‚rheinneckarblog‘-Redakteur geht in Berufung

Strafe für Fake-Terror-Artikel: „Leser als Versuchskarnickel missbraucht!“

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Amtsgericht Mannheim- rheinneckarblog-Autor verurteilt

Mannheim - Nach dem Urteil der Richterin ist der ‚rheinneckarblog‘-Redakteur schuldig, einen Artikel veröffentlicht zu haben, der Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Sein Anwalt sieht das anders.

In seinem Plädoyer vor dem Mannheimer Amtsgericht zieht der mediengeübte Strafverteidiger Maximilian Endler blank: Vor 20 Journalisten, dem Angeklagten und meist wohlgesonnenen Zuschauern zieht er – vor einer überraschten Richterin – schwungvoll seinen Talar herunter, um sich im grauen Anzug mit hellblauer Krawatte als „Bürger“ befragen zu lassen. Privat stimme er mit dem Artikel seines Mandanten nicht überein, das „sei nicht in Ordnung."

Dieser hat am 25. März 2018 um 3:47 Uhr im ‚rheinneckarblog' einen Artikel über einen Fake-Terroranschlag in Mannheim veröffentlicht. Das Gericht sieht es nach Abschluss der Beweisaufnahme des Falls (Aktenzeichen AZ: 20 Cs 806 Js 10181/18) als erwiesen an, dass dieser „den öffentlichen Frieden gestört hat“. In den Zwischenüberschriften des Textes würde der „Bogen zu noch andauernden Taten erfüllt.“ Die Störung der öffentlichen Ruhe sei schon durch einige Notrufe bei der Polizei erfolgt. 

Der Angeklagte habe mit solchen Reaktionen gerechnet. Der Mannheimer Polizeipräsident Thomas Köber sagt als Zeuge aus, dass der besagte Redakteur ihm den Fake-Artikel schon im Dezember 2017 angekündigt, Köber ihm aber dringend von der Veröffentlichung abgeraten habe.

Auf den ehemaligen Strafbefehl, der auf 9.000 Euro lautete, dem die Staatsanwältin am Montag, dem 7. Januar 13.000 Euro entgegensetzt, setzt die Richterin mit dem Urteil, 12.000 Euro und der Auflage der Kosten des Verfahrens noch einen drauf.

Doch noch ist das Urteil nicht rechtskräftig: „Natürlich wird mein Anwalt heute noch Berufung einlegen“, sagt der Redakteur gegenüber MANNHEIM24. „Das geht vor das Landesgericht!“ Ob er enttäuscht sei, fragt ihn ein Bekannter? „Nein, das war zu erwarten.“ Ins Gefängnis wolle er aber nicht dafür gehen, um die eventuelle Strafe abzusitzen, das „sei nur ein Scherz gewesen“, erklärt er MANNHEIM24.

Er glaube noch fest an seinen Freispruch. Auf den hat sein Anwalt schließlich plädiert. Im Bundesverfassungsgericht unter dem Stichtwort ‚Kontext‘, sei die Lösung zu finden: „Überschriften dürfen nicht aus dem Kontext gerissen werden!“ Und: „Das ist eindeutig ein fiktionaler Text gewesen."

Die Staatsanwältin sieht hier „eine Grenze überschritten, mit Lesern wurde eine Experiment ohne Einverständnis, wie mit Versuchskarnickeln gemacht!“

Die Begründung des Autors lautet lapidar: Er habe nie jemanden ängstigen wollen, sondern nur mehr auf Terror hinweisen wollen. Sein Anwalt Endler sieht eine Gesetzeslücke und damit noch Möglichkeiten für einen Freispruch.

kpo

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