Über 700 Einsätze pro Tag

Kriminalstatistik 2016: „Sehr arbeitsreiches Jahr für die Polizei“  

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Mit durchschnittlich 700 Einsätzen pro Tag sei laut de Polizeipräsidenten ein bislang nicht erreichtes Hoch zu verzeichnen.

Mannheim/Heidelberg – Das Polizeipräsidium Mannheim hatte im Jahr 2016 alle Hände voll zu tun. Denn die Kriminalitätsrate ist im Vergleich zum Vorjahr noch einmal angestiegen! Die Zahlen: 

Zu Beginn der Pressekonferenz am Dienstag will Polizeirat und neuer Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit David Faulhaber die Zahlen in Relation setzen. 2.700 Mitarbeiter der Polizei sind für Mannheim, Heidelberg und den kompletten Rhein-Neckar Kreis zuständig. Dort wohnen insgesamt etwa 1.000.000 Menschen. 

Polizeipräsident Thomas Köber fasst zusammen: „2016 war ein sehr arbeitsreiches Jahr für die Polizei. Dies spiegelt sich natürlich auch in der Statistik wieder. Das Flüchtlingsthema und Sondereinsätze kommen da noch on top.“  

Über 700 Einsätze pro Tag 

Das Führungs- und Lagezentrum hätte im Jahr 2016 über 272.000 Einsätze bearbeitet. Daraus sind 173.000-104.000 Funkwageneinsätze entstanden. Wenn man das herunter rechnet, sei laut Köber mit durchschnittlich 700 Einsätzen pro Tag, ein bislang nicht erreichtes Hoch zu verzeichnen.

Straftaten auf Zehnjahreshoch

Der Anstieg der Straftaten sei geringen als im Vorjahr, der Trend verflache langsam und die Aufklärungsquote (55,2 Prozent) bleibe auf relativ hohem Niveau.

Jedoch ist die Anzahl der Gesamtstraftaten im Jahr 2016 nochmals gestiegen und bildet im Zehnjahresvergleich weiterhin die Spitze. Der Anstieg der Straftaten von 74.190 auf 76.749 Taten stellt eine Zuwachsrate von 3,4 Prozent dar. Im Jahr 2015 lag diese noch bei 8,6 Prozent. 

Am sichersten lebt es sich im Rhein-Neckar-Kreis 

Die Wahrscheinlichkeit Opfer einer Straftat zu werden wird in der Häufigkeitszahl abgebildet. Der Landesdurchschnitt liegt bei 5.599 Straftaten je Einhunderttausend Einwohner.

Die Wahrscheinlichkeit ist in Baden-Württemberg in Freiburg am höchsten, dann folgt aber bedauerlicherweise auch schon Mannheim mit 11.584 (11.654 im Jahr 2015) je Einhunderttausend Einwohner. 

Am sichersten leben die Einwohner, trotz eines Anstiegs der Häufigkeitszahl von 4.498 auf 4.651, im Rhein-Neckar-Kreis.

Die Häufigkeitszahl liegt in Heidelberg bei 10.321 (2015: 9.821)

Mehr Straftaten gegen das Leben 

Einen Schwerpunkt bei der Zunahme der Straftaten bilden die Tatbestände „Beleidigung auf sexueller Grundlage“ mit einem Anstieg von 75,7 Prozent, „Straftaten gegen das Leben“ mit 48,1 Prozent und „Besonders schwerem Fall des Diebstahls an/aus Kraftfahrzeug“ mit einer Zunahme von 37,2 Prozent.

Weniger Leistungserschleichung 

Auffällige Rückgänge sind in den Bereichen „Straftaten gegen die Umwelt“ mit 46,5 Prozent und „Leistungserschleichung“ mit 30,6 Prozent zu registrieren.

Durch mehr polizeiliche Präsenz haben Taschendiebereien um 12 Prozent nachgelassen

Straßenkriminalität angestiegen 

Die Straßenkriminalität, unter der verschiedene Straftaten erfasst werden, die sich auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen ereignen, stieg um 10,1 Prozent auf 18.153 registrierte Straftaten an

Diese Anzahl setzt sich zusammen aus 8.638 in Mannheim, 6.111 Taten im Rhein-Neckar-Kreis und 3.404 in Heidelberg. Die höchste Zuwachsrate mit 13.5 Prozent hatte der Rhein-Necker-Kreis.

Diebstähle aus Fahrzeugen angestiegen 

Einen signifikanten Anstieg um 37,2 Prozent, von 2.035 auf 2.792 Fälle, verzeichnen die besonders schweren Fälle des Diebstahls in/aus Fahrzeugen.

In diesem Deliktsbereich werden im Groben zwei Zielrichtungen unterschieden. Zum einen die Gelegenheitsdiebe, die alles von auch nur geringem Wert aus den Autos entwenden und zum anderen die professionellen Diebe, die hochwertige Einbauteile (zum Beispiel fest eingebaute Navigationsgeräte, Airbags, Lenkräder, Multifunktionsdisplays) entwenden.

Zuletzt gelang es der Ermittlungsgruppe „EG Zeppelin“ eine Tätergruppe zu „zerschlagen“, die für über 100 Taten mit einem Schaden von rund einer Million Euro verantwortlich gemacht werden konnte. 

Mehr Körperverletzung 

Einen erneuten Anstieg verzeichnete die Gewaltkriminalität, unter der Straftaten wie zum Beispiel Mord, Totschlag, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raub, räuberische Erpressung sowie gefährliche und schwere Körperverletzungen zusammengefasst werden. 

Mit einem Anstieg um 15,5 Prozent von 2.195 auf 2.535 registrierten Straftaten in diesem Bereich, wurde ein Höchststand im Zehnjahresvergleich erreicht. 

Erfreulich: Jedoch werden in diesem Bereich rund Dreiviertel aller Fälle aufgeklärt. Von den ermittelten 1.541 Tatverdächtigen sind knapp über die Hälfe Nichtdeutsche (1.300). Die Anzahl der tatverdächtigen Asylbewerber hat sich im Vergleich zu 2015 von 268 auf 533 fast verdoppelt.

Sexualstraftaten auf Fünfjahreshoch

Die Straftatbestände „exhibitionistischen Handlungen“ mit 162 Fällen und der „sexuelle Missbrauch“ mit 286 Fällen bilden die Spitzen bei den Sexualstraftaten, die mit einem Anstieg um 10,7 Prozent auf 549 Fälle den Höchststand im Fünfjahresvergleich erreicht haben.

Etwa ein Drittel der Sexualstraftaten erfolgt unter Anwendung von Gewalt. Mit einer Aufklärungsquote von 71,4 Prozent werden rund Dreiviertel der Taten aufgeklärt. Von den ermittelten Tatverdächtigen sind über 60 Prozent Deutsche.

Fast doppelt so viele Straftaten gegen das Leben wie im Vorjahr 

Zu „Straftaten gegen das Leben“ kam es in

40 Fällen, was einen Anstieg von 48,1 Prozent zum Vorjahr darstellt.

In 26 der 40 Taten blieb es beim strafbaren Versuch, da der Taterfolg ausblieb. Die 40 „Straftaten gegen das Leben“ summieren sich aus 8 Morden, davon 7 Versuche, 26 Fälle des Totschlags mit 19 Versuchen sowie 6 „fahrlässige Tötungen“. 

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Die Morde/Mordversuche wurden alle aufgeklärt, bei den Fällen von „Totschlag“ liegt die Aufklärungsquote bei 84,6 Prozent und bei den „fahrlässigen Tötungen“ bei 83,3 Prozent. Daraus ergibt sich für das Polizeipräsidium Mannheim eine Gesamtaufklärungsquote von 87,5 Prozent. 

Die Stadt Heidelberg hat mit 10 Taten den Höchststand im Zehnjahresvergleich erreicht. In Mannheim kam es zu 16 Fällen und im Rhein-Neckar-Kreis zu 14 Straftaten gegen das Leben. Mannheim liegt bei den Fallzahlen im Zehnjahresvergleich im Durchschnitt und der Rhein-Neckar-Kreis erreicht einen Wert etwas über dem Mittelwert.

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Hohe Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der Einbrüche und Einbruchversuche um 1,4 Prozent. Trotz des Anstiegs erzielte das Polizeipräsidium Mannheim in diesem Deliktsbereich erfolgsversprechende Ergebnisse. 

Diese zeigen sich nicht nur in der hohen Aufklärungsquote von 25,6 Prozent, die deutlich über dem des Landes mit 19,2 Prozent liegt, sondern auch an der hohen Zahl der erfolglosen Einbruchversuche. Bei 607 Taten und damit bei 40,2 Prozent der Einbrüche, blieben die Täter erfolglos. Zu einem großen Teil basiert dieser Erfolg auf den zahlreichen präventiven Maßnahmen und den daraus resultierenden Sicherheitseinrichtungen oder höhere Aufmerksamkeit der Bevölkerung.

Erschreckender Höchstwert: Gewalt gegen Polizeibeamte 

Einen erschreckenden Höchstwert seit 2010 erreichten Delikte im Zusammenhang mit Gewalt gegen Polizeibeamte. Mit einer Zuwachsrate von 18,6 Prozent steigen die Fallzahlen auf 453 Taten

Im Jahr 2016 wurden dabei 853 Beamte, davon 710 Männer und 143 Frauen, Opfer dieser Gewalt, von denen 272 Verletzungen erlitten. In diesen Zahlen sind die zahlreichen Beleidigungen, mit denen die Beamtinnen und Beamten im täglichen Dienst konfrontiert werden, nicht erfasst, da diese in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht ausweisbar sind. 

Einen Rückgang der Übergriffe auf Polizeibeamte sollen verstärkte Einsätze von Antikonfliktteams bei Veranstaltungen und die Einführung von Body-Cam bewirken.

Tatverdächtige

Die gleichbleibende Anzahl der Tatverdächtigen bei einer Zunahme der Gesamtstraftaten begründet den leichten Rückgang der Aufklärungsquote bei den Gesamtstraftaten. Bei den 29.634 Gesamtstraftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße wurden 12.749 Nichtdeutsche und 16.885 Deutsche als Tatverdächtige ermittelt. Von den nichtdeutschen Tatverdächtigen waren 4.312 Personen Asylbewerber, was einem Anteil von 14.6 Prozent der Gesamtstraftaten entspricht.

Thomas Köber zieht positives Resümee 

Polizeipräsident Thomas Köber zieht trotz negativer Entwicklungen ein positives Resümee. Er geht davon aus, dass sich viele im Jahr 2016 getroffene polizeiliche Maßnahmen im Jahr 2017 deutlich positiv auswirken werden. 

Er will die gestiegenen Fallzahlen insbesondere in einzelnen Deliktsfeldern, die das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung im öffentlichen Raum stark beeinträchtigen, in keinem Fall hinnehmen. 

Er versichert, dass die Kolleginnen und Kollegen ihren Dienst trotz der ihnen zunehmend entgegengebrachten Respektlosigkeit und Brutalität mit viel Engagement und Hingabe verrichten, um die Straßenkriminalität, den Taschendiebstahl, die Wohnungseinbrüche, die Raubdelikte und die vielen andere Straftaten zu bekämpfen, um den Menschen im Bereich des Polizeipräsidiums Mannheim ein Höchstmaß an Sicherheit zu bieten.

pol/kp

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