Umfangreiche Untersuchung

Grundwasser verunreinigt! So viele Mannheimer Äcker sind PFC-verseucht

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Höhere PFC-Werte bei Anwohnern verseuchter Äcker. (Archivbild)

Mannheim - Nach dem Skandal um mit PFC verseuchte Ackerflächen stellt die Stadt nun das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung vor. So viele Äcker sind PFC-belastet:

Im Jahr 2015 wurde bekannt, dass im Mannheimer Norden Ackerflächen mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) belastet sind. Seitdem wurden die Flächen kontinuierlich beprobt und es wurde regelmäßig über die Ergebnisse berichtet. 

Bei den zwölf am höchsten belasteten Flächen erfolgten tiefergehende Untersuchungen, mit folgendem Ergebnis: bei acht der zwölf Flächen schützt eine Schluff/Lehmschicht das Grundwasser vor einer stärkeren Verunreinigung. Bei vier der zwölf Flächen besteht zwischenzeitlich eine Verunreinigung des Grundwassers mit PFC. Bei allen zwölf Flächen wurde der Verdacht auf eine „Schädliche Bodenveränderung“ im Sinne des Bundesbodenschutzgesetzes bestätigt. 

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Aufgrund dieser Ergebnisse wird eine flächige Ausweitung der Untersuchungen im Mannheimer Norden auf Ackerflächen, für die es bisher keine Hinweise auf die Aufbringung von Dünger oder Kompost gibt, erfolgen. Hierzu müssen in den nächsten Jahren bis 2021 insgesamt etwa 1.000 Hektar Flächen im Mannheimer Norden untersucht werden. Die Stadt Mannheim hat mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe hierzu einen Zeit- und Maßnahmenplan abgestimmt. 

Die Beprobung von 56 landwirtschaftlichen Beregnungsbrunnen im Jahr 2019 ergab, dass 39 Brunnen Spuren von PFC aufweisen, neun Brunnen höher belastet sind und acht Brunnen unbelastet. Daraufhin wurden den Landwirten Einschränkungen für die Wasserentnahme der belasteten Brunnen auferlegt. 

Im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung wurde auf einer bislang nicht für den Erdbeeranbau verwendeten Ackerfläche eine deutliche Überschreitung der PFC-Beurteilungswerte bei Erdbeeren festgestellt. Der Verkauf wurde sofort eingestellt

Die Anbaufläche, die bislang nicht als PFC-Belastungsfläche bekannt war, wird künftig in das Vorerntemonitoring des Regierungspräsidiums Karlsruhe einbezogen und es wurden sofort Bodenproben veranlasst, um die Ursachen für die erhöhten PFC-Gehalte zu ermitteln. Eine abschließende Aussage wird erst nach Vorliegen der Ergebnisse möglich sein.

PFC auch bei Mannheim nachgewiesen!

Meldung von Oktober 2018: Bei Anwohnern von mit PFC verseuchten Ackerflächen sind höhere Werte der Chemikalie nachgewiesen worden. Dies teilte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) in Stuttgart mit. Personen, die Gemüse und Obst aus den betroffenen Gebieten verzehrten, wiesen hingegen kaum höhere Werte auf, als Menschen außerhalb der belasteten Gebiete. 

Insgesamt lägen die Werte aber nicht über denen von vergleichbaren PFC-Schadensfällen in anderen Bundesländern. Für die Erhebung wurde das Blut von 348 Personen aus dem Raum Rastatt von einem unabhängigen Labor untersucht. Nun wurden erste Ergebnisse veröffentlicht. 

Auf Ackerland in den Kreisen Rastatt und Baden-Baden sowie bei Mannheim war die Chemikalie PFC nachgewiesen worden. Die künstlich hergestellten Substanzen stehen im Verdacht, die Gesundheit zu gefährden. In der Umwelt können sie kaum abgebaut werden. 

Gesundheitsminister Lucha sagte, die Werte seien Anlass, die Maßnahmen insbesondere bei der Trinkwasserversorgung beizubehalten. So wurden Brunnen stillgelegt, bei denen der vom Umweltbundesamt empfohlene Wert nicht eingehalten werden kann. Dadurch lagen die Gehalte im Trinkwasser der öffentlichen Wasserversorgung bereits deutlich unterhalb der Grenzwerte. 

Der Grünen-Politiker forderte zugleich, dass bundesweite Messungen zum Thema PFC zusammengeführt werden. In den Jahren 2020 und 2023 sollen erneut Blutuntersuchungen gemacht werden, um zu klären, wie sich die Belastung über die Jahre hinweg entwickelt.

Auch die andere Rheinseite ist von einem Grundwasser Skandal betroffen – allerdings geht es dabei um radioaktives Uran. Im Ludwigshafener Stadtteil Rheingönnheim soll der Boden in einem Gewerbegebiet mit radioaktivem Uran kontaminiert sein. In Heddesheim und in Hirschberg ist das ebenfalls das Trinkwasser kontaminiert – allerdings nicht mit Chemie oder radioaktiven Stoffen, sondern mit biologischen Erregern! Am 15. Juli warnt das Gesundheitsamt davor Wasser aus dem Hahn zu trinken, ganze vier Tage nach dem die Wasserprobe entnommen wurde. Warum es so lange gedauert hat, bis die Bevölkerung gewarnt wird, ist noch unklar.

Hintergrund

Der Skandal um mit PFC belastetes Ackerland ist dem Land Baden-Württemberg seit 2013 bekannt. Mehr als 600 Hektar rund um Rastatt und Baden-Baden sind mit den umweltschädlichen sogenannten per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) verunreinigt. Auch Flächen im Norden Mannheims gehören dazu. Im Verdacht steht vor allem eine Kompostfirma aus Baden-Baden. Sie soll bis zum Jahr 2008 Kompost an Bauern für ihre Felder verkauft haben, der PFC-haltige Papierschlämme enthielt. Auch im Grundwasser wurde PFC nachgewiesen. 

PFC sind künstlich hergestellte Substanzen. Sie gelten als giftig, sind sehr langlebig und schwer abbaubar. Weil per- und polyfluorierte Chemikalien Wasser und Schmutz abweisen, werden sie oft in Textilien oder auch zur Imprägnierung verwendet. Außerdem kommen sie in Löschschaum und Verpackungen vor und dienen in der Papierindustrie dazu, Papier beispielsweise griffiger oder fettabweisend zu machen. 

Laut Umweltbundesamt können PFC sich negativ auf die Fortpflanzung und das Immunsystem auswirken. Manche PFC-Vertreter stehen den Angaben der Behörde zufolge auch im Verdacht, Leberkrebs und andere Tumore zu fördern. PFC sind sehr langlebig und schlecht abbaubar.

dpa/rmx

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