Über zwei Monate nach Unglück

Mannheim: Nach Fassaden-Absturz in Fressgasse – Junge Frau (20) im Rollstuhl

Mannheim-Innenstadt - Der dramatische Fassaden-Absturz in der Fressgasse von Mitte Februar mit drei Verletzten. Jetzt wird das traurige Schicksal eines der Opfer (20) bekannt:

Mehr als zwei Monate nach dem dramatischen Absturz von Teilen einer Hausfassade im Quadrat Q7, 18 in der Fressgasse, hat sich jetzt ein emotionaler Vater bei MANNHEIM24 gemeldet. Der traurige Grund: Seine erst 20-jährige Tochter sitzt seit dem Unglück am 13. Februar 2021 im Rollstuhl, ist teilweise gelähmt. „Meine Tochter kann ihre eigene Muttersprache nicht mehr sprechen!“, so der Vater: „Sie hätte am 7. April einen Auswahltest für eine Ausbildung gehabt. Doch jetzt ist unser Familienglück zerstört. Ich darf sie nur einmal pro Woche besuchen. Wir werden natürlich alles tun, damit sie abgesichert ist.

An einem Gebäude im Quadrat Q7 haben sich am 13. Februar Fassadenteile gelöst. Durch die herunterstürzenden Teile wurden drei Personen teils schwer verletzt.

Rückblick: Die 20-Jährige geht an jenem folgenschweren Samstagnachmittag mit ihrer ein Jahr jüngeren Freundin mitten in Mannheim zum italienischen Restaurant „Frenk‘s“, um Pizza abzuholen. Doch gegen 14 Uhr bröckeln plötzlich in großer Höhe marode Kacheln samt Betongrundierung von der Fassade des Mehrfamilienhauses, stürzen vom 4. Stock in die Tiefe. Fatal: Insgesamt drei Passanten auf dem Bürgersteig werden von den herabfallenden Gebäudeteilen am Kopf getroffen und teils schwer verletzt! Eine Markise hat die Trümmer abgefedert und dadurch womöglich noch Schlimmeres verhindert.

Der Vater fassungslos: „Was da passiert ist, hätte meine Tochter und auch andere Menschen das Leben kosten können! Das gesamte Geschehen soll verharmlost werden.“ Nun will der Familienvater das Mannheimer Baurechtsamt anzeigen. Denn auch nebenan an der Hausnummer 21 seien Platten an der Fassade „fast lose“.

Mannheim: Fassaden-Absturz in der Fressgasse – das ist die mögliche Unglücksursache

Als Konsequenz des Unglücks durften die Bewohner des Hauses nach ihrer Evakuierung durch die eingesetzte Feuerwehr drei Tage lang nicht mehr zurück in ihre Wohnungen. Sie haben solange bei Verwandten und Freunden oder in einer Notunterkunft Unterschlupf gefunden. Da das in die Jahre gekommene Gebäude nicht einsturzgefährdet gewesen ist, konnten die Mieter schließlich wieder zurück in ihre vier Wände.

Stadt\tMannheim
BundeslandBaden-Württemberg
Fläche144,96 km²
Einwohnerzahl310.658 (Stand: 31. Dez. 2019)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

In der Folge hat ein Baugerüst samt stabilem Fangnetz flanierende Fußgänger und vorbeifahrende Autos sowie Radfahrer vor weiteren eventuell herunterfallenden Fassadenbrocken geschützt. Der Hausbesitzer hat eine Spezialfirma damit beauftragt, die Hausverkleidung fachmännisch zurück zu bauen. Die Stadt Mannheim hatte den Gehweg im betroffenen Bereich gesperrt, dies aber aufgrund der ausreichenden Sicherung durch „Gerüst und Netzeinhausung“ nach einem Tag wieder entfernt, so eine Rathaus-Sprecherin auf Anfrage von MANNHEIM24.

Mannheim: So geht es nach dem tragischen Fassaden-Absturz mit dem Unglückshaus weiter

Und wie geht es am Unglückshaus weiter? „Wir haben die Hausverwaltung aufgefordert, dass lose Teile entfernt werden. Dies wurde uns vom verantwortlichen Bauleiter bestätigt“, so die Rathaus-Sprecherin weiter. Aktuell stehe das Baugerüst noch an dem betroffenen Haus in Q7. Derzeit werde „die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen, welches nach §50 Abs. 1 LBO verfahrensfrei ist“, laufen die Arbeiten noch. Heißt: Dieses Bauvorhaben darf ohne Baugenehmigung durchgeführt werden.

Mannheim: Die Hausfassade in Q7 in den Wochen nach dem Absturz.

Ein Sachverständiger ist mit der Klärung der Unglücksursache beauftragt. Es deutet jedoch alles darauf hin, dass Kälte und Wärme der aufgrund Korrosion ohnehin seit langem maroden Fassade stark zugesetzt haben. Aufkommender Wind am Unglückstag hat den Kacheln dann den Rest gegeben und sie gelöst – mit schrecklichen Folgen. (pek)

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