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Sexismusdebatte um Mannheimer Messe: Leser schockiert – „haben doch den A*** offen!“

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Von: Fabienne Schimbeno

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Die Sexismusdebatte um die Buden und Fahrgeschäfte auf der Mannheimer Messe hat Wellen geschlagen: MANNHEIM24-Leser sind entsetzt über die Kritik der Parteien – und lassen ihrer Wut freien Lauf:

„Als frauenpolitische Sprecherin der GRÜNEN Gemeinderatsfraktion bin ich über solche Darstellungen auf den Einrichtungen der Mannheimer Messe mehr als verärgert“, wird Angela Wendt, Stadträtin und frauenpolitische Sprecherin der Gemeinderatsfraktion der Grünen in Mannheim in einer Pressemitteilung am Mittwoch (4. Mai) zitiert. Eine Aussage, die gerade bei MANNHEIM24-Lesern auf Unverständnis stößt. Auf Social Media lassen sie ihrer Wut über die Sexismusdebatte um die Mannheimer Mess freien Lauf:

VeranstaltungMannheimer Mess
Zeitraum23. April bis 8. Mai
OrtNeuer Messplatz
ÖffnungszeitenSonntag bis Donnerstag: 13 bis 23 Uhr, Freitag/Samstag/vor Feiertagen: 13 bis 24 Uhr

Kritik an „sexistischen Darstellungen“ auf der Mannheimer Messe – Leser entsetzt

85 Prozent geben bei einer internen Umfrage an, die Kritik an „sexistischen Darstellungen“ auf der Mannheimer Messe unangebracht zu finden. Lediglich 10 Prozent stimmen Grüne und SPD zu. Die Sozialdemokraten hatten sich ebenfalls gegen erotische Abbildungen auf den Buden und Fahrgeschäften der Mannheimer Messe ausgesprochen. „Was vermeintlich „schon immer so“ war, darf nicht immer so bleiben“, erklärte die frauenpolitische SPD-Sprecherin Dr. Claudia Schöning-Kalender auf Anfrage von MANNHEIM24.

Auf Facebook schlägt der Artikel zur Sexismusdebatte rund um die Mannheimer Mess Wellen: Knapp 600 Kommentare in weniger als 24 Stunden – Tendenz steigend. Der Tonus ist weitgehend der gleiche: „Nieder mit SPD und Grüne – die haben doch den A*** offen!“. Nur wenige stimmen den Parteien zu. Eine Nutzerin schreibt zum Beispiel: „Gerade auf solchen Veranstaltungen waren schon genug Übergriffe. Sind vorsichtiger geworden, ist richtig so“.

„Wer diese Partei noch unterstützt...“: MANNHEIM24-Leser über Sexismusdebatte um Maimess

Mehr als 200 Likes bekommt hingegen folgender Kommentar eines Facebook-Nutzers: „Ganz ehrlich, wer diese Partei [die Grünen] noch unterstützt dem kann man auch nichtmehr helfen“. Ein anderer schreibt: „Langsam glaube ich: wir haben fertig!“. Die Grünen selbst haben bislang nicht darauf reagiert.

Auf Twitter posten sie bereits am Mittwoch (4. Mai) ihre Forderung, „keine sexistischen Abbildungen auf der Mannheimer Messe“ zu zeigen. Zwei Likes, ein (böser) Kommentar, viel mehr ist unter dem Beitrag nicht los. Der gleiche Beitrag auf Facebook bringt immerhin 22 Likes, aber dafür nur negative Kommentare. „Was kommt als Nächstes, Kleidkontrollen in der Innenstadt?“, heißt es da unter anderem.

Stuttgart: Einigung in Sexismusdebatte um Cannstatter Wasen

In Stuttgart kommt es am Donnerstag (5. Mai) zu einer Aussprache zwischen Schaustellern und der Gemeinderatsfraktion der Grünen in Stuttgart: Auch hier wurden „sexistische Darstellungen“ auf dem Frühlingsfest bzw. Cannstatter Wasen angeprangert.

Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur werden die Schausteller mehrere Abbildungen auf dem Stuttgarter Frühlingsfest umgestalten. Es gehe um drei halbnackte Frauen, deren Blusen oder Büstenhalter offen waren, sagte Mark Roschmann vom Schaustellerverband Südwest Stuttgart am Donnerstag nach dem Treffen auf dem Wasen.

SPD und Grüne kritisieren „sexistische Darstellungen“ auf der Mannheimer Messe. (Fotomontage)
SPD und Grüne kritisieren „sexistische Darstellungen“ auf der Mannheimer Messe. (Fotomontage) © MANNHEIM24/Fabienne Schimbeno/Montage HEADLINE24

Stuttgarter Grüne-Stadträtin überzeugt: „Das Gespräch war sehr gut“

Eine der Damen bekomme jetzt eine geschlossene Bluse, bei einer anderen werde der BH geschlossen. Es sei aber aus finanziellen Gründen nicht möglich, komplette Fassaden von heute auf morgen umzugestalten. „Das fängt im mittleren fünfstelligen Bereich an“, sagt Roschmann. Er sei aber zufrieden mit der Einigung.

Auch Stuttgarter Grünen-Stadträtin Jitka Sklenárová zeigt sich positiv: „Das Gespräch war sehr gut“, sagt die frauenpolitische Sprecherin. Ziel sei ein „diskriminierungsfreier Raum“ auf dem Wasen. Wie dieser konkret aussehe, müsse aber noch abschließend geklärt werden.

Sexismus auf der Mannheimer Messe? FDP mit klarer Haltung

Ob in Mannheim eine ähnliche Diskussion geplant ist, ist bislang nicht bekannt. In der Zwischenzeit hat sich auch die FDP auf Anfrage unserer Redaktion zum Sexismus-Fall geäußert: „Solange die Darstellungen nicht gegen den Jugendschutz verstoßen, sehe ich keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf“, sagt Bundestagsabgeordneter Konrad Stockmeier am Donnerstag (5. Mai).

Die Werbung werde sich sicherlich im Zuge gesellschaftlicher Debatten in den nächsten Jahren weiter entwickeln und verändern. „Es liegt an den Inhaber der Geschäfte, wie diese für sich und Ihre Betriebe werben“, so Stockmeier.

FDP Mannheim: Umgestaltung des Messplatzes dringender

Man sollte froh sein, dass die Schausteller die schwierige Pandemiezeit überstanden haben statt ihnen ihre Arbeit durch diese Debatten zu erschweren, ermahnt er weiter.

„Die Umgestaltungspläne des Messplatzes in Mannheim sollte die Kommunalpolitik eher beschäftigen. Damit auch in Zukunft noch Messen auf dem Messplatz stattfinden können“, so der FDP-Vorsitzende. Ob wir in Zukunft also ohne leicht bekleidete Damen auf der Mannheimer Messe klarkommen müssen, bleibt zunächst offen. (fas mit dpa)

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