Deutsch-palästinensische Zusammenarbeit

OB Kurz startet Wasserprojekt in Hebron

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V.l.: Marwan Akhdar, Leiter der Abwasserwirtschaft der Stadt Hebron, David Linse, Leiter des Fachbereichs Internationales, Integration und Protokoll der Stadt Mannheim, Professor Daoud Zatari, Oberbürgermeister der Stadt Hebron, Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und Alexander Mauritz, Leiter des Eigenbetriebs Stadtentwässerung der Stadt Mannheim.

Hebron/Mannheim - In Zeiten erheblicher Spannungen in der Region setzt Mannheim ein Fünkchen Hoffnung im Westjordanland: OB Dr. Peter Kurz startet am Dienstag ein Wasserprojekt: 

Die erhebliche Spannungen im Mittleren und Nahen Osten werden weiter dafür sorgen, dass sich Flüchtlinge auf den Weg nach Mitteleuropa machen. 

Wir fordern dieser Tage stets die Bekämpfung von Fluchtursachen. Dazu gehört das Engagement in langfristigen Projekten, die lokale Strukturen verbessern und Zukunftsperspektiven eröffnen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (SPD) im Rahmen der 2. deutsch-palästinensischen Partnerschaftskonferenz in Jena im November.

Investition in Infrastrukturprojekt

Dem Startschuss für ein solches langfristiges Projekt wohnt Kurz am Dienstag in Hebron, Westjordanland, bei: Dort wird, unterstützt durch Investitionen internationaler Geldgeber wie der Weltbank oder der EU, eine Kläranlage gebaut. Das 62 Millionen Dollar teure Klärwerk wird das erste im Großraum Hebron (über 200.000 Einwohner) sein. Bislang fließen die Abwässer in offene Kanäle (Wadis) ab und versickern ungeklärt in der Natur. 

Der Aufbau eines funktionierenden Abwassermanagement ist für Hebron von vitaler Bedeutung. Das will die Stadt Mannheim mit dem Kooperationsprojekt „Jeder Tropfen zählt – Verbessertes integriertes Abwassermanagement in Hebron durch kommunalen Wissenstransfer“ unterstützen. Das deutsch-palästinensische kommunale Kooperationsprojekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) gefördert. 

Bei den Verhandlungen über einen Kooperationsvertrag Ende 2013 äußerte Hebron den Wunsch, auf dem Weg des Baus und der Inbetriebnahme der Kläranlage durch die Stadt Mannheim fachlich begleitet zu werden. Für das Kooperationsprojekt gibt das BMZ einen nicht rückzahlbaren Zuschuss von 50.000 Euro.

Kooperation in der Praxis 

Probenahme bei einer privaten Brauerei in Mannheim (v.l.n.r.: Thomas Nicke, Aied Abdel Taha, Übersetzer, Dr. Jürgen Schönung).

In Workshops und Trainings bildet der Eigenbetrieb Stadtentwässerung der Stadt Mannheim palästinensische Wasseringenieure aus. Sie sollen den nachhaltigen Betrieb der Kläranlage sicher stellen, die 2018 fertiggestellt sein wird. Die Ingenieure durchliefen in Mannheim alle Abteilungen der Stadtentwässerung: Kläranlage, Kanäle, Buchhaltung. Auch mögliche Managementstrukturen des zukünftigen Entwässerungsbetriebs in Hebron wurden erörtert. 

Ein weiterer Teil des Projekts „Jeder Tropfen zählt“ ist der erstmalige Anschluss des 2.500 Bewohner zählenden Stadtteils Al Sindas an das Kanalisationsnetz. Bisher sammelten die Anwohner ihre Abwässer in sogenannten „septic tanks“. Die manuelle Leerung dieser Behälter mit Pumpfahrzeugen ist äußerst kostspielig: 500 bis 1.000 Dollar jährlich pro Haushalt. 

Die Maßnahmen sollen helfen, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. „Die Menschen in den palästinensischen Gebieten gehören zu den Leidtragenden der aktuellen politischen Situation. Die Kooperation Mannheim-Hebron hilft den Menschen konkret und gibt Hoffnung für eine Verbesserung der Lage“, erklärt OB Kurz.

Hintergrund

Mannheim hatte im Dezember 2013 einen Kooperationsvertrag mit der Stadt Hebron unterzeichnet. Durch die Fördermittel des Bundes kann Mannheim konkrete Infrastrukturinvestitionen in Hebron veranlassen, ohne den städtischen Haushalt zu belasten. Die Zusammenarbeit von Fachexperten beider Städte stellt einen echten Wissenstransfer und damit die Nachhaltigkeit des Projekts sicher.

Mannheims israelische Partnerstadt Haifa hatte den Anstoß gegeben, Kooperationen mit palästinensischen Akteuren zu suchen. Auch wenn Haifa in das aktuelle Wasserprojekt mit Hebron nicht eingebunden ist, sei langfristig auch ein trilaterales Kooperationsprojekt denkbar, sagte eine Sprecherin der Stadt. 

Das Thema Wasser gehört zu den besonders drängenden Problemen im Nahen Osten. Wegen Wasserknappheit kommt es wiederholt zu politischen Auseinandersetzungen. Ein großer Teil des Schmutzwassers versickert bislang ungeklärt – ein ökologisches Problem für Mensch und Natur in der Region.

rmx

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