Die Vergangenheit ihrer Großeltern

„Eine Geschichte zwischen Schicksal und Sehnsucht“: Mannheimerin dreht Film über türkische Gastarbeiter

Mannheim - In dem bewegenden und sehr privaten Kurzfilm „Kismet – eine Geschichte zwischen Schicksal und Sehnsucht“ zeigt Studentin Merve Uslu das Leben von türkischen Gastarbeitern: 

  • Eine Studentin aus Mannheim dreht einen Kurzfilm über türkische Gastarbeiter.
  • Merve Uslu zeigt darin die bewegende Geschichte ihrer Familie.
  • Seit dem 1. März ist der Kurzfilm auf YouTube verfügbar.

Zwischen 1961 und 1973 sind ungefähr 867.000 Menschen aus der Türkei nach Deutschland migriert. Zu denen gehören auch Mustafa Uslu und Ismet Ceylan. Beide haben ihre Heimat verlassen, um als Gastarbeiter in Deutschland Geld zu verdienen. Doch was passiert mit den türkischen Dörfern und den dort lebenden Menschen, aus denen große Teile der Bevölkerung emigriert sind?

Merve Uslu, Studentin aus Mannheim und Enkelin der beiden oben genannten Gastarbeiter, hat sich diese Frage gestellt. Wie es ihrer Familie damals ergangen ist und wie die Vergangenheit ihrer Großväter ausgesehen hat, hat sie in einem rund 30-minütigen Film dargestellt. Sie zeigt mit berührenden Bildern und Ansichten die Orte, die Mustafa und Ismet verlassen haben. Entstanden ist dabei der Film „Kismet – eine Geschichte zwischen Schicksal und Sehnsucht“

Mannheim: Studentin produziert Kurzfilm über die Geschichte türkischer Gastarbeiter 

Auf die Idee, einen Film über ihre Familie zu produzieren, ist Merve gekommen, als sie selbst für ein Schülerprojekt vor der Kamera stand. „2018 bin ich von der Projektreihe „Migrostories“ zu meinen persönlichen Ausbildungs- und Berufswünschen befragt worden. Schließlich sind mein Vater und ich dann gefilmt worden und es ist ein schöner Kurzfilm entstanden“, erzählt die Studentin gegenüber MANNHEIM24 und fügt hinzu: „Da ich zurzeit Ethnologie und Soziologie studiere, habe ich mich dann dazu entschieden im Rahmen meiner Abschlussarbeit, einen Film über meine immigrierten Großeltern zu produzieren, die in den 60er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland zugewandert sind. Ich wollte ihre Geschichte irgendwie festhalten und das gelingt am besten durch eine Verfilmung.“ Dafür hat Merve ihre Großeltern interviewt, die heute sechs Monate lang in Deutschland und die anderen sechs in der Türkei leben. 

Mannheim Forschungsreise führt bis in die Türkei 

Neben den ganzen Informationen, die die junge Studentin aus Mannheim erhalten hat, hat sie zusätzlich eine Forschung betrieben, die sie bis in die Türkei geführt hat. „Meine beiden Großeltern kommen aus der Region Hatay in der Türkei. Als ich hingereist bin, hatte ich noch keine richtige Vorstellung, was ich erforschen möchte. Dann habe ich mich jedoch auf die Orte, die Menschen, ihre Erinnerungen und Lebensweisen eingelassen und dem Ganzen einen freien Lauf gegeben“, erzählt Merve. Folglich entwickelte sich ihre Forschung in die Richtung der Kehrseite der Migrationsbewegungen. 

Merve Uslu, Studentin aus Mannheim, und ihr Großvater.

Der Film erzählt dabei zwei Geschichten. Meine Großväter, die als türkische Gastarbeiter nach Deutschland kamen und ihre älteren Brüder, die in der Türkei blieben, sind die Protagonisten des Films. Ich beschreibe anhand von zwei verschiedenen Geschwisterbeziehungen, wie sich das emotionale Verhältnis zweier Brüder durch die damalige räumliche Trennung entwickelt hat. Die Frage, die ich mir stellte, war, welchen Entscheidungen sich die Brüder stellen mussten, als damals die ersten Gastarbeiter ihre Heimat verließen“, so die gebürtige Mannheimerin. Am Montag, den 10. Februar hat Merve in Mannheim mit Familie und Freunden die Premiere ihres 30-minütigen Films gefeiert. Dieser ist seit dem 1. März kostenlos auf YouTube verfügbar.

Übrigens: Pünktlich zum Valentinstag veröffentlichte Netflix den Film „Isi & Ossi“, der in der Region gedreht wurde. Unsere Kritik zur romantischen Komödie. Und auf RTLZWEI läuft bereits die vierte Staffel der beliebten Benz-Baracken in Mannheim. 

oal

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