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„Völlig überrascht und entsetzt“: Daimler-Tochter in Mannheim will 1.000 Jobs verlagern

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Von: Florian Römer

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Mannheim - Die Daimler-Tochter EvoBus will einen Teil der Bus-Produktion ins Ausland verlegen. 1.000 Jobs sollen in der Quadratestadt wegfallen:

Um Kosten zu sparen, will Daimler Truck einen Teil der Bus-Produktion ins Ausland verlegen. Die Standorte der Tochter Evobus in Mannheim und Neu-Ulm stünden aber nicht generell zur Diskussion, teilte ein Sprecher am Mittwoch (29. Juni) mit. „Wir sind der einzige Bushersteller, der in Deutschland produziert. Und es ist unser erklärtes Ziel, dass das auch in Zukunft so bleibt.“

StadtMannheim (Baden-Württemberg)
Einwohnerzahl309.721 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche145 km²
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Mannheim: EvoBus will 1.000 Jobs verlegen

Nun solle mit dem Betriebsrat nach sozialverträglichen Lösungen für die Mitarbeiter gesucht werden. Die IG Metall Mannheim teilte mit, dort wären etwa 1.000 Beschäftigte betroffen. Der Standort mit insgesamt 8.500 Beschäftigten sei einer der größten Arbeitgeber der Stadt. In Neu-Ulm stünden weitere rund 500 Arbeitsplätze auf der Kippe, hieß es in der Mitteilung.

Laut Gewerkschaft wurden die Mitarbeiter in einer kurzfristig angesetzten Informationsveranstaltung über die Verlegungspläne informiert. Entschieden sei laut eines Sprechers von Daimler Trucks aber noch nichts.

Ein Vorführwagen des zwölf Meter langen Standardbusses Citaro E-CELL der Mercedes-Benz-Tochter EvoBus steht auf dem Betriebsgelände der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Bis zum 13. Dezember 2018 testen die DVB den Elektrobus. Foto: Sebastian Kahnert/dpa/ZB
Ein E-Bus der Mercedes Benz-Tochter EvoBus. © Sebastian Kahnert/dpa

EvoBus will Busse im Rohbau in Tschechien produzieren

Unabhängig von der Corona-Pandemie wachse der Kostendruck, der Wettbewerb verschärfe sich, argumentierte die Daimler Truck AG. Die jährlichen Kosten müssten bis 2030 um 100 Millionen Euro aus dem Produktionsverbund in Deutschland reduziert werden, erläuterte der Sprecher.

Daher sollten hier weniger Fahrzeuge produziert und der Rohbau aus Mannheim nach Tschechien verlagert werden. „Wir wollen auch weiterhin Busse in Deutschland fertigen und stehen zu unseren Standorten in Mannheim und Neu-Ulm“, erklärte er. Sie sollten „Kompetenzcenter für Stadt- beziehungsweise Reisebusse“ bleiben.

Gewerkschaften wollen um Jobs in Mannheim kämpfen

„Der Karosserierohbau ist das Herzstück von Evobus in Mannheim. Wir werden nicht zulassen, dass das komplett ins Ausland verlagert wird“, sagte der Erste Bevollmächtigte und Geschäftsführer der IG Metall Mannheim, Thomas Hahl. „Das nehmen wir nicht kampflos hin, sondern werden jetzt in eine harte Auseinandersetzung gehen.“

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte dem „Mannheimer Morgen“, der Standort Mannheim habe die Chance, sich mit neuen Antrieben zu profilieren. Er sei jetzt schon Kompetenzzentrum für Elektromobilität. Damit habe man „ein dickes Pfund in der Hand, abseits von der klassischen Produktion“.

Job-Abbau: Mannheimer Politiker üben scharfe Kritik an EvoBus-Leitung

Isabel Cademartori (SPD) zeigte sich entsetzt über den geplanten Stellenabbau. Bei einem Besuch des Werks zwei Wochen zuvor hatte die Geschäftsleitung „die große Bedeutung und herausragende Stellung der Produktion in Deutschland betont“, so die Mannheimer Bundestagsabgeordnete. An dem Alleinstellungsmerkmal wolle man festhalten, hieß dann noch. „Die damaligen Aussagen der Geschäftsleitung stimmen in keinster Weise mit den Meldungen zum Stellenabbau überein“, ärgert sich Cademartori.

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Auch die Mannheimer Landtagsabgeordneten Stefan Fulst-Blei und Boris Weirauch (SPD) üben scharfe Kritik. Der geplante Stellenabbau bei EvoBus sei ein „Schlag ins Gesicht der Beschäftigten.“ Der EvoBus-Vorstand müsse gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern „eine Alternative zur Sicherung von Arbeitsplätzen“ erarbeiten, fordern die Politiker.

Das ist eine traurige Nachricht für unseren Industriestandort. Wir brauchen eine kluge Planung für den Standort und eine Lösung für die Beschäftigten vor Ort.

Melis Sekmen, Bündnis 90/Grüne, Bundestagsabgeordnete und Obfrau im Wirtschaftsausschuss

Es müsse geprüft werden, ob die Verlagerung langfristig tatsächlich Kosten einspart, fordert Melis Sekmen, Bundestagsabgeordnete der Grünen und Obfrau im Wirtschaftsausschuss. „Die Steigerung der Produktionskosten ist nämlich eine globale und nicht nur eine Entwicklung an unserem Standort.“ Nach Sekmens Überzeugung biete Mannheim weiter Wohlstand und Perspektiven für viele Menschen und Unternehmen.

Produktionsverlegung bei EvoBus: „Völlig überrascht und entsetzt“

„Völlig überrascht und entsetzt“, ist auch die CDU-Fraktion im Mannheimer Gemeinderat. Man fordere den Betriebsrat auf, „sich für den Standort stark zu machen“, heißt es in einer Mitteilung am Donnerstag (30. Juni). Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (SPD) soll „die Angelegenheit unverzüglich zur Chefsache machen“ und mit dem Daimler Truck-Vorstand Gespräche über den Erhalt des Karosseriebaus in Mannheim führen, findet CDU-Fraktionschef Claudius Kranz.

Von der Landesregierung fordert Kranz, ihren Einfluss auf den Stuttgarter Konzern geltend zu machen und sich für die „wichtigen Facharbeitsplätze“ in Mannheim so einzusetzen, wie sie es tun würde, wenn der mittlere Neckarraum betroffen wäre. Die aktuellen Krisen zeigten, wie wichtig es sei, Schlüsselproduktionen vor Ort zu haben, so Kranz.

„Die aktuellen Krisen, wie die Pandemie und ein Angriffskrieg mitten in Europa, haben gezeigt, wie wichtig es ist, Schlüsselproduktionen vor Ort zu haben. „Bisher hat die Bussparte des Daimler-Konzerns sehr von „Made in Germany“ profitiert. Dies aufzugeben wäre ein großer Fehler.“ (rmx mit Material von dpa)

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