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Mannheim ist Blitzer-Millionär: So machen Raser die Stadt „reich“

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Von: Josefine Lenz

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Buflgelder im Verkehr steigen
Buflgelder im Verkehr steigen © picture alliance/dpa

Mannheim – Das Blitzer-Geschäft brummt: Im Jahr 2020 hat Mannheim durch Radarkontrollen mehr als eine Million Euro kassiert. Verkehrsanwälte warnen: Bußgelder könnten auf falschen Messungen fußen.

Rasen lohnt sich – zumindest für die Kommunen. Einer Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltsvereins (DAV) zufolge sind mindestens zehn deutsche Städte im Jahr 2020 Blitzer-Millionäre geworden. Dies geht aus einer Pressemitteilung des DAV hervor. Vorne mit dabei: Mannheim.

Rund 3,3 Millionen Euro hat die Quadratestadt durch ihre Radarfallen eingenommen. Damit belegt sie Platz fünf unter den befragten Städten. Karlsruhe liegt mit Einnahmen in Höhe von 7 Millionen Euro sogar auf Platz drei. Spitzenreiter im Blitzer-Business ist laut der Umfrage Hamburg: Satte 17,1 Millionen Euro Bußgeld habe die Hansestadt kassiert – dort gebe es auch die meisten Blitzer, nämlich 64, so der DAV. Mächtig abgesahnt haben außerdem Göttingen, Aachen, Karlsruhe, Tübingen, Nürnberg, Dresden und Zwickau.

Einnahmen in Millionenhöhe in Mannheim: Das Blitzer-Geschäft brummt

Geblitzt werde überwiegend zur Vermeidung von Geschwindigkeitsüberschreitungen an häufigen Unfallorten, teilte der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht mit. Deutlich weniger Blitzer würden eingesetzt, um Rotlichtverstöße zu verhindern. Das Blitzer-Geschäft brummt: Fast alle teilnehmenden Städte gaben an, weitaus mehr durch die Radarfallen eingenommen zu haben als ihre Aufstellung und Wartung gekostet habe.

Die Arbeitsgemeinschaft des DAV hatte die 150 größten deutschen Städte nach der Zahl der aufgestellten Blitzer, der Höhe der Einnahmen und ihrem Verwendungszweck befragt. Nur 46 Städte antworteten, 18 gaben ihre Daten nicht zur Veröffentlichung frei, darunter Köln und Leipzig. Die Haushaltspläne sprechen jedoch Bände: So zeige der Kölner Haushaltsentwurf für 2022, dass Bußgelder für Rasen und Rotlichtverstöße im Jahr 2019 schon 17,6 Millionen Euro einbrachten.

Mannheim: Tricksen Städte mit fragwürdigen Messanlagen?

Auf die Frage, wo in Mannheim am häufigsten geblitzt wird, nannte die Stadt die Dammstraße, die Hauptstraße und die Waldstraße. Das betreffe insbesondere schutzwürdige Straßenbereiche an Schulwegen und Betreuungseinrichtungen.

Aber Obacht! Nicht alle Bußgelder müssen fraglos hingenommen werden. So geriet etwa das Messgerät Leivtec XV3 in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik, weil es falsch gemessen hatte. Wie der DAV mitteilt, gaben insgesamt neun Städte an, das Modell zumindest zeitweise verwendet zu haben – darunter auch Mannheim.

Ganze 22.458 Geschwindigkeitsüberschreitungen seien mit dem fragwürdigen Blitzer festgestellt worden. „Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass auch in Mannheim Empfänger von Bußgeldbescheiden von falschen Messungen betroffen sind“, so Verkehrsanwältin Daniela Mielchen. „Autofahrer sollten diese daher keinesfalls widerstandslos hinnehmen, sondern sich bei jedem fragwürdigen Blitzer-Bußgeld Hilfe durch einen Verkehrsanwalt suchen.“

Jetzt noch teurer! Im November kommen die Knallhart-Strafen für Verkehrssünder in Mannheim

Noch lohnenswerter dürfte das Geschäft ab kommendem Dienstag werden: Am 9. November erhöht sich das Bußgeld für Verkehrssünder dramatisch. Beispiel: Wer innerorts mit 16 bis 20 km/h zu schnell geblitzt wird, zahl statt 35 Euro künftig das Doppelte. Auch Autofahrer, die unerlaubterweise die Rettungsgasse benutzen, müssen noch tiefer in die Tasche greifen. Bei Verstößen drohen Bußgelder zwischen 200 und 320 Euro, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte. Deutlich teurer wird es auch für Falschparker und Auto-Poser, die andere belästigen und unnötigen Lärm und vermeidbare Abgase produzieren. Letztere werden demnächst mit einem fünffach erhöhten Bußgeld abgestraft. (luko)

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