Stadtrundgang mal anders

Fotos: Mit Nachtwächter Mattheis durch Mannheims Nacht

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Stadtrundgang mal anders: Mit Nachtwächter Mattheis durch Mannheims Nacht.
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Stadtrundgang mal anders: Mit Nachtwächter Mattheis durch Mannheims Nacht.

Mannheim - Regelmäßig führt der Nachtwächter Mattheis durch die Mannheimer Nächte und erzählt über seine Arbeit und die Geschichte der Quadratestadt. Wir waren am Freitagabend dabei. 

Hört zu, Ihr Herren, und lasst Euch sagen, es hat die Uhr die acht geschlagen“, begrüßt er uns. Urig sieht er aus, Nachtwächter Mattheis, mit seinem riesengroßen Hut, die Hellebarde in der rechten Hand, die Laterne in der linken. 

Zu allererst klärt er auf: „Der Nachtwächter hott viel zu due und net bloß die Uhrzeit krakeele!“ Das war nur dort wichtig, wo Färber angesiedelt waren. Zu den Aufgaben des Nachtwächters in der Stadt gehörte es zum Beispiel, zu überprüfen, ob auch die Haustüren verschlossen waren. Im Brandfall war dies enorm wichtig, damit keine Frischluft durch die Eingangstür nachströmt. 

Außerhalb, in den Bauernvierteln gehörte es dazu, die Bauernregeln auszurufen und damit sozusagen das Wetter vorherzusagen. „Wer heute den Wetterbericht in der Zeitung liest“, sagt er und grinst schelmisch dabei, „der weiß, die Nachtwächter damals waren genau so gut!“ (Ja, liebe Print-Kollegen, das hat Mattheis wirklich gesagt!)

Weiter geht’s vom Treffpunkt Schlosskapelle kurz mitten auf den Ehrenhof, wo er uns von der bewegten Geschichte Mannheims erzählt, von den Anfängen als kleines Fischerdorf Manoheim und den mehrmaligen Blütezeiten und mindestens genau so vielen totalen Zerstörungen.

Hinterm Schloss ist es arg windig und Mattheis muss sich den Hut noch tiefer uns Gesicht ziehen. Wir erfahren viel über die Regentschaft von Carl Theodor auch über dessen ausschweifendes außereheliches Liebesleben – gestört hat's aber niemanden.

Was wir auch nicht in der Schule gelernt haben: Der Hemmersche Fünfstern, ein Blitzableiter, den der Jesuitenpater Johann Hemmer den Vorbild von Benjamin Franklin nachempfunden hat, wurde erstmals in der Sommerresidenz Schwetzingen getestet. Als nach einem großen Unwetter Schloss und Stadt verschont geblieben sind, wollten ihn alle haben – die feinen Damen auf ihrem Sonnenschirm, die Herren an ihren Gehstöcken. „Diesen Quatsch hatten wir in den 70 Jahren mit den Blitzableitern am Auto dann wieder“, kommentiert Mattheis trocken. Und wieder hat er die Lacher auf seiner Seite.

Weiter geht die Tour zur Sternwarte, zum Zeughaus, über den Schillerplatz zur Jesuitenkirche – die aus einem ganz einfachen Grund nicht nach Osten ausgerichtet ist: „Der Kurfürschd hott gsacht, des mache ma so, so basst's besser.

Gegen Ende erklärt uns Mattheis, mit bürgerlichem Namen heißt er Matthias Stieber, dass ziemlich viel von dem Bild, das wir von den Nachtwächtern haben, frei erfunden wurde. Die Lampe brauchte er nur in seiner ersten Runde, um die Lampen – die sogenannten Tranfunzeln – anzuzünden, bei seinen weiteren Runden brauchte er eher eine freie Hand, um sich gegen Angreifer wehren zu können. Auch eine Hellebarde hatte der Nachtwächter nicht. Erstens, weil ihm das Tragen einer Waffe verboten war, zweitens, weil eine Hellebarde einem Fußsoldaten dazu diente, gegen berittene Soldaten zu kämpfen mit einer Länge von 3,20 Metern in einer Stadt also völlig nutzlos ist. 

Das wichtigste Utensil: die Pfeife! Damit konnte der Nachtwächter nach einem Überfall nämlich sofort Hilfe anfordern.

Der Nachtwächter wurde ab 1870 romantisiert und alles, was nicht passte, wurde passend gemacht.“ 

Mit dem Nachtwächter durch Mannheim. Lehrreich, manchmal auch lustig und auf jeden Fall ganz was anderes als der Geschichtsunterricht, wie wir ihn aus der Schule kennen.

chr

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