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„Dreckig, abgespalten und verletzt“ – Huschke Mau spricht in Mannheim über Leben als Prostituierte

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Von: Madlen Trefzer

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Mannheim - Autorin und Doktorandin Huschke Mau erzählt schockierende Dinge aus ihrem Leben als Prostituierte. Trotz Schwierigkeiten gelingt ihr der Ausstieg.

„Studentin, schlank & experementierfreudig, ganz blank, willig & mit flinker Zunge, Französischliebhaberin, verwöhnt ihn und Paare“ – so lautete eine Annonce in einer regionalen Tageszeitung. Die Studentin, um die es geht, ist Huschke Mau. Heute erzählt die Doktorandin von ihrem Weg in die Prostitution und auch von ihrem Ausstieg. In der Kunsthalle Mannheim liest sie aus ihrem Buch „Entmenschlicht“.

Huschke Mau erzählt von ihrem Einstieg in die Prostitution – ihr erster Zuhälter ist ein Polizist

Auf die Zeitungsannonce, die ihr erster Zuhälter – ein Polizist – aufgibt, melden sich gleich etliche Freier. „Bevor es losgeht, geht er noch mit mir shoppen: Dessous und Strümpfe. Aber er kauft mir auch Armstulpen aus Spitze, damit die Freier meine völlig aufgeschnittenen Arme nicht sehen.“ Die junge Frau verbringt die Zeit zuvor in einer Psychiatrie, weil sie Gewalt und sexuellen Missbrauch bereits von daheim kennt.

Huschke Mau spricht über weitere Faktoren, die ihren Einstieg in die Prostitution begünstigen. Es sei auch die Angst gewesen, auf der Straße zu landen. Schließlich sei sie von zu Hause weggelaufen und die Ämter konnten ihr nicht weiterhelfen. „[…] egal wie oft ich meine Lage schildere, entweder sie wird nicht verstanden oder man ist nicht zuständig.“ Ihr kommt die Idee, anschaffen zu gehen. Sie fühlt sich aufgegeben, allein gelassen und ist völlig pleite.

Huschke Mau signiert ein Buch
Schüchtern und dennoch strahlend sitzt Huschke Mau auf der Bühne, auf der sie gerade ihr Herz ausgeschüttet hat und signiert ihr Buch. © Madlen Trefzer/MANNHEIM24

Bordellbesitzer lassen Frauen in Privatwohnungen anschaffen

Sie sitzt heute auf der Bühne in der Kunsthalle und Menschen hören ihr zu. Sie richten ihre Köpfe nach ihrer Hand, die auf ein Wohnhaus zeigt, das aus dem Fenster des „Stadtzimmers“ zu sehen ist – „in solchen Häusern mieten sich Bordellbetreiber eine Wohnung, setzen da vier bis fünf Mädchen rein und lassen sie anschaffen.“ In einer solchen Wohnung verbringt sie Jahre ihres Lebens, bis sie beschließt, auszusteigen.

Sie sucht sich Hilfe bei Organisationen, die auf Frauen in der Prostitution ausgerichtet sind und erlebt aufs Neue einen heftigen Rückschlag. Ihr kann niemand helfen und sie fühlt sich missverstanden und gedemütigt. Dabei betont sie ausdrücklich, dass es sich hierbei nicht um die Hilfsorganisation „Amalie“ handelt, die den Abend in der Kunsthalle mitorganisiert. Bereits früher kommt MANNHEIM24 mit „Amalie“ ins Gespräch. Damals lernen wir Tania kennen und erzählen ihre Geschichte – vom Missbrauch zur Prostitution.

Sexualisierte Gewalt ist für Frauen in der Prostitution alltäglich

„Wenn ich hier von Prostitution spreche, dass Prostitution keine Arbeit ist, dann meine ich: Bei der Prostitution handelt es sich um eine Form sexualisierter Gewalt, und diese darf einfach kein ‚Beruf‘ sein oder ‚Job‘ oder als ‚Arbeit wie jede andere‘ behandelt werden“, schreibt Huschke Mau. Dass Freier Frauen wie Ware behandeln und die Einstellung „Kunde ist König“ vertreten, ist schwer zu fassen. Auch die „netten“ Freier hinterlassen bei Huschke Mau das Gefühl, „dreckig, abgespalten und verletzt“ zu sein.

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Das schwierigste an diesem Beruf sei es nicht nur, die sexualisierte Gewalt über sich ergehen zu lassen, sondern dabei auch so zu tun, als würde man es genießen. Denn „Freier brauchen vor allem eines – Selbstbestätigung.“ Im Kampf gegen Zwangsprostitution verbietet die Stadt Heilbronn erst kürzlich den Straßenstrich. Die Lesung mit Huschke Mau findet im Rahmen der aktuellen interaktiven Ausstellung „Urban Nature“ statt und wirft Licht auf die dunklen „Parallelwelten“ einer Großstadt. (mad)

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