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Mannheim: „Unter aller Kanone“ – DB-Mitarbeiter will Rollstuhlfahrer zurücklassen

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Von: Teresa Knoll

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Wenn der behindertengerechte Lift am ICE4 kaputt ist, ist das ärgerlich. Ein Twitter-Nutzer teilt, wie ein Zugchef ihn deswegen stehen lassen will und sogar mit der Polizei droht.

Der Journalist Kay Macquarrie ist oft mit fehlender Barrierefreiheit in Zügen konfrontiert, denn er ist Berufspendler und sitzt im Rollstuhl. Am Sonntag (29. Mai) erlebt er am Hauptbahnhof Mannheim eine besonders diskriminierende Behandlung, wie er auf seinem Twitter-Kanal berichtet. Der Zugführer eines ICE4 will ihn nicht mitnehmen, weil der Lift kaputt ist – und droht ihm sogar mit der Bundespolizei.

UnternehmenDeutsche Bahn (DB)
HauptsitzBerlin
GründungJanuar 1994
TochtergesellschaftenDB Schenker, DB Regio, DB Netz

Mannheim Hauptbahnhof: Zugchef will Rollstuhlfahrer stehen lassen – Lift öfter defekt

„Ein Sonntag am Bahnhof in Mannheim. Vor dem Zug, nicht im Zug. Wohlgemerkt. Einzige Tür, durch die [Rollstuhlfahrer]-Leute reinkommen ist defekt. Zugchef will mich nicht mitnehmen, droht mit #Bundespolizei. Läuft bei @db_bahn & @SiemensMobility. Ein deutsches Traumpaar in Sachen Exklusion.“

Siemens Mobility war für Entwicklung und Bau der ICE4-Züge zuständig. In diese wurde extra ein Lift eingebaut, der es Menschen mit eingeschränkter Mobilität ermöglichen soll, bequem in den Zug zu gelangen. Kay Macquarries Twitter-Verlauf kann man entnehmen, dass es nicht das erste Mal ist, dass dieser Lift nicht funktioniert. Offenbar ist auch die einzige behindertengerechte Toilette im Wagen oft kaputt. 

Mannheim Hauptbahnhof: Zugchef hilft nicht – Rollstuhlfahrer muss alleine in Zug „krabbeln“

Der Bericht des Journalisten schreckt auch andere ab. „Ich muss bald in Reha nach Konstanz, aber mit der Bahn bis dahin? Lieber nicht. Bahnfahrt für Rollifahrer ein Alptraum“, fasst es ein Nutzer zusammen. Kay Macquarrie erlebte es auch schon, dass die Deutsche Bahn (DB) dem Journalisten kein Personal als Einstiegshilfe in den Zug bereitstellen kann, obwohl er sich Wochen vorher angemeldet hat.

Kay Macquarries Abenteuer am Sonntag wird aber noch skurriler: Er blockiert die andere Tür des Wagens. Eine Person hilft ihm, nachdem er „reinkrabbeln“ wollte. Drinnen muss er seinen Rollstuhl verkleinern, um mit „Ach und Krach“ auf seinen Platz zu gelangen. Ein kleiner Trost ist vielleicht das 9-Euro-Ticket als Schnäppchen-Fahrkarte, über das man hier alles erfährt, was man wissen muss.

Mannheim Hauptbahnhof: Zugchef droht Rollstuhlfahrer – Reaktionen auf Twitter gemischt

Der Bericht sorgt auf Twitter für Wirbel: „Schon erstaunlich, dass es in 200 Jahren Eisenbahngeschichte nicht gelungen ist, Bahnsteige und Züge so zu bauen, dass man ohne Hilfe ebenerdig zusteigen kann.“, heißt es da und: „Unter aller Kanone. Menschen würdig zu behandeln ist anders.“ Ein anderer bemerkt ironisch: „Was sollte die Polizei denn so machen? Türen reparieren?“

Ein Nutzer beleuchtet die andere Seite. „Wer aktiv einen Zug an der Weiterfahrt hindert (z. B. Türen oder Gleise blockiert) macht sich im schlimmsten Fall § 315 StGB schuldig.“ Ein zweiter meint: „Wenn bei akrobatischen Einlagen (Einstieg an nicht dafür geeigneten Stellen) was schief geht, ist das Geschrei groß. Klar ist der Ausfall eines Hublifts extrem ärgerlich, aber da kann der Zugchef nix dafür.“

Deutsche Bahn über Unannehmlichkeiten für Rollstuhlfahrer am Hauptbahnhof Mannheim

Auf Anfrage von MANNHEIM24 äußert sich die DB folgendermaßen zu dem Vorfall: „Die Deutsche Bahn (DB) unternimmt große Anstrengungen, um Reisenden mit Mobilitätseinschränkungen eine selbstbestimmte Mobilität zu ermöglichen. Wir bedauern, dass die Reise von Herrn Macquarrie mit Unannehmlichkeiten verbunden gewesen ist.“

Kay Macquarrie habe seine Reise im Voraus gebucht. Aufgrund kurzfristiger Bauarbeiten sei ab Mannheim ein Ersatz-ICE eingesetzt worden, bei dem die mit einem Hublift ausgestattete Einstiegstür defekt war. Damit Kay Macquarrie seine Reise trotzdem antreten konnte, hätten „die Kollegen vor Ort beherzt zugepackt und den Rollstuhlfahrer mit vereinten Kräften durch eine andere Wagentür in den Zug gehoben.“ (resa)

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