Ist das Kunst – oder kann das weg? 

BGH: Kunsthalle durfte ‚Mannheimer Loch‘ zerstören

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Das „Mannheimer Loch“ ist der Neugestaltung der Kunsthalle zum Opfer gefallen.  

Karlsruhe/Mannheim - Der BGH hat im Streit um zwei Installationen, die beim Neubau der Kunsthalle entfernt wurden, entschieden. Das „Mannheimer Loch“ ist zwar Kunst, konnte aber weg:  

Update, 21. Januar 2019, 10:55 Uhr: Der Bundesgerichtshof hat am Donnerstag (21. Februar) im Streit um die Kunstwerke „HHole (for Mannheim)“, besser bekannt als „Mannheimer Loch“, und „PHaradies“ von Nathalie Braun Barends entschieden: Auch wenn Künstler in der Regel das Recht haben, die Vernichtung eines ihrer Werke zu verbieten, gehen die Interessen des Eigentümers an einer Neugestaltung in aller Regel vor, wenn das Werk Teil eines Bauwerks ist.

Die Richter entschieden, dass das Urhebergesetz den Künstler nicht nur vor der Verfälschung, sondern auch vor der Vernichtung seiner Werke schützt. Das war bisher umstritten. Interessen des Eigentümers können dem aber entgegenstehen.

Ende Dezember hatte der BGH auch über das Urheberrecht in Museen entschieden: Ein Mann hatte für Wikipedia Fotos von Kunstwerken in den Reiss-Engelhorn-Museen gemacht und diese anschließend im Internet hochgeladen.

OLG muss über Schadenersatz entscheiden

Die Kunsthalle hatte die beiden Installationen der Künstlerin Braun Barends im Zuge der Um- und Neugestaltung entfernt. „HHole“ zog sich in einem siebenstöckigen Gebäudeteil der Kunsthalle durch sämtliche Ebenen des Trakts.

Kunststreit um das „Mannheimer Loch“

Der Künstlerin stehen womöglich noch bis zu 66.000 Euro Vergütung zu. Darüber muss das OLG Karlsruhe entscheiden, das eine entsprechende Klage der Künstlerin zunächst abgewiesen hatte. Laut BGH sind die Ansprüche von Braun Barends nicht verjährt.

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Verhandlung um „Mannheimer Loch“ beginnt am BGH

Update, 28. November 2018: Der Prozess am Bundesgerichtshof hat begonnen. Wie sich während der Karlsruher Verhandlung herauskristallisiert, geht es im Kern darum, in welchen Fällen der Eigentümer eines Gebäudes ein Kunstwerk darin vernichten darf. 

So wie im Fall der Installation von Nathalie Braun Barends, die dem Um- und Neubau der Kunsthalle zum Opfer gefallen ist. Ihr Urteil wollen die obersten Zivilrichter erst in einigen Wochen verkünden.

Darf Museum Kunstwerk vernichten?

Braun Barends sieht ihr Urheberrecht verletzt und  will ihre Arbeiten wieder aufbauen dürfen. Andernfalls verlangt sie hohe Summen Schadenersatz von der Stadt Mannheim, die die Kunsthalle betreibt. 

Ob das Gesetz den Künstler nun vor einer Einstellung seiner Werke oder auch vor deren Vernichtung schützt, ist bisher nicht höchstrichterlich geklärt. Die Richter deuten an, dass sie zu der zweiten Auffassung neigen. Das Interesse des Eigentümers, sein Gebäude frei umzugestalten, sei ein wichtiger Punkt, gehe aber nicht zwangsläufig vor. 

Für die Abwägung will der Senat Maßstäbe entwickeln. Eine Rolle dürfte dabei spielen, welchen künstlerischen Wert eine Arbeit hat, ob es nur ein einziges Exemplar davon gibt und ob die Kunst für den Gebrauch gedacht oder „zweckfrei“ ist. 

Verhandelt wurde auch ein Fall aus Berlin. Hier hatten Künstler eine Schwarzlicht-Minigolfanlage mitgestaltet.

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Die Künstlerin Nathalie Braun Barends will nicht hinnehmen, dass ihre Werke im dem neuen Architektur-Konzept keinen Platz mehr haben. Es geht um die als „ Mannheimer Loch “ bekannt gewordene Arbeit „HHole for Mannheim)", die sich durch runde Öffnungen in den Geschossdecken über alle sieben Ebenen des Athene-Trakts zog. 

Die Lichtinstallation „PHaradise“ wurde bei einer Dachsanierung entfernt. Die Künstlerin sieht ihr Urheberrecht verletzt. Sie kämpft für den Wiederaufbau oder zumindest Schadenersatz. 

Bisher hatten ihre Klagen gegen die Stadt Mannheim keinen Erfolg. Die Gerichte meinten, dass die Interessen des Eigentümers in diesem Fall vorgehen. Er müsse die Möglichkeit haben, das Gebäude anderweitig zu nutzen und umzugestalten. Das letzte Wort hat jetzt der BGH. 

Ob nach der Verhandlung gleich ein Urteil verkündet wird, ist offen. Die Karlsruher Richter verhandeln auch einen ähnlichen Fall aus Berlin. Hier hatten Künstler eine Schwarzlicht-Minigolfanlage mitgestaltet. Der Betreiber ließ nach kurzer Zeit alles ummodeln.

dpa/kp

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