Von 1840 bis heute

Mannheim Hauptbahnhof: Geschichte, Geschäfte und Strecken 

Der Hauptbahnhof in Mannheim gehört zu den größten und wichtigsten Knotenpunkten in Deutschland. Doch wann wurde er gebaut, welche Geschäfte befinden sich darin und wohin fahren die Züge? 

  • Der Mannheimer Hauptbahnhof wurde 1840 erbaut.
  • Über die Jahrzehnte wurde er immer wieder ausgebaut und zu einer der wichtigsten Strecken Deutschlands.
  • Tausende Menschen besuchen jeden Tag den Hauptbahnhof - zum Fahren und Einkaufen.

Tagtäglich kommen 70.000 Menschen am Hauptbahnhof in Mannheim vorbei - sei es zum Ein-oder Ausstieg, zur Durchfahrt oder nur als Besucher. Dafür nutzen die Menschen einen der etwa 500 Züge und über 150 S-Bahnen, die jeden Tag auf den Gleisen der Quadratstadt ankommen. Damit ist der Bahnhof der zweitgrößte Bahnverkehrsknoten in Südwestdeutschland - aber auch national und international von hoher Bedeutung! So fahren auch Züge aus Berlin, Paris und Zürich durch Mannheim. Wegen der Geschäfte lohnt sich der Hauptbahnhof auch für Anwohner. 

Mannheim Hauptbahnhof: Aufbau, Rheintalbahn und Riedbahn

Die Geschichte des Mannheimer Hauptbahnhofs beginnt im Jahr 1840. Südlich des Tattersalls eröffnete die Badische Hauptbahn einen Bahnhof nach Heidelberg. Dabei handelte es sich um die erste Strecke des Großherzogtums Baden. Doch mit der Planung einer Rheinbrücke nach Ludwigshafen am Rhein, heute bekannt als Konrad-Adenauer-Brücke, musste der Bahnhof ab 1867 verlegt werden. 

Bereits drei Jahre später mussten die Anlagen grundlegend erweitert und umgestaltet werden. Die Arbeiten zogen sich bis zum Oktober 1867. Grund für die Erweiterungen war der Bau der Rheintalbahn, die von Mannheim nach Basel führen sollte. Auch heute noch zählt diese zu den bedeutendsten Strecken der Deutschen Bahn. Den vorläufigen Schlusspunkt der Entwicklung erreichte der Hauptbahnhof mit dem Aufbau der der Riedbahn im Jahr 1880, mit der Reisende bequem von Mannheim nach Frankfurt am Main reisen konnten. 

Mannheim Hauptbahnhof: Zwei Weltkriege und die Folgen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde über weitere Verbesserungen an den Bahnanlagen diskutiert sowie das Empfangsgebäude des Mannheimer Hauptbahnhofes erweitert. In den Jahren 1910 und 1912 kamen weitere Bahnsteige und Bahnsteigkanten hinzu und ein neues Stellwerk wurde errichtet. Während des Ersten Weltkrieges erlitt der Bahnhof schwere Schäden und wurde im Anschluss vereinfacht und ohne Schmuckelemente wieder aufgebaut. Im Jahr 1927 verdoppelte man die Grundfläche des Hauptbahnhofs, indem die Vorderfassade des Empfangsgebäudes um 10 Meter nach verschoben wurde. 

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg plante die Reichsbahndirektion Karlsruhe eine einheitliche Planung für den Raum Mannheim/Ludwigshafen. Das Projekt „1943 B3“ sah vor, den Hauptbahnhof an einer anderen Stelle wieder aufzubauen - was aber durch den Krieg nicht zustande kam. Im Jahr 1939 war Mannheim einer der meistbelasteten Knoten im Netz der Deutschen Reichsbahn. Doch bei den über 150 Luftangriffen der Alliierten wurde der Hauptbahnhof schwer beschädigt!

Mannheim Hauptbahnhof: Wiederaufbau und Entwicklung

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Passagiere schnell an, weshalb ein weiterer Umbau nötig wurde. Anfang der 1950er Jahre entwickelte die Deutsche Bahn einen Entwurf, der zwölf Bahnsteiggleise und beidseitig befahrbare Strecken beinhaltete. Stadtdirektor Adolf Elsaesser und Stadtbaudirektor Richard Jörg legten zudem Pläne vor, um den Bahnhofsvorplatz neu zu gestalten. 

Bis zum Beginn der 1960er Jahre wurden die Pläne realisiert und die Kriegsschäden repariert. Seit den 1970 Jahren gehört der Hauptbahnhof Mannheim sogar zu den fünf Verknüpfungspunkten im Intercity-Netz der Deutschen Bahn! Seit Dezember 2017 verfügt der Bahnhof über zwölf Bahnsteige. 

Mannheim Hauptbahnhof: Welche Züge fahren im Fernverkehr?

Laut einer Statistik der Stadt Mannheim aus dem Jahr 2019 fuhren täglich 238 Züge im Fernverkehr, 265 im Nahverkehr und 155 S-Bahnen durch den Mannheimer Hauptbahnhof. Über verschiedene Hochgeschwindigkeitsstrecken sind viele Großstädte im In-und Auslang einfach zu erreichen. 

Mit dem ICE kommt man von Mannheim in zahlreiche große Städte im In-und Ausland.

Neben den deutschen Hochgeschwindigkeitszügen namens ICE (Intercity-Express) fahren hier auch welche der französischen Staatsbahn „SNCF“. Sie tragen den Namen TGV (Train à grande vitesse). Alle Bahnen kommen im ein bis zwei Stunden-Takt - falls sie pünktlich kommen! Folgende Züge fahren durch Mannheim:

  • ICE 11: Hamburg – Berlin – Leipzig – Erfurt – Frankfurt – Mannheim – Stuttgart – Ulm – Augsburg – München.
  • ICE 12: Berlin – Braunschweig – Kassel-Wilhelmshöhe – Frankfurt – Mannheim – Karlsruhe – Freiburg – Basel – Bern – Interlaken Ost.
  • ICE 15: Berlin – Halle – Erfurt – Frankfurt – Darmstadt – Mannheim – Kaiserslautern – Saarbrücken.
  • ICE 20: Kiel – Hamburg – Hannover – Kassel-Wilhelmshöhe – Frankfurt – Mannheim – Karlsruhe – Freiburg – Basel – Zürich – Chur.
  • ICE 22: Kiel – Hamburg – Hannover – Kassel-Wilhelmshöhe – Frankfurt – Frankfurt Flughafen – Mannheim – Stuttgart.
  • ICE 42: Hamburg – Bremen – Dortmund – Duisburg – Köln – Siegburg/Bonn – Frankfurt Flughafen – Mannheim – Stuttgart – Ulm – Augsburg – München.
  • ICE 43: Amsterdam – Oberhausen – Duisburg – bzw. Hannover – Dortmund – Wuppertal – Köln – Siegburg/Bonn – Frankfurt Flughafen – Mannheim – Karlsruhe – Freiburg – Basel.
  • ICE 45: Köln – Köln/Bonn Flughafen – Montabaur – Limburg Süd – Wiesbaden – Mainz – Mannheim – Heidelberg – Stuttgart.
  • ICE 47: Dortmund – Duisburg – Köln Messe/Deutz – Frankfurt Flughafen – Mannheim – Stuttgart.
  • ICE/TGV 82: Frankfurt – Mannheim – Strasbourg/Saarbrücken – Paris Est.
  • TGV 84: Frankfurt – Mannheim – Karlsruhe – Baden-Baden – Strasbourg – Mulhouse-Ville – Belfort-Montbéliard – Besançon Franche-Comté – Chalon-sur-Saône – Lyon-Part-Dieu – Avignon – Aix-en-Provence – Marseille-Saint-Charles.
  • ECE 85: Frankfurt – Mannheim – Karlsruhe – Freiburg – Basel – Luzern – Bellinzona – Monza – Mailand.
  • IC/EC 30: Westerland bzw. Binz – Hamburg – Bremen – Dortmund – Duisburg – Köln – Koblenz – Mannheim – Stuttgart bzw. Karlsruhe – Freiburg – Basel – Zürich/Interlaken Ost.
  • IC/EC 32: Berlin – Hannover – Dortmund bzw. Münster – Essen – Duisburg – Köln – Koblenz – Mannheim – Stuttgart – Reutlingen – Tübingen bzw. – Ulm – Augsburg – München – Salzburg – Klagenfurt bzw. – Ulm – Friedrichshafen – Innsbruck bzw. – Ulm – Kempten – Oberstdorf.
  • IC 35: Norddeich Mole – Münster – Recklinghausen – Oberhausen – Duisburg – Köln – Koblenz – Mannheim – Stuttgart bzw. Karlsruhe – Konstanz.
  • IC 50: Frankfurt – Darmstadt – Mannheim – Kaiserslautern – Homburg – Saarbrücken.
  • EC 62: Saarbrücken – Homburg – Mannheim – Heidelberg – Stuttgart – Ulm – Augsburg – München – Rosenheim – Salzburg – Graz.
  • EN: Zürich – Basel – Freiburg (Breisgau) – Karlsruhe – Mannheim – Frankfurt Süd – Halle – Berlin – Hamburg.

Mannheim Hauptbahnhof: Regionalverkehr und S-Bahn RheinNeckar

  • RE 1: Mannheim – Ludwigshafen Mitte – Neustadt – Kaiserslautern – Homburg – Saarbrücken – Trier – Koblenz.
  • RE 2: Mannheim – Schwetzingen – Hockenheim – Waghäusel – Graben-Neudorf – Karlsruhe.
  • RE 10a: Mannheim – Heidelberg – Eberbach – Mosbach-Neckarelz – Bad Friedrichshall – Heilbronn.
  • RE 10b: Mannheim – Heidelberg – Sinsheim – Bad Friedrichshall – Heilbronn.
  • RE 14: Mannheim – Ludwigshafen Mitte – Worms – Mainz – Hochheim – Frankfurt.
  • RE 60: Mannheim – Weinheim – Bensheim – Darmstadt – Frankfurt.
  • RE 70: Mannheim – Biblis – Gernsheim – Groß Gerau-Dornberg – Frankfurt.
  • RB 2: Biblis – Lampertheim – Mannheim – Schwetzingen – Hockenheim – Waghäusel – Graben-Neudorf – Karlsruhe.
  • RB 67: Mannheim – Neu-Edingen/Friedrichsfeld – Weinheim – Bensheim – Darmstadt – Frankfurt.

Die Strecke der S-Bahn RheinNeckar ist 370 Kilometer lang. Die Züge fahren im Stunden-oder Halbstundentakt. 

  • S1: Homburg – Kaiserslautern – Neustadt – Schifferstadt – Ludwigshafen – Mannheim – Heidelberg – Neckargemünd – Eberbach – Mosbach – Osterburken.
  • S2: Kaiserslautern – Neustadt – Schifferstadt – Ludwigshafen – Mannheim – Heidelberg – Neckargemünd – Eberbach – Mosbach.
  • S3: Germersheim – Speyer – Schifferstadt – Ludwigshafen – Mannheim – Heidelberg – Wiesloch-Walldorf – Bruchsal – Karlsruhe.
  • S39: Mannheim-Waldhof – Mannheim – Heidelberg – Karlsruhe.
  • S4: Germersheim – Speyer – Schifferstadt – Ludwigshafen – Mannheim – Heidelberg – Wiesloch-Walldorf – Bruchsal.
  • S6: Bensheim – Weinheim – Mannheim – Ludwigshafen – Frankenthal – Worms – Mainz.

Mannheim Hauptbahnhof: Welche Läden gibt es im Gebäude?

Der Mannheimer Hauptbahnhof bietet von 6 Uhr bis 0 Uhr Zugang zu zahlreichen Läden. Diese sind auf ein Unter-und ein Obergeschoss verteilt. So gibt es (Stand 18. März 2020):

  • Bäckereien: Ditsch, BackWerk, Le Crobag,Yorma´s und Heberer. 
  • Gastronomie: Asiahung, Burger King, McDonalds, Coffee Fellows, Creperie Chris, dean & david, Dunkin´Donuts, Nordsee, Tea Lounge und Eiscafe Vittoria.
  • Presse und Buch: Schmitt & Hahn.
  • Shops: Barbarino, Claire´s, Hussel, In-Taste, Nanu-Nana und einen O2-Shop.
  • Gesundheit und Pflege: Rossmann und Hair-Express.
  • Dienstleistungen: Blumenfee, DB Lounge, DB Reisezentrum, Freizeit-Event-Center, Reisebank, DHL Paketstation und Sixt. 
Die Bahnhofsmission kümmert sich seit 1897 um Reisende.

Im Mannheimer Hauptbahnhof befinden sich zudem noch das Revier der Bundespolizei Mannheim und die Bahnhofsmission. Diese ist seit 1897 am Bahnsteig 1 zu finden. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter kümmern sich um mobilitätseingeschränkte Fahrgäste, alleinreisende Kinder, orientierungslose Menschen und weitere Personengruppen. Bei dem Angebot „

Kids on Tour

“ besteht sogar die Möglichkeit, dass ein geschulter Betreuer Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren bei längeren Fahrten begleitet. 

Mannheim Hauptbahnhof: Bahnen, Busse und Garagen

Am Vorplatz des Mannheimer Hauptbahnhofs halten fast alle Bahnen der rnv. Die Linien 1, 3, 4/4a, 5, 8, 9 und 15 fahren hier in beide Richtungen. Zudem können auch die Buslinien 60, 63, 64 und 65 genutzt werden. Direkt neben dem Willy-Brand-Platz befindet sich ein großer Taxistand. Dort fahren die Busse der Linie 710 und 711 nach Brühl, Schwetzingen und Ketsch. 

Die Haltestelle Mannheim Hauptbahnhof wird von Straßenbahnen und Bussen angefahren. 

Seit 1995 verfügt der Mannheimer Hauptbahnhof auch über eine Tiefgarage für Autos mit 327 Stellplätzen. Ein weiterer Parkplatz befindet sich direkt neben dem Hauptbahnhof und bietet 326 Stellplätze. Dieser liegt direkt über dem zentralen Omnibusbahnhof, der am 18. Juli 2007 eingeweiht wurde. Von dort starten und enden täglich Fernbusse, die bis nach Krakau, Moskau oder Bukarest fahren. 

Mannheim Hauptbahnhof: Schweres Unglück und ein Rettungszug

Am 1. August 2014 ereignete sich am Mannheimer Hauptbahnhof ein schweres Zugunglück. Um 20:51 Uhr krachten zwei Züge ineinander, weil ein Lokomotivführer mehrere verhängnisvolle Fehler machte! Dieser fuhr mit einem Güterzug seitlich gegen den entgegenkommenden EC 216, wodurch fünf Wagen entgleisten und zwei weitere umstürzten. Bei dem Crash wurden von den 250 Reisenden an Bord 35 verletzt, vier weitere Personen sogar schwer. Der Schaden an der Infrastruktur betrug 530.000 Euro, der an den Zügen 1.804.000 Euro

Der Tag nach dem Zugunglück in Mannheim

Der Lokomotivführer wurde am 28. September 2016 wegen Gefährdung des Bahnverkehrs und der fahrlässigen Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Nur wenige Meter vom damaligen Unfallort entfernt ist der Rettungszug der Deutschen Bahn stationiert. Dabei handelt es sich um einen von sechs Stück in ganz Deutschland. Diese Züge sind mit allen Mitteln für Ernstfälle ausgerüstet und mit Feuerwehrleuten, Sanitätern und Notärzten besetzt. 

Mannheim Hauptbahnhof: Pläne für die Zukunft

Das Land Baden-Württemberg meldete den weiteren Ausbau des Großknotens Mannheim für den Bundesverkehrswegeplan 2030 an. Dabei handelt es sich um den zentralen Plan von Neu- und Ausbau überregionaler Verkehrswege in Deutschland durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Damit könnte der Mannheimer Hauptbahnhof mit einer Summe von 635 Millionen Euro ausgebaut werden!

Durch das neue „Glückstein-Quartier“ auf der anderen Seite des Bahnhofs, könnte dort ein weiteres großes Gebäude mit zahlreichen Geschäften eröffnet werden. Zudem soll der Gepäcktunnel am südlichen Bahnsteigende bis zum Lindenhof verlängert werden, wodurch ein weiterer Zugang ensteht. Durch die steigende Zahl der Straßenbahn-Nutzer, wird auch ein Ausbau der Haltestelle „Mannheim Hauptbahnhof“ überlegt. 

dh

Rubriklistenbild: © MANNHEIM24/Daniel Hagen

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