Eugen G. von Polizei angeschossen

Auto-Attacke auf Feuerwehrmann: Keine versuchte Tötung? Staatsanwaltschaft erklärt Grund

Mannheim - Ein Mann versucht einen Feuerwehrmann und einen Polizisten anzufahren. Doch die Staatsanwaltschaft sieht darin keine versuchte Tötung.

  • Eugen G. rast in Mannheim auf Feuerwehrmann zu und wird von einem Polizist angeschossen.
  • Nachdem er von der Polizei Mannheim geschnappt wurde, kommt er wieder auf freien Fuß.
  • Der Erste Staatsanwalt erklärt die Hintergründe der Ermittlungen.

Die Feuerwehr Mannheim ist am Montagabend (13. Juli) bei einem Einsatz im Bereich B36 Südtangente, um eine brennende Matratze zu löschen. Plötzlich nähert sich ein Mercedes Benz und fährt auf ein Einsatzfahrzeug zu. Als der Fahrer nicht vorbei kommt, legt er den Rückwärtseingang ein und rast los. Dabei scheint es ihn nicht zu stören, dass ein Feuerwehrmann in seinem Weg steht. Der kann gerade noch ausweichen. Kurz darauf fährt der Wagen auf einen Polizisten zu – der das Feuer eröffnet und den Mann am Steuer trifft. Der flieht und wird nach einer großangelegten Fahndung in einem Krankenhaus gefunden. Anstatt in Haft, kommt er aber auf freien Fuß. Für viele Leute ein Skandal!

NameMannheim
BundeslandBaden-Württemberg
Einwohnerzahl309.370 (2019)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)
Hochschulen und UniversitätenUniversität Mannheim, Hochschule Mannheim, Popakademie Baden-Württemberg

Auto-Attacke auf Feuerwehrmann: Eugen G. nicht in Haft – das ist der Grund

Etwa einen Tag nach der Tat in Mannheim darf der mutmaßliche Täter Eugen G. wieder nach Hause gehen – wegen Fehlens von Haftgründen. Die Staatsanwaltschaft Mannheim sieht aktuell keine Anzeichen für ein versuchtes Tötungsdelikt und stuft die Sache als „erhebliche Verkehrsstraftat“ ein. Die „Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft Landesverband Baden-Württemberg“ äußert daraufhin Kritik an der Entscheidung und ist fassungslos. Auch viele User im Internet sind darüber erbost und es entsteht eine hitzige Debatte.

Die Menschen fordern mehr Schutz für Einsatzkräfte, die immer öfter auch Opfer werden, wenn sie helfen. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik gab es 2019 im Südwesten 4.993 Übergriffe auf Polizisten, 243 Angriffe auf Mitarbeiter des Rettungsdienstes und 122 Attacken auf Feuerwehrleute. Alle drei Zahlen sind innerhalb der letzten Jahre gestiegen.

Mannheim: Auto-Attacke auf Feuerwehrmann – Staatsanwaltschaft erklärt Hintergründe der Ermittlungen

Dr. Marc Schreiner, Erster Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Mannheim, erklärt auf MANNHEIM24-Anfrage die Hintergründe, die bei einem solchen Fall eine Rolle spielen. Wichtig für eine Bezeichung als versuchtes Tötungsdelikt sei die Geschwindigkeit des Autos. Erst wenn jemand richtig Vollgas gebe, könne man von einer Überschreitung einer Hemmschwelle ausgehen. Je nach Tempo könnte ein Verkehrsrowdy sich denken, dass eine Person ja immernoch ausweichen kann – so wie es in diesem Fall geschehen ist. Daher sei es sehr schwer, dem Täter in einer solchen Situation nachzuweisen, dass jemand sterben sollte.

Gegen Eugen G. wird nun ermittelt. (Symbolfoto)

Wie schnell Eugen G. gewesen ist, ist bislang noch unbekannt. Die Ermittler rekonstruieren derzeit das Verbrechen. Sollte sich jedoch zeigen, dass der Raser wirklich Vollgas gegen hat, könnte die Anschuldigung immernoch von „Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“ zu „versuchte Tötung" geändert werden. Da das Verbrechen aber noch nicht lange her ist, müsse erst einmal ermittelt werden. Das Ganze sei ein dynamischer Prozess, bei dem noch nichts in Stein gemeißelt sei, erklärt Dr. Schreiner.

Nur einige Tage später schockiert die nächste Tat die Region: Ein Mann tötet seine Ehefrau in in ihrer gemeinsamen Wohnung im Limburgerhof (Rheinland-Pfalz) und tätigt dann einen merkwürdigen Anruf. (dh)

Rubriklistenbild: © Patrick Seeger/dpa/Polizeipräsidium Mannheim

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