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Mannheim: Borelly-Grotte wird zubetoniert – So geht‘s am Bahnhofsvorplatz weiter

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Von: Josefine Lenz

Unser Reporter am Tag nach der Schließung in der Borelly-Grotte am Hauptbahnhof.
Unser Reporter am Tag nach der Schließung in der Borelly-Grotte am Hauptbahnhof. © MANNHEIM24/Peter Kiefer

Mannheim - Die Borelly-Grotte wird in den kommenden Wochen verschwinden, um den Gleisausbau am Hauptbahnhof zu ermöglichen. Auch soll der Vorplatz umgestaltet werden:

Nun ist der Startschuss für die Verfüllung der Borelly-Grotte unter der Kreuzung Bismarckstraße Kaiserring gefallen. Ab Freitag (20. August) wird die Borelly-Grotte dann über vier aufeinanderfolgende Wochenenden, jeweils in Tagesschichten von Freitagnachmittag bis Sonntagabend, verfüllt. Die Verfüllung der Borelly-Grotte ist eine notwendige Voraussetzung für den geplanten viergleisigen Ausbau der Stadtbahn- und Bushaltestelle am Mannheimer Hauptbahnhof, der im Lauf des kommenden Jahres durchgeführt wird, wie die RNV am Mittwoch (28. Juli) nach einer Pressekonferenz mitteilt.

Mannheim: Borelly-Grotte wird aufgefüllt – „Verschwindet nicht nur eine unschöne Unterführung“

Mit der Verfüllung der Borelly-Grotte verschwindet nicht nur eine unschöne Unterführung an einer repräsentativen Achse der Stadt, sie bildet auch die Grundlage für den Ausbau des überlasteten Stadtbahnknotenpunkts Mannheim Hauptbahnhof, der meistfrequentierten Haltestelle im Mannheimer Netz. Die Neuordnung und Kapazitätserweiterung dieser Haltestelle sind gerade vor dem Hintergrund der Hochstraßensperrung und der BUGA unverzichtbar. Alle weiteren Maßnahmen, mit denen das Konversionsnetz Mannheim vorangebracht werden sollen, hängen hiervon ab: Durch die Verfüllung kann die Stadtbahn am Hauptbahnhof endlich so ausgebaut werden, dass sie auch in Zukunft weitere Stadtbahnverkehre zuverlässig aufnehmen kann“, erklärt Christian Specht, Erster Bürgermeister und ÖPNV-Dezernent der Stadt Mannheim.

V.l.n.r. Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der rnv, Christian Specht, ÖPNV-Dezernent und Erster Bürgermeister der Stadt Mannheim, und Marcus Geithe, Geschäftsführer der MV Mannheimer Verkehr GmbH, in der Borelly-Grotte.
V.l.n.r. Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der rnv, Christian Specht, ÖPNV-Dezernent und Erster Bürgermeister der Stadt Mannheim, und Marcus Geithe, Geschäftsführer der MV Mannheimer Verkehr GmbH, in der Borelly-Grotte. © Nikola Neven Haubner/rnv

Die Verfüllung der Grotte läutet nun den zweiten Bauabschnitt unserer gemeinsamen Baumaßnahme am Mannheimer Bahnhofsvorplatz ein, den viergleisigen Ausbau der Haltestellenanlage. Das Projekt birgt auch einige Herausforderungen, nicht zuletzt aufgrund der aktuell im Baugewerbe vorherrschenden Materialknappheit. Dieser Ausbau bringt den Mannheimer ÖPNV aber auf lange Sicht voran. Mit der Verfüllung dieser Unterführung aus den 1960er Jahren machen wir nicht nur die wichtige Kapazitätserweiterung möglich, sondern wir leisten auch einen weiteren Beitrag zur Stadtentwicklung“, sagt Marcus Geithe, Geschäftsführer der MV Mannheimer Verkehr GmbH.

Der Abschied von der Borelly-Grotte zieht einen symbolischen Schlussstrich unter die alte Verkehrsplanung der autogerechten Stadt, die Fußgänger und vielerorts auch Straßenbahnen in den Untergrund geschickt hat. Für die Vielfalt des Verkehrs, aber auch besonders für den aktiven Klimaschutz ist es wichtig, dass wir auch in den Innenstädten unser ÖPNV-Netz und unsere Haltestellen ausbauen, um noch mehr Fahrgäste an ihr Ziel bringen zu können“, fügt Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der rnv, hinzu.

Mannheim: Bauarbeiten in der Borelly-Grotte – Wann? Wie? Welche Auswirkungen?

Seit 26. Juli wird die Verfüllung der ehemaligen Fußgängerpassage vorbereitet. Bis zum Beginn der vollständigen Verfüllung am 20. August werden die tiefer liegenden Kabelkanäle, Gruben und Vertiefungen verfüllt sowie vorhandenen Bauwerksfugen und Wanddurchbrüche abgedichtet. Auch Leerrohre wurden verlegt, die nach der Verfüllung noch mit Versorgungsleitungen bestückt werden können.

Durch die Platzierung der Betonpumpe zur Verfüllung ergeben sich an den Wochenenden vom 20. bis 22. August, 27. bis 29. August, 3. bis 5. September und vom 10. bis 12. September Einschränkungen für den Autoverkehr an der Kreuzung Bismarckstraße und Kaiserring, da an jedem der Wochenenden die Pumpe an einem der vier Zugänge zur Grotte steht. Der Anfang wird am südöstlichen Zugang gemacht, danach wandert die Pumpe im Uhrzeigersinn um die Kreuzung. Somit wird an den aufeinanderfolgenden Wochenenden an einer der vier Kreuzungsecken die rechte Fahrspur kurz vor der Kreuzung gesperrt. Allerdings bleiben sämtliche Fahrbeziehungen erhalten.

Für die Verfüllung wird die Borelly-Grotte, die im Jahr 1962 eröffnet wurde, in vier Abschnitte aufgeteilt: Pro Wochenende werden dann etwa 1.000 Kubikmeter Boden-, Sand-, Zement- und Flugaschegemisch in den unterirdischen Hohlraum gepumpt. Dafür wird eine Pumpe mit einer Fördermenge von 30 Kubikmetern pro Stunde eingesetzt, wodurch an den vier Verfüllwochenenden vier Betonmischer mit 7,50 Kubikmetern Ladung pro Stunde an die Pumpe fahren. Im Zuge der Verfüllung werden auch die oberirdisch sichtbaren Belüftungsanlagen, die Treppenzugänge inklusive des Fahrstuhls sowie die Geländer zurückgebaut.

Unser Reporter am Tag nach der Schließung in der Borelly-Grotte am Hauptbahnhof.
Unser Reporter am Tag nach der Schließung in der Borelly-Grotte am Hauptbahnhof. © MANNHEIM24/Peter Kiefer

Parallel zur Verfüllung werden die städtischen Erneuerungsarbeiten der auf der westlichen Platzseite des Willy-Brandt-Platzes fortgeführt.

Mannheim: Die Verfüllung der Borelly-Grotte im Gesamtkontext

Die Verfüllung der Borelly-Grotte ist Teil eines gemeinsamen Bauprojekts Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes der Stadt Mannheim von rnv, MV und der Stadt Mannheim. Damit soll der Willy-Brandt-Platz bis zur BUGA und darüber hinaus fit für die Zukunft gemacht werden: Auf einem ersten Bauabschnitt passt die Stadt Mannheim die westlichen Platzflächen an. Nun steigt auch die rnv in die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt ein: Im Auftrag der MV Mannheimer Verkehr baut die rnv die Haltestelle Mannheim Hauptbahnhof für Busse und Bahnen komplett aus.

Dabei wird die Haltestelle um ein viertes Gleis und einen vierten Bahnsteig erweitert. Die Verfüllung der Borelly-Grotte ist notwendig, um die Stabilität für ein weiteres Gleis sicherzustellen. Die vier Bahnsteige werden zudem in Zweiergruppen neugeordnet, auf voller Länge barrierefrei ausgebaut und mit einem durchgehenden Blinden-Leitsystem versehen. Nach der Anpassung der Tiefgaragenausfahrt am Hauptbahnhof beginnen die Gleisarbeiten der rnv im Frühjahr 2022. Im Verlauf des Jahres werden dann die Gleisabschnitte hergestellt und die angrenzenden Pflasterbereiche erneuert. Bis Anfang 2023 soll die Kapazitätserweiterung an Gleisen und Haltestelle abgeschlossen sein.

Als dritter und letzter Bauabschnitt ist 2024 nach der Bundesgartenschau die Neugestaltung der östlichen Platzfläche durch die Stadt geplant.

Mannheim: „Konversionsnetz“ treibt ÖPNV-Ausbau voran

Die Maßnahme Neuordnung und Kapazitätserweiterung der Haltestelle Mannheim Hauptbahnhof der rnv ist wiederum Teil des Maßnahmenbündels Konversionsnetz Mannheim. Das Konversionsnetz Mannheim dient dem Ausbau des Mannheimer ÖPNV. Es wird über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz sowohl vom Bundesministerium für Wirtschaft und digitale Infrastruktur als auch vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg gefördert und von der Stadt Mannheim, der MV und der rnv gemeinsam geplant und verwirklicht. Insgesamt sollen rund 150 Millionen Euro in das Mannheimer Stadtbahnnetz investiert werden.

Mit dem Stadtbahnausbau in Mannheim wird zudem eine neue Stadtbahnlinie von Benjamin-Franklin-Village über Käfertal Bahnhof und Glückstein-Quartier bis zum Karlsplatz geschaffen. Mit Anpassung der Linien 6 und 8 werden somit zukünftig wichtige ÖPNV-Verbindungen optimiert und unter anderem das Planetarium, der Luisenpark sowie die Hochschule Mannheim besser an den Mannheimer Hauptbahnhof angebunden. (pm/jol)

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