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Nach tödlichem Einsatz am Marktplatz – Anzeige gegen Polizisten

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Von: Marten Kopf

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Mannheim - Für einen 47-Jährigen endet eine Polizeikontrolle in der Innenstadt tödlich. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beiden Beamten. Nun liegt noch eine weitere Anzeige vor.

„Die Marschrichtung ist klar: Wenn sich der Verdacht erhärten und bestätigen würde, werden sie bei uns nicht mehr froh“. Es sind deutliche Worte, die Siegfried Kollmar, Präsident des Polizeipräsidiums Mannheim, am Donnerstag (5. Mai) im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung des Mannheimer Gemeinderats wählt. Gemeint ist der Verdacht, der gegen zwei Beamte seiner Dienststelle im Raum steht.

StadtMannheim (Baden-Württemberg)
Fläche145 km²
Bevölkerung309.721 (Stand: 31. Dezember 2020)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Tödlicher Polizeieinsatz am Marktplatz: Demos gegen Polizeigewalt

Am Rande des viel belebten Marktplatzes mitten in der Innenstadt von Mannheim kollabiert am Montag (2. Mai) ein 47-Jähriger, während zwei Polizisten versuchen, ihn festzunehmen. Er muss reanimiert werden, verstirbt aber wenig später in einer nahegelegenen Klinik. Schon wenige Stunden nach dem Vorfall versammeln sich zahlreiche Menschen auf dem Marktplatz, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren.

Auslöser ist vor allem ein Video, das ebenfalls schon am Montag im Netz kursiert und zeigt, wie einer der Polizisten dem am Boden Liegenden offensichtlich mehrfach mit der Faust ins Gesicht schlägt. Die Aufnahmen zeigen das Gesicht des Mannes anschließend blutüberströmt.

Mann stirbt bei Polizeieinsatz: Ermittlungen wegen Körperverletzung mit Todesfolge

Die beiden Beamten sind inzwischen vom Dienst suspendiert. Gegen die Mannheimer Polizisten wird wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt mit Todesfolge ermittelt. Nun liegt nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Anzeige vor. Sie stamme von einem unbeteiligten Dritten, antwortet ein Sprecher der Behörde am Freitag (6. Mai) auf die Frage, ob Angehörige des Verstorbenen die Anzeige gestellt hätten.

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Da Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg nach dem Vorfall aber ohnehin schon ermitteln, hat die Anzeige keine besonderen Konsequenzen. Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilt, gab es darüber hinaus noch eine Handvoll Eingaben, die sich mit dem Fall befassen. Teils seien Links dabei zu Videos im Internet, die das Geschehen ausschnittsweise zeigen sollen. „Es handelt sich dabei um bekannte Aufnahmen“, so die Behörde.

Nach Todesfall bei Polizeieinsatz: Beamte in psychologischer Betreuung

Polizeipräsident Kollmar hatte vor dem Gemeinderat betont, den Fall transparent und umfangreich aufzuklären – und alle Konsequenzen aus dem möglichen Fehlverhalten der Beamten ziehen zu wollen. Eine Suspendierung könne nur erfolgen, „wenn das Ziel die Entlassung ist“, so Mannheims oberster Polizeibeamter.

Kollmar sagte im Ausschuss aber auch, den Beamten habe es den Boden unter den Füßen weggerissen. Die Polizisten würden nach dem tödlichen Einsatz aktuell von einer Psychologin betreut. Die Familie des Verstorbenen werde beim voraussichtlichen Prozess als Nebenklägerin auftreten. (mko/dpa)

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