Geschmacklos oder aufklärend?

Er ‚rappt‘ wieder! Stadtrat Ferrat veröffentlicht Schock-Video   

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„Ich möchte dem Trend entgegenwirken, dass Abtreibung verharmlost wird.“, so Stadtrat Julien Ferrat.

Mannheim – Es ist wieder soweit! Stadtrat Ferrat (Familienpartei)‚ ‚versucht‘ sich nach seinem letzten umstrittenen Rap schon wieder musikalisch. Diesmal inklusive Schock-Sequenz...  

Erst im Oktober sorgte Stadtrat Julien Ferrat (Familienpartei) mit der Veröffentlichung des Songs „Mannheimer Ghetto“ für einen Eklat. Darin rappt er in Gangster-Manier über das harte Pflaster und das schwierige Leben in der Neckarstadt. Vulgäre Textzeilen wie „Ich bin Mannheimer Stadtrat und bang die bitches jede Nacht hart.“, sorgen nicht nur bei den Linken, über die er in den Gemeinderat gewählt wurde, aber wegen Streitigkeiten austrat, für Entsetzen.

Obwohl seine Parteikollegen die sozialkritische Message hervorheben und hinter Ferrat stehen, folgt ist eine Rüge des Mannheimer Gemeinderates und die Löschung des Videos auf allen Portalen. Ferrat selbst sieht den Rapsong als einen kulturpolitischen Beitrag um auf die Missstände in manchen Stadtteilen hinzuweisen.

Rapsong „Dieser Konflikt“ 

Doch Julien Ferrat lässt sich durch die Rüge nicht davon abhalten Youtube für die Verbreitung seiner politischen Botschaften zu nutzen und veröffentlicht am 22. Januar 2017 den Rapsong „Dieser Konflikt“. Darin rappt er auf einer Parkbank sitzend, über das junge Mädchen Aileen aus einem schwierigen Elternhaus, („Sie hatte nur einen Vater der mit Drogen dealte.“) welches ungewollt schwanger wird und niemanden hat, an den es sich wenden kann. 

Die zensierte Version (ohne Abtreibungssequenz): 

NICHTS FÜR SCHWACHE NERVEN: Hier geht‘s zur  unzensierte Version (inklusive Abtreibungssequenz) des Videos.

Die Sängerin Dilara68 liefert den Refrain durch den eine Abtreibung in den Raum gebracht wird: „Das ist dieser Konflikt, hörst du die Zeit wie sie tickt, sie kann diesem Kind so viel geben, doch sie wollen ihr alles nehmen.“ Auch wird kurz ein rotes Plakat eingeblendet auf dem steht: „Mach eine Abtreibung – Mama + Papa“.  Aileen erfährt auch keinen Zuspruch oder Unterstützung von ihren Freunden. Eine Freundin, mit der sie ihre Sorgen teilt, erzählt allen von ihrer Schwangerschaft. „Sie war ein Mädchen vom Leben gezeichnet, von allen nur als Schlampe bezeichnet.“ 

Schock-Sequenz

Kurz danach folgt dann der Schocker: das Video einer Abtreibung! Dabei sieht man das blutige Video der Ausschabung einer Gebärmutter und dabei sogar die winzige Hand des Embryos! Nachdem man diesen Anblick ‚überstanden‘, oder wenn man die zensierte Version angeschaut hat, kommt jedoch die Kehrtwende. Aileen hat gar nicht abgetrieben, bekommt das Baby, ist glücklich und sogar der Vater des Kindes kehrt zu ihr zurück! 

MANNHEIM24 meint:

Zu der musikalischen Qualität des Rap-Videos muss man wohl nicht viel sagen: wenn Ferrat ins Leere starrend, schlechte Reime von sich gebend auf der Parkbank sitzt und dabei sinnlos mit den Armen fuchtelt, wirkt das mehr als befremdlich. Dies und die piepsigen Gesangseinlagen von Delira68 wirken eher kontraproduktiv, um sich in die Lage von Aileen hinein zu versetzen. 

Die blutige Abtreibungssequenz (wohl gegen Ende der Dreimonatsfrist aufgenommen) ist nichts für schwache Nerven und es sollte beim Anschauen im Hinterkopf behalten werden, dass sie auch nicht stellvertretend für alle Arten von Schwangerschaftsabbrüchen steht. Fakt ist jedoch, dass viele nicht wissen wie eine Abtreibung vorgenommen wird und auch nicht wie groß und entwickelt ein Embryo in den verschiedenen Entwicklungsstadien ist. Somit leistet die Videosequenz zumindest einige Aufklärungsarbeit.

Julien Ferrat erklärt seine Intention auf Anfrage der Redaktion mit den Worten: 

„Ich möchte dem Trend entgegenwirken, dass Abtreibung verharmlost wird. Von vielen wird eine Schwangerschaftsunterbrechung inzwischen als Verhütung 2.0 angesehen. Um zu verdeutlichen, dass dem nicht so ist, habe ich mich entschieden, den Abtreibungsvorgang zu visualisieren.“

Auf uns wirken die Worte des Stadtrates jedoch ein wenig übertrieben. Denn ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland grundsätzlich rechtswidrig und nur unter bestimmten Voraussetzungen straffrei. So zum Beispiel wenn bestimmte medizinische Gründe vorliegen, etwa große gesundheitliche Gefahr für die Mutter, wenn sie die Schwangerschaft fortsetzt, oder wenn die Schwangerschaft das Resultat eines Sexualdelikts ist. 

Wenn diese Voraussetzungen nicht gegeben sind kann die Schwangerschaft nur auf Wunsch der Mutter abgebrochen werden, nachdem die Schwangere eine Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch genommen hat, ein Beratungsschein ausgestellt worden ist und wenn zwischen Beratung und Abtreibung mindestens drei Tage liegen. Ein Schwangerschaftsabbruch kann zudem in diesem Fall nur bis zur 12. Woche erfolgen. Die Konfliktberatung darf nicht von dem Arzt durchgeführt werden, der die Schwangerschaft abbricht.

Dies bedeutet für die Schwangere einen langen und schwierigen Weg, während ihr von Anfang bis Ende auch Hilfsangebote, Alternativen zum Abbruch und Beratungen angeboten werden. So kann man keineswegs von einer leichtfertigen „Verhütung 2.0“ sprechen.

Zudem entsteht der Eindruck, dass Julien Ferrat in seinem Rap-Video betroffene Frauen und Mädchen stigmatisiert, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Denn nicht jede Geschichte endet wie in Aileens Fall mit einem ‚Happy-End‘ ...   

kp

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