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„Es ist die Gemeinschaft“: Großer Andrang beim Eröffnungstag der Vesperkirche in Mannheim

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Von: Josefine Lenz

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Mannheim - Zum 26. Mal findet die Vesperkirche in Mannheim statt – dieses Mal unter dem Titel „Herzensstärke“. Zahlreiche Essen werden am ersten Tag an Bedürftige verteilt:

Am Sonntag (8. Januar) lädt die Vesperkirche in Mannheim wieder zum gemeinsamen Essen und Beisammen sein ein. „Wir wissen nicht, wie viele Menschen dieses Jahr in die Vesperkirche kommen, wie viele aufrecht stehen und sich zeigen“, sagt Pfarrerin Ilka Sobottke zur Eröffnung der 26. Mannheimer Vesperkirche unter dem Titel „Herzensstärke“. Fakt ist aber: Durch die über 500 Ehrenamtlichen kann sie auch dieses Jahr wieder stattfinden.

Vesperkirche in Mannheim: Großer Andrang am Eröffnungstag – über 420 Essen werden ausgegeben

Zum Auftakt in Mannheim gibt es geschmorte Schweinebäckle mit Linsengemüse und Kartoffelwürfel. Für vegetarische Gäste hält das Team Erbsensuppe mit Brot bereit. 425 Essen werden am Eröffnungstag insgesamt ausgegeben, darunter über 70 To-Go-Ausgaben. 411 Vesperbeutel werden gepackt und verteilt, die Käse- oder Wurstbrötchen, Schokolade und Orangen enthalten. Das Team rechnet mit einem rasanten Anstieg der Zahlen in den kommenden Tagen.

Ob Alleinerziehende, Rentner oder Arbeitslose, Ilka Sobottke betont in ihrer Predigt, dass es immer noch zu viele Menschen seien, die arm sind. „Noch nie lebten in Deutschland, so viele Menschen am Existenzminimum wie heute.“ Gast in der Vesperkirche sein, und sich nicht beschämen lassen, aufrecht stehen und sich trotz Armut zeigen – das sei auch Teil des „Wunders Vesperkirche“, so Ilka Sobottke. Zu heutigen Zeiten von Inflation und Energiekrise müsse sie erst recht stattfinden, so Sobottke.

An der neuen Sozialleistung „Bürgergeld“, das ab Januar in Kraft tritt, übt Ilka Sobottke Kritik. Das neue Bürgergeld sei eine Farce, so Ilka Sobottke. „Hartz IV mit neuem Namen, es gleicht nicht mal die Inflation aus.“ Gleichzeitig wachse der Reichtum in einem Land so sehr, dass immer mehr Reiche sagen „tax me now.“, besteuert mich, besteuert meinen Reichtum.

Vesperkirche in Mannheim: Großer Andrang am Eröffnungstag – „Es ist die Gemeinschaft“

„Es ist die Gemeinschaft, die netten Gespräche, die Geselligkeit eben, nicht nur das Essen“, erzählt Romina S.. Die 76-jährige stammt aus Rumänien, kam mit 45 Jahren wegen der Liebe nach Deutschland. Vor rund zwei Jahren ist ihr Mann gestorben, seitdem fühlt sich die Witwe einsam. „Gerade gestern erst war ich den ganzen Tag so allein und einsam. Das fällt einem schwer, das macht etwas mit dem Kopf“, erzählt sie. Umso mehr freue sie sich jetzt auf die Vesperkirche, wo sie unter Menschen sei, Gemeinschaft erleben dürfe. Im DiakoniePunkt arbeite sie als Ehrenamtliche zweimal wöchentlich. Eine Aufgabe, die ihr Spaß macht.

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Bis zum 5. Februar findet die Vesperkirche statt. Bedürftige bekommen hier jeden Tag kostenlos leckeres Essen, Kuchen und einen Vesperbeutel. Die Gottesdienste stehen unter dem Motto „mutwillig Wunder wagen“ und auch die musikalische Gestaltung kommt nicht zu kurz. Weitere Infos online unter www.vesperkirche-mannheim.de (jol/pm)

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