Nach Protesten am Großkraftwerk

GKM Mannheim: Strom-Engpass befürchtet – Block 7 darf nicht vom Netz

Der Block 9 des Großkraftwerkes ist am 21.09.2015 in Mannheim (Baden-Württemberg) am Rhein vor weiteren Kraftwerksblöcken zu sehen.
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Kraftwerksblöcke des Großkraftwerks in Mannheim am Rhein (Archivbild).

Mannheim – Eigentlich soll Block 7 des Großkraftwerks noch dieses Jahr vom Netz. Doch offenbar ist es um die Stromversorgung in Deutschland schlechter bestellt als Gedacht.

  • Am Samstag (8. August) besetzen Klima-Aktivisten das Großkraftwerk in Mannheim*.
  • Sie klettern auf das Dach einer Kohleförderanlage – das SEK beendet die Protest-Aktion mit einer Spezialeinheit.
  • Die Aktion der Aktivisten hätte beinahe einen Blackout in der Rhein-Neckar-Region zur Folge gehabt.
  • Nun folgt eine Hiobsbotschaft für Klima-Aktivisten: Block 7 bleibt noch lange am Netz.

Update vom 7. September: Von Seiten der Grünen wird immer wieder vehement der vorzeitige Kohle-Ausstieg gefordert. Extreme Klima-Aktivisten gehen sogar einen Schritt weiter und haben in Mannheim am 8. August das Kohleförderband von Blocks 6 des Großkraftwerkes (GKM) besetzt. Rückblickend sprechen die Betreiber sogar von einem Beinahe-Stromausfall in der Region. Nun folgt im Kohlestreit eine weitere überraschende Wende.

Wie die dpa berichtet darf Block 7 des Großkraftwerks Mannheim in diesem Jahr nicht wie geplant endgültig stillgelegt werden. Die Anlage muss nach einer entsprechenden Entscheidung der Bundesnetzagentur noch bis mindestens Ende März 2025 am Netz bleiben, sagt eine GKM-Sprecherin am Montag.

Der Grund für die Kehrtwende: Der Aufsichtsrat des Unternehmens hat Mitte Mai eigentlich beschlossen, den Steinkohle-Meiler nach fast 40 Jahren außer Betrieb zu nehmen und dies beim der Bundesnetzagentur beantragt. Diese hat nun aber Block 7 als systemrelevant eingestuft. Vielmehr müsse das GKM dafür sorgen, dass Block 7 weiterhin betriebsbereit ist, damit bei Bedarf schnell wieder hochgefahren werden kann.

Ob Block 7 über März 2025 hinaus noch am Netz bleiben muss, steht ebenfalls noch nicht fest. Nach dem Mordanschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny wird in der Politik heftig über die Erdgas-Pipeline Nordstream 2 gestritten. Mit dem Ausstieg aus Atom- und Kohle-Energie ist Deutschland abhängig von ausländischen Rohstoffen.

Klima-Protest in Kohle-Kraftwerk: „Grenzt an Terrorismus“

Update vom 4. September: Die Besetzung des Großkraftwerks Mannheim (GKM) am 8. August hätte fast zu einem Stromausfall für 2,5 Millionen Verbraucher geführt. Nur durch den schnellen Eingriff eines Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei konnte das Herunterfahren der kompletten Anlage umgangen werden können, sagt ein Mitarbeiter des GKM. Die Reservekapazitäten des GKM seien fast aufgebraucht gewesen.

Seit dem frühen Samstagmorgen protestieren die Klimaschützer auf dem Gelände des Großkraftwerks Mannheim. (Archivbild)

Laut „Rhein-Neckar-Zeitung“ gab es am Samstag, als die Gruppe „Zucker im Tank" das Kohleförderband des Blocks 6 besetzten, nur einen aktiven Meiler. Block 9 hatte zu dem Zeitpunkt eine Störung. Unklar ist derweil, woher die Klima-Aktivisten wussten, welches Förderband sie besetzen mussten, um den Betrieb des kompletten Großkraftwerks zum Erliegen zu bringen.

Großkraftwerk Mannheim blockiert: „Vorbereitung der Straftat grenzt an Terrorismus“

Die festgenommenen Klima-Aktivisten - drei Frauen und zwei Männer - sind nach der Aktion festgenommen worden. Sie beklagen, die Polizei in Heidelberg und Mannheim habe sie unverhältnismäßig lang festgehalten. Tatsächlich gestaltete sich die Identitifizierung der Aktivisten schwierig und war wohl nur in einem Fall erfolgreich. Anscheinend waren die Aktivisten speziell auf die bevorstehende Verhaftung und Identitätsfeststellung vorbereitet.

So sollen sie ihre Finger mit Klebstoff versehen haben, um ihre Fingerabdrücke zu verändern. Eine spezielle Maskierung habe die Gesichtserkennung verhindert. Lediglich ein Straftäter sei anhand seiner Fußsohlen identifiziert worden. „Die Art und Weise der Vorbereitung dieser Straftat ist kein Aktivismus mehr, sondern grenzt an Terrorismus“, zitiert die RNZ einen Ermittler. Das Großkraftwerk Mannheim lässt indes offen, ob es gegen die fünf Personen Strafanzeige erstattet.

SEK-Spezialeinheit stoppt Klima-Protest in Kohle-Kraftwerk!

Grundtext vom 8. August: Mit Besetzungen und Blockadeaktionen von Klimaschützern dürfte man sich inzwischen gut auskennen im Großkraftwerk Mannheim. Immer wieder ist das Kohlekraftwerk im Stadtteil Neckarau Ziel von Protest-Aktionen. So auch in den frühen Morgenstunden des Samstag (8. August): Gegen 5 Uhr dringen fünf Menschen auf das Gelände des Kraftwerks ein. Darüber berichtet MANNHEIM24*.

Mannheim: Großkraftwerk besetzt - SEK beendet Protest-Aktion

Die Umwelt-Aktivisten klettern auf das Dach einer Kohleförderanlage eines Kraftwerkblocks und harren dort mehrere Stunden lang aus. Wegen der Besetzung des Großkraftwerks Mannheim muss das Förderband für mehrere Stunden gestoppt werden. Ein „Höheninterventionsteam“ des SEK Baden-Württemberg nimmt die drei Frauen und zwei Männer um kurz nach 10 Uhr vorläufig fest. Die Kohleförderanlage geht um 10:45 wieder in Betrieb.

Im Rahmen der Aktionstage „Aufstand mit Abstand“ hat die Gruppe „Zucker im Tank“ zu der Protest-Aktion aufgerufen. Mit der Demonstration will man „Aufmerksamkeit auf die umweltschädliche Steinkohleverbrennung lenken und Menschen, die unter den Folgen der Klimakatastrophe leiden, eine Plattform bieten“, heißt es . Das Kraftwerk trage dazu bei, die Lebens- und Einkommensgrundlage von Menschen in Kolumbien und Russland zu gefährden.

Das Großkraftwerk Mannheim produziert laut Aktivisten pro Jahr 7 Millionen Tonnen CO2 - also zehn Prozent der Emissionen in Baden-Württemberg*. Umweltschützer kritisieren immer wieder den Betrieb des Meilers und bezeichnen das Großkraftwerk als „Klimakiller“ . Im August 2019 waren etwa 100 Menschen in das Areal des Kraftwerks eingedrungen. Damals blockierten sie die Zufahrt und ein Förderband.

Betreiber des Kraftwerks sind die drei Energiekonzerne RWE (Essen), EnBW (Karlsruhe) und MVV (Mannheim). 2015 ging der 1,2 Milliarden teure Block 9 ans Netz. Er hat eine Leistung von knapp 2150 Megawatt. Am Freitag (7. August) hatten Klimaschützer vor der Firmenzentrale von HeidelbergCement in Heidelberg* protestiert. Manche betonierten sogar ihre Füße ein*. (rmx mit Material von dpa) *MANNHEIM24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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