Clubs, Theater, Kulturstätten

Demo für Kultur-Szene in Mannheim: „Kulturelle (Frei)Räume erhalten“

Mannheim: Seit Monaten sind die Clubs, Theater und andere Kulturstätten geschlossen. Am Samstag (11. Juli) wollen Kulturschaffende demonstrieren, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

  • Die Coronavirus-Pandemie hat seit März den Betrieb in sämtlichen Kulturstätten lahmgelegt.
  • Auch in Mannheim bangen einige Kulturschaffende nun um ihre Existenz.
  • Das „Bündniss Kulturschaffender Mannheim" ruft zu einer Demonstration am Samstag (11. Juli) auf, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Update vom 13. Juli: Bei bestem Mannheimer Wetter trafen sich am Samstag (11. Juli) nach Angaben der Veranstalterinnen 1.000 Personen am Hauptbahnhof, um die Kulturdemo des „Bündnis Kulturschaffender Mannheim“ (BKM) zu unterstützen. Die Stimmung war trotz Maskenpflicht und Alkoholverbot ausgelassen – viele Menschen kamen in bunten Verkleidungen oder ausgefallenen Kostümen und trugen Schilder mit Solidaritätsbekundungen. Genauso breit gefächert wie das Bündnis waren auch die Demonstrierenden aufgestellt: Neben jungen und extravaganten Partygängern, waren Mitarbeitende aus diversen kulturellen Einrichtungen der Stadt vor Ort, sowie Eltern mit Kinderwägen, Verbände der Kulturbranche und Solokünstler.

Angekommen am Alten Messplatz, berichteten die verschiedene Akteure des BKM aus ihrem Alltag und den diversen Problematiken, die sich für die einzelnen Branchen des Kulturbetriebs aus den Corona-Auflagen ergeben. Sie riefen zu Solidarität unter Kulturschaffenden auf, zur Bildung einer Lobby für die Branche und forderten Hilfe von politischer Seite. Der Abend wurde mit künstlerischen Darbietungen unterschiedlicher Sparten beschlossen. Von Modern Dance und Hiphop-Performaces bis hin zur Beethovens 9. Symphonie – vorgetragen durch ein Streichquartett – verkörperten die Kunstschaffenden die Diversität des Bündnisses.

Mannheim: Demo für Kultur-Szene – „Kulturelle (Frei)Räume erhalten“

Clubs, Theater, Konzerte, Volksfest: So unterschiedlich diese Orte (und das dortige Publikum) auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam – es sind Stätten der Kultur. Lang ist es her, dass solche Orte besucht werden konnten, um vom Stress des Alltags zu entfliehen und abzuschalten. Allerdings sind tanzen, singen, feiern nicht so richtig pandemiegerecht und darum waren es solche Kulturstätten, die als Erstes schließen und wahrscheinlich auch als Letztes wieder öffnen dürfen. Und das, obwohl es solche kulturellen Veranstaltungen sind, die das Leben lebenswert machen und Kreativen und Kulturschaffenden ein Einkommen bescheren.

Drei Monate sind seit der Zwangsschließung vergangen und für die Kulturszene ist immer noch kein Neuanfang in Sicht: Zunächst hieß es vonseiten der Politik, dass Großveranstaltungen wieder ab Ende August beginnen könnten – mittlerweile sieht es eher nach November aus. Auch in Mannheim sind viele Kulturschaffende von der aktuellen Lage schwer getroffen und manch einer befindet sich schon jetzt in existenzieller Not. Aus diesem Grund will das „Bündnis Kulturschaffender Mannheim“ (BKM) am Samstag (11. Juli) auf die Straßen gehen, um auf diese Missstände aufmerksam zu machen und um die Politik zum Handeln zu animieren.

Demonstration in Mannheim: „Kulturelle (Frei)Räume Erhalten – Auf die Straße für Kultur“

Im Gespräch mit MANNHEIM24 erklärt der Veranstaltungsleiter der Demonstration, Simon Bittner, dass es bei der Aktion vor allem um Sichtbarkeit gehe. Es soll gezeigt werden wie viele Institutionen, Kulturstätten, freiberufliche und soloselbständige Kulturschaffenden betroffen seien. „Darunter fallen Theater und Tanz, Konzert- und Festivalveranstalter, Musikclubs, Musikunternehmen und Produzenten, Veranstaltungstechniker, Schausteller, Filmwirtschaft, Galerien, soziokulturellen Zentren und so weiter“, erklärt Bittner.

Er fährt fort und erklärt, dass das Bündnis aus einem Plenum verschiedener Vertreter krisenbetroffener Kultur- und Veranstaltungsstätten besteht. „Wir haben uns zusammengeschlossen, um gemeinsam für den Erhalt einer vielfältigen Kulturlandschaft in Mannheim und die dafür notwendige Unterstützung zu demonstrieren.“ Die Liste der Unterstützer ist lang und es scheint, als würde die gesamte Mannheimer Kulturszene vereint vor die Politik treten: Von Clubs und Diskotheken bis hin zu Theater- und Schauspielstätten. In Mannheim tut sich einiges in der Bar- und Clubszene: Die Dankbar zieht noch in diesem Jahr um. Die neue Location befindet sich in den Räumen, wo einst das Gatsby drin war.

Kulturdemo in Mannheim: Treffpunkt, Route, Zeitplan

Der Demonstrationszug soll um 16 Uhr am Mannheimer Hauptbahnhof starten. Von dort laufen die Demonstranten über das Schloss zum Paradeplatz und dann zum Marktplatz. Anschließend geht es in Richtung Abendakademie, wo der Demonstrationszug dann einen Abstecher durch den Jungbusch macht: Vom Luisenring geht es über die Jungbuschstraße entlang zur Hafenstraße, wo dann der Neckar überquert wird. In der Neckarstadt angekommen, führt die Route über die Helmholtzstraße und Bunsenstraße zur Dammstraße und endet dann beim Alten Messplatz.

Die Route für den Demonstrationszug der Kulturdemo

Die Veranstalterinnen planen am Alten Messplatz eine Kundgebung mit mehreren Rednerinnen und Musik. Doch statt Party und Tanzen ist vielmehr Hinsetzen und Zuhören angesagt: Es wird Markierungen auf dem Boden geben und die Teilnehmenden werden aufgefordert entsprechend Platz zu nehmen. Grundsätzlich gelten bei der Kulturdemo strenge Regeln, damit die Demonstration pandemiegerecht abläuft: So gilt für alle die Maskenpflicht und der Mindestabstand von 1,5 Metern; es herrscht ein Alkoholverbot während der gesamten Veranstaltung; Tanzen ist untersagt und es wird Desinfektionsmittel bereitgestellt. Trotz dem Ernst der Lage würden sich die Veranstalter über „Kostüme und bunte Outfits“ freuen.

Wie steht es um die Mannheimer Kulturszene?

Im Gespräch mit MANNHEIM24 erklären die Veranstalterinnen, was sie auf die Straße treibt: „Wir wollen auf die Missstände aufmerksam machen“, sagt eine Sprecherin. Die Branche sei schwer betroffen und für viele sei das Konjunkturpaket nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Die Corona-bedingten Schließungen und Einschränkungen hätten ihre Spuren hinterlassen. „Selbst die stückweiten Lockerungen und der eingeschränkte Betrieb decken meist nicht die Produktionskosten und helfen vielen nicht über die Runden zu kommen“, so das BKM.

Die schnellen finanziellen Hilfen waren natürlich erfreulich“, fährt die Sprecherin fort. „Sie sind jedoch keine langfristige Lösung und keine Antwort auf die Perspektivlosigkeit vieler kulturellen Einrichtungen und Kulturschaffenden.“ Im Gespräch mit dem BKM kommt heraus, dass es durch die Diversität der Branche schwer ist, konkrete Forderungen für den gesamten Kulturbereich zu formulieren. Auf Anfrage erklärt Bittner: „Es gibt ganz unterschiedliche Bereiche, die alle unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse haben.“ Daher sei es umso wichtiger, dass die Politik zuhöre und gemeinsam mit den betroffenen Kultur- und Veranstaltungsstätten sinnvolle Perspektiven erarbeite.

Viele Selbstständige stünden schon jetzt vor existenziellen Problemen, da sie fest damit gerechnet hätten zum Ende des Sommers wieder arbeiten zu können. Nun seien bei vielen die Soforthilfen, das Ersparte und sonstiges Geld aufgebraucht. Für die Kulturschaffenden aus Mannheim seien die Rettungspakete anderer Branchen unverständlich, denn auch die Kulturbranche biete unzählige Arbeitsplätze, die nun akut bedroht sind: „Es trifft eine Branche, die schon vor Corona wenig Wertschätzung erfahren hat und der wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stand. Und gerade die trifft es nun am härtesten“, beklagt das BKM, „Es zeichnet sich eine besorgniserregende Entwicklung ab, bei der das kulturelle Leben Stück für Stück aus den Städten und Kommunen verschwindet.“

Seit Jahren strömen jedes Wochenende tausende Nachtschwärmer in das Ausgehviertel im Jungbusch. Selbst die coronabedingte Schließung von Bars und Clubs hindert sie nicht daran. Kippt jetzt die Partystimmung im Kiez? (mw)

Rubriklistenbild: © dpa/Uwe Anspach

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare