H4-Wache-Prozess

Reichen die Beweise gegen Mehmet S. für ein Urteil?

Mannheim - Am siebten Prozesstag hört das Gericht das rechtsmedizinische Gutachten – und die ganze Brutalität der Bluttat. Die Beweislage gegen den Angeklagten wird hingegen immer schwächer.

Der Prozess zur Bluttat vor der H4-Wache, bei der Mustafa A. (†20) durch drei Messerstiche tödlich verletzt wurde, geht am Donnerstag in die nächste Runde.

Am siebten Verhandlungstag hört das Gericht um den vorsitzenden Richter Dr. Ulrich Meinerzhagen das Gutachten der gerichtsmedizinischen Sachverständigen Astrid Krauskopf, die Zeugenaussage einer Polizistin sowie die Aussage des Zeugen Marco M. (30). 

Mit ruhigen Worten berichtet die Sachverständige von der brutalen Attacke, die im vergangenen Jahr ganz Mannheim schockierte.

Das Ergebnis: Mustafa A. wird mit drei Stichen niedergestochen - jeder Stich alleine hätte laut Krauskopf tödliche Folgen haben können.

Der erste Stich drang 13 bis 14 Zentimeter tief in die Schulter des Opfers ein und verletzte dabei seine Lunge. Die nächsten beiden Stiche erfolgten in Brust und Leber.

Als Todesursache nennt die Gutachterin Verbluten nach innen und außen. Außerdem erleidet das Opfer eine Luftembolie und Luftaspiration. Wäre Mustafa A. nicht verblutet, wäre er laut Krauskopf aufgrund der schweren Verletzungen erstickt. Sein Todeskampf dauert „nur wenige Minuten“

Nach der wenig aufschlussreichen Aussage der geladenen Polizistin, wird noch ein weiterer Zeuge verhört: Marco M. (30). Er hatte seiner Freundin kurz nach der Tat am Telefon erzählt, dass ein etwa 30-jähriger Mann auf Mustafa A. eingestochen hätte und er sich ganz in der Nähe des Tatorts befunden hätte. 

Die Polizei hat das spitzgekriegt, als sie das Telefon von Marco M. abhörte, da dieser im September 2014 selbst verdächtigt wurde, gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verstoßen.

Mit dieser Aussage am Telefon belastet er den älteren Bruder des Tatverdächtigen, Nihad S. (30). Marco M. jedoch bestreitet die Richtigkeit seiner damaligen Äußerung gegenüber seiner Freundin. Er hätte ihr am Telefon imponieren wollen und deswegen behauptet, dass er so nah dran war.

Richter Ulrich Meinerzhagen hat das Telefonprotokoll vorliegen und resümiert: „Das Protokoll spricht für sich – und gegen Sie!“

Insgesamt verhärten sich am Donnerstag die Hinweise darauf, dass auch Nihad S. für die Tat in Frage kommt. Staatsanwalt und Verteidiger des Angeklagten, Alexander Klein, sind sich während eines Gespräches in der Pause außerdem einig, dass es schwierig wird, Mehmet S. den konkreten Tathergang nachzuweisen. Es sei lediglich möglich ihm vorzuwerfen, an der Gesamttat beteiligt gewesen zu sein. Außerdem ist dem Staatsanwalt bewusst, dass man auch Nihad S. die Tat nicht nachweisen werde können – für eine Anklage würde die Beweislage nicht ausreichen.

Am vergangenen Prozesstag, 19. Mai, wird klar, dass die Prozessbeteiligten inzwischen nicht mehr ausschließen, dass auch Nihad S. für die Tat infrage kommt. 

Am Donnerstag, 28. Mai, soll der Prozess fortgesetzt werden. Die Termine zu den weiteren Verhandlungstagen sind am 29. Mai, 15. Juni und 7. Juli. Ob dann ein Urteil fallen wird, konnte der Richter nicht versprechen.

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rob/lin

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