Bilder, die im Kopf bleiben 

Dieses Mannheimer Paar überlebt das Beben in Nepal

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Mannheimer Paar überlebt Beben in Nepal. 
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Mannheimer Paar überlebt Beben in Nepal. 

Mannheim/Nepal – Die Mannheimer Isabell D. und Marcus S. erlebten hautnah die Erdbeben-Katastrophe in Kathmandu. Uns erzählt das Paar, wie es die dramatischen Tage überstanden hat: 

Als Piercing- und Tattoo-Studio-Inhaber aus Mannheim reisen Isabell D. und ihr Mann Marcus S. auch zu internationalen Veranstaltungen. 

In der Zeit vom 24. bis zum 26. April sind die Mannheimer Piercer deshalb auf der 5th international Nepal Tattoo Convention unterwegs. Doch was dort passiert, werden Isabell und Marcus nie vergessen.... 

Das Paar aus der Quadratestadt berichtet MANNHEIM24 exklusiv, wie sie das stärkste Erdbeben in der nepalesischen Region seit mehr als 80 Jahren erlebt haben.

Das Beben nahe der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu forderte mehr als 5.500 Tote und 6.000 Verletzte

Isabell D. berichtet über die wohl dramatischsten Momente ihres Lebens: „Die 5. Nepal Tattoo Convention findet wie immer im 1. Stock des alten Palast am Yak und Yeti Hotel, Kathmandu statt. Riesige Hallen und große Türen schmücken das Gebäude – ähnlich wie ein Schloss. 

Mein Mann Marcus und Obi – der indische Freund unserer Mitarbeiterin Janine – sind im 1. Stock, als die Erde zu beben beginnt. Die Angst nicht schnell genug raus zu kommen, ist riesengroß. Es wird geschubst und geschrien...

Das Gebäude schwankt so stark, dass man sich kaum noch auf den Beinen halten kann... Menschen fallen hin, rutschen auf ihren Knien und schieben sich Richtung Treppenabgang. 

Marcus wird in diesem Gedränge kurzzeitig auf die Terrasse gedrückt. Dabei bekommt er einen Blick auf den Swimmingpool des Hotels. Was er sieht ist unglaublich: Durch das Beben werden die Menschen, die sich gerade im Pool befinden, rausgespült. Irgendwie schafft Marcus es schließlich, die Treppe zu erreichen und aus dem Gebäude zu flüchten.“ 

Dort trifft er auf seine Frau Isabell. Sie befindet sich vor Beginn des Bebens gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin im Erdgeschoss des Gebäudes. 

„Wir wollen gerade auf den Knopf im Fahrstuhl drücken, als erst der Strom ausfällt und nur eine Sekunde später alles zu beben und wackeln beginnt. Es grollt von unten hoch. ‚Raus hier‘ schreien wir fast gleichzeitig und rennen um unser Leben – die Tür des Fahrstuhls ist zum Glück offen geblieben.  

Nur zirka 15 Meter sind es bis zum Ausgang, doch auf dieser kurzen Strecke stoßen wir ständig an Türen und Wände, die sich alle auf uns zu und weg bewegen. Der Boden wird steil und wieder flach.... bis wir im Freien nach ein paar Metern an der gegenüberliegenden Mauer kauern und uns am Boden festhalten, der noch scheinbar ewig schwankt.  Wir starren angespannt auf den Ausgang, ein nepalesisches Mädchen liegt in meinem Arm und zittert. Ich kenne sie nicht, ihr Bein ist verletzt. Nach und nach kommen Hunderte aus dem Gebäude gerannt... Endlich auch Marcus und Obi. 

Wir zittern und sind fassungslos, melden uns jedoch sofort bei unserer Familie in Deutschland. Überraschenderweise funktioniert das Telefon und eine Verbindung wird hergestellt.“ 

Immer wieder sorgen Nachbeben für Angst

„Wir sehen das Ausmaß der Katastrophe – ein langer senkrechter Riss durchzieht das Außengebäude des Palastes. Noch immer fallen Gesteinsbrocken herunter. Plötzlich gibt es weitere Erschütterungen – laute Schreie ertönen.

Wir rennen wenige Meter weiter auf den Vorplatz des Hotels, aber auch dort sind wir aufgrund der angrenzenden Gebäude nicht sicher. Wir werden schließlich in den großen Garten des Yak und Yeti Hotels geschickt. Auf der großen grünen Wiese versuchen wir uns zu sammeln.“ 

Die Zustände nach dem Beben sind chaotisch. Immer wieder erschüttern Nachbeben die Menschen.  Es ist gespenstisch: das Grollen hört schnell auf, ganz leise schwankt der Boden mitsamt dem Hotel und uns um mehrere Meter hin und her. Hin und her und nochmal hin und her, dann stoppt es – Stille.“

Dies zeigt: Keiner kann sich zu diesem Zeitpunkt sicher fühlen.

Drei Tage harren die Mannheimer gemeinsam mit der nepalesischen Bevölkerung und weiteren Touristen unter freiem Himmel aus. 

Am Dienstag bekommt das Paar schließlich einen Flug nach Bangkok. Raus aus dem Krisengebiet – doch die Bilder bleiben noch lange im Kopf. 

„Wir kennen den Durbar Square, Thamel und die historischen Plätze von Bhaktapur. Es war unser fünfter Besuch in Nepal.  Ein wunderbares Land mit tollen, so gastfreundlichen Menschen und historischen Gebäuden. An den Türmen und Pagoden konnte man sich nie satt sehen. Wir sind so traurig, dass unsere Freunde alles verloren haben“, sagt Isabell abschließend. Noch immer bekommt sie einen Kloß im Hals, wenn sie über das Erlebte spricht. 

+++ Hintergrund +++

Am Samstag, 25. April, hat ein Erdbeben der Stärke 7,8 die Region nahe der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu erschüttert. Die nepalesische Regierung rief in den betroffenen Regionen den Katastrophenzustand aus und bittet um humanitäre Hilfe. 

Nach Angaben von Ministerpräsident Sushil Koirata könnten beim jüngsten Erdbeben in Nepal rund 10.000 Menschen ums Leben gekommen sein. 

lin

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