zusätzlich sollen auch Parkplätze rund um das Stadthaus N1 wegfallen.

Mit der Maßnahme will man die Innenstadt von unnötigem Verkehr entlasten. Immerhin fahren bis zu 2.000 Fahrzeuge täglich über Fressgasse und Kunststraße durch die Mannheimer Innenstadt - ohne dort hinzuwollen. Diese Zahl an Autos müsse „zusätzliche auf dem Ring untergebracht werden“, sagt Stadtrat Thomas Hornung (CDU) gegenüber dem „MM“. Seine Fraktion hatte vor gut einem Jahr im Gemeinderat vorgeschlagen, Fressgasse und Kunststraße autofrei zu machen und in einer große Fußgängerzone umzugestalten. „Mehr Lebensqualität braucht mehr Raum, der vom fließenden und ruhenden Verkehr ausgenommen ist“, hieß es damals im Antrag der CDU Mannheim.

Mannheim: Geteilte Reaktionen auf „autofreie Innenstadt“

Den Grünen im Gemeinderat Mannheim geht der Kompromiss zur Verbannung des Autoverkehrs aus der City indes nicht weit genug. Sie hatten im Oktober 2019 eine Klimaoffensive bis 2030 und „mehr Mut“ bei der Verkehrswende gefordert. Demnach soll die Innenstadt bis 2030 stufenweise komplett autofrei werden. Man habe sich in Sachen Verkehrswendemehr Dampf gewünscht“, gibt Gerhard Fontagnier zu: „Das ist noch lange kleine autofreie Innenstadt“, sagt der stellvertretende Grünen-Vorsitzende dem „Mannheimer Morgen“. Als einen „ersten Schritt zu einer lebenswerten Innenstadt“ sieht Isabel Cademartori (SPD) das Vorhaben. Die Sozialdemokraten im Gemeinderat hatten bereits vor einem Jahr vorgeschlagen, auf den gesperrten Abschnitten Stadtmöbel und mobiles Grün zu installieren. Und das möglichst noch deutlich vor der Bundesgartenschau 2023, die Mannheim auch eine Seilbahn beschert.

Vorsichtig kommentiert die Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar das Experiment einer autofreien Innenstadt. Gerade jetzt, da der Einzelhandel in der Innenstadt unter der Corona-Pandemie leide, müsse die „Erreichbarkeit der City“ oberste Priorität haben, fordert IHK-Präsident Manfred Schnabel im „MM“. Sämtliche Eingriffe in die Erreichbarkeit der Innenstadt müssten „wohl überlegt und intensiv geprüft“ werden. Ähnlich sieht es auch Stadtrat Hornung, der auch die Konsequenzen nach der Umsetzung des Verkehrsvorhabens im Blick behalten will. (rmx)

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