Eine Kompromiss-Entscheidung 

Hauptausschuss empfiehlt Schliessung des Schlachtbetriebes 

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Die Mitglieder des Hauptausschusses haben sich dafür ausgesprochen, dass der Schlachtbetrieb der Fleischversorgungszentrum Mannheim GmbH (FVZ) eingestellt wird. 

Mannheim - Lange ging es Hin und Her: Soll das Mannheimer Fleischversorgungszentrum ganz oder teilweise geschlossen werden? Warum der Hauptausschuss nun die Einstellung des Schlachtbetriebs empfiehlt: 

Die Mitglieder des Hauptausschusses haben sich in ihrer Sitzung am Dienstag, 18. Juli, dafür ausgesprochen, dass der Schlachtbetrieb der Fleischversorgungszentrum Mannheim GmbH (FVZ) eingestellt wird. 

Damit folgten sie der Empfehlung der Aufsichtsräte des FVZ und der Stadt Mannheim Beteiligungsgesellschaft mbH (SMB). Sie hatten sich in einer Klausurtagung Ende Mai und in Aufsichtsratssitzungen Anfang Juli darauf verständigt, den Teilbetrieb der Schlachtung aufzugeben.

Der übrige Geschäftsbetrieb, also die Unterhaltung eines Fleischmarktes zur Belieferung von Metzgereien, Gastronomie und weiteren Großkunden, soll bestehen bleiben. Die Geschäftsführung des FVZ wird die Schlachtung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten einstellen.

Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Die endgültige Entscheidung fällt im Gemeinderat am Dienstag, 25. Juli. 

Für die acht im Schlachtbetrieb angestellten Mitarbeiter und die 14 in der Abteilung für Verbraucherschutz, Gewerbe und Veterinärangelegenheiten des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung tätigen Mitarbeiter sollen sozialverträgliche Lösungen gefunden werden. Die Stadtverwaltung prüft bereits, an welchen Stellen zusätzliches Personal benötigt wird und eingesetzt werden kann. 

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Gründe für die Entscheidung 

Die FVZ besteht seit 1983 und ist seitdem für den Betrieb, Ausbau und die Unterhaltung eines Schlacht- und Viehhofs sowie eines Fleischmarkts zuständig. Nach dem Rückzug des größten Schlachtkunden im Juli 2016 hat sich die wirtschaftliche Situation der FVZ gravierend verschlechtert.

Bereits in den Jahren zuvor mussten zunehmend höhere Verluste aufgrund von Kostensteigerungen in sämtlichen Bereichen verzeichnet werden. Trotz vielfältiger Bemühungen war es nicht möglich, einen neuen Großkunden zu gewinnen, um die Einnahmeseite erheblich zu verbessern. Ein branchenerfahrener Unternehmensberater konnte ebenfalls keine signifikanten Kostenreduzierungen aufzeigen. 

Die Erlöse von den verbliebenen Bestandskunden können das jährlich entstehende Defizit von zuletzt circa 1,1 Millionen Euro bei weitem nicht decken. Das Defizit wirkt sich auf das Betriebsergebnis der SMB negativ aus. Die FVZ ist aktuell der größte Verlustbringer innerhalb der SMB-Gruppe. 

Daher entsteht bei der Gesellschafterin Stadt Mannheim (Gesellschafterin des FVZ ist die SMB) ein erhöhter Handlungsdruck. Die Geschäftsführung von FVZ und SMB haben sich juristisch und betriebswirtschaftlich beraten lassen. 

Drei Handlungsalternativen

Dabei wurden drei Handlungsalternativen aufgezeigt: Eine Liquidation des FVZ, eine Verschmelzung mit der GrossMarkt Mannheim GmbH (GMM) und anschließende Stilllegung des Schlachtbetriebs sowie der Fortbestand des FVZ mit Fortführung des Vermietungsgeschäftes und Einstellung des Schlachtbetriebs. 

Auf letztere Variante haben sich die Mitglieder des Hauptausschusses geeinigt, dies sozialverträglich umzusetzen. Eine spätere Liquidation oder Verschmelzung mit der GMM ist damit nicht ausgeschlossen. 

Wer ist die SMB-Gruppe?

Die 1989 gebildete SMB-Gruppe umfasst aktuell neben der Stadt Mannheim Beteiligungsgesellschaft mbH (SMB) auch die Fleischversorgungszentrum Mannheim GmbH (FVZ), die Großmarkt Mannheim GmbH (GMM), die Event & Promotion Mannheim GmbH (EPM), die Rhein-Neckar Flugplatz GmbH (RNF) und die m:con – mannheim:congress GmbH (m:con). 

Die Stadt Mannheim ist Alleingesellschafterin der SMB und – über die SMB – mittelbare Gesellschafterin der Tochtergesellschaften FVZ, GMM, EPM, RNF und m:con.

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pm/kp

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